„Vom Gießen des Zitronenbaums“
Film über einen geplanten Film

Der trutschige deutsche Titel täuscht: Regisseur Elia Suleiman hat einen wunderbar skurrilen Meta-Film geschaffen, dessen Ende etwas Hoffnung verspricht. 

Donnerstag, 16.01.2020, 15:00 Uhr aktualisiert: 16.01.2020, 16:24 Uhr
Elia Suleiman will Geld für den Film auftreiben.
Elia Suleiman will Geld für den Film auftreiben. Foto: Neue Visionen/dpa

Der arabisch-israelische Regisseur Elia Suleiman („Göttliche Intervention“) dreht selten Filme. Die wenigen aber, die es gibt, sind sehenswert. Suleiman ist kein politischer Filmemacher, denkt als Christ aus Nazareth den Nahost-Konflikt aber immer mit.

Diesmal legt er so etwas wie einen Meta-Film vor: Er inszeniert sich selbst als Regisseur, der nach Paris und New York reist, um Geld für seinen neuen Film aufzutreiben, der vom „Frieden in Nahost“ handeln soll – was die potenziellen Sponsoren verstört.Lieber soll er von Unterdrückung erzählen! Eigentlich aber besteht der Film, dessen trutschiger deutscher Titel „Vom Gießen des Zitronenbaums“ in eine falsche Richtung weist, aus kleinen, absurden Episoden, durch die Suleiman selbst, mit Strohhut und stoischer Miene, als stumme Beobachterfigur geistert – ein Wiedergänger von Jacques Tatis Monsieur Hulot.

Da irritieren Polizisten und Beamte mit seltsamen Alltags­choreografien, im Big Apple tragen Familien beim Einkaufen schwere Kriegswaffen mit sich herum: Alles wirkt surreal verschoben, ohne grell grotesk zu werden. Suleimans Filme bleiben leicht, am Ende scheint zaghaft die Hoffnung auf eine bessere Welt durch, vielleicht sogar im Nahen Osten. In Cannes gab’s dafür zwei Preise.

Bewertung

4 von 5 Punkten. Läuft im Cinema.

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