„Judy“
Letzte Gesänge eines Weltstars mit Renee Zellweger

Judy Garland war einer der größten Stars des 20. Jahrhunderts – und mit vierzig trotzdem weg vom Fenster. Dieses britische Film-Biopic zeigt sie bei ihrer letzten Konzertserie – mit einer famosen Renee Zellweger in der Titelrolle.

Donnerstag, 02.01.2020, 15:24 Uhr aktualisiert: 02.01.2020, 16:31 Uhr
Judy Garland (Renee Zellweger) hat ihre großen Erfolge längst hinter sich.
Judy Garland (Renee Zellweger) hat ihre großen Erfolge längst hinter sich. Foto: dpa

Die filmische Mode, biografische Porträts vom Ende her aufzuziehen, ist nicht neu – Orson Welles hat dafür mit „Citizen Kane“ den Standard gesetzt. Neu ist dagegen die seit einigen Jahren zu beobachtende Neigung zum ausschnitthaften Biopic: Filmemacher konzentrieren sich auf einen beispielhaften Moment in einem Prominentenleben, um diesen als Pars-pro-toto fürs Gesamtbild fruchtbar zu machen.

Regisseur Rupert Goold („True Story“) nimmt nun Judy Garland auf diese Weise in den Blick: Er zeigt sie 1969, auf der Zielgeraden ihrer Karriere. Die Schauspielerin und Sängerin war damals erst 47 und aus dem Hollywood-System trotzdem schon ausgeschlossen: Für den Ex-Kinderstar („Der Zauberer von Oz“) und späteren Superpromi („A Star is Born“) gab es längst keine Rollen mehr. Sie galt als unzuverlässig, war pleite.

Goold zeigt sie nun wenige Monate vor ihrem Tod (nach Schlafmittelüberdosis) während einer Konzertserie in London, voller Lampenfieber, Versagensängsten, versoffen, zugedröhnt und doch in guten Momenten ganz der alte Star, magisch und glamourös. Von der Bühne weg blendet der Film, der auf einem Bühnenstück basiert, in Garlands Kindheit zurück. Man sieht, wie die erst Zwölfjährige mit Beruhigungs- und Aufputschmitteln in den Arbeitsrhythmus der Entertainmentwelt eingetaktet wird. Die Dialogszenen allerdings, in denen Garlands Beziehung zu ihrem fünften Ehemann oder zu ihren drei Kindern (darunter die damals 22-jährige Liza Minnelli) beleuchtet werden, wirken bieder. Sie reißen alles Mögliche beflissen, aber oberflächlich an, auch ihren Status als Schwulenikone, gehen aber selten über Biopic-Routine hinaus.

Richtig zu sich kommt der Film nur in den Bühnenszenen. Dabei kann er sich auf eine herausragende Hauptdarstellerin verlassen. Renee Zellweger, die vom Oscar bis zur sechsjährigen Filmabstinenz in der Branche selbst jede Menge Gutes wie Schlimmes erlebt hat und seit „Chicago“ musicalerfahren ist, wirft sich mutig in die Rolle, ohne in Aussehen und Stimme sonderlich viel mit Garland gemein zu haben: Sie holt die Ikone gleichsam aus sich selbst heraus. Dafür dürfte sie jede Menge Preise einsammeln – vielleicht schon am Sonntag bei den Golden Globes.

Bewertung

„Judy“: Film-Biopic von Rupert Goold mit Renée Zellweger, Jessie Buckley (118 Minuten)

Bewertung: 3 von 5 Sternen

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