Die Welt der Bibel und der Antike
Bibelmuseum und Archäologiemuseum der Universität Münster öffnen nach Umbau und Sanierung

Münster -

Das Bibelmuseum und das Archäologische Museum der Uni Münster öffnen am Freitag, 13. Dezember, wieder ihre Pforten. Für insgesamt über drei Millionen Euro wurden die Museen erneuert und erweitert. Künftig öffnen sie ihre Türen parallel zum Westfälischen Landesmuseum. Die Museumsmeile zwischen Domplatz und Ägidiimarkt nimmt also Gestalt an. Jetzt fehlt in der Mitte nur noch das Geologisch-Paläontologische Museum.

Freitag, 13.12.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 13.12.2019, 09:06 Uhr
Schriftrollen, Pergamente, Textfragmente und vor allem kostbare Bibeln wie diese farbenfrohe Chagall-Bibel (oben rechts) sind im Bibelmuseum zu finden. Spektakulär: Eine 1546 geschriebene Widmung Martin Luthers in einer seiner Bibelübersetzungen (kl. Bild).
Schriftrollen, Pergamente, Textfragmente und vor allem kostbare Bibeln wie diese farbenfrohe Chagall-Bibel (oben rechts) sind im Bibelmuseum zu finden. Spektakulär: Eine 1546 geschriebene Widmung Martin Luthers in einer seiner Bibelübersetzungen (kl. Bild). Foto: Oliver Werner

Es war im Jahre 1546, als Martin Luther in eine seiner Bibeln eine kleine Widmung schrieb, die gewissermaßen die Summe seiner Theologie enthielt. In Anlehnung an das Johannesevangelium, Kapitel 3, das er hier paraphrasiert, äußert er seine über Jahrzehnte gewonnene theologische Grundüberzeugung von der Rechtfertigung allein aus dem Glauben. Dort, im Johannesevangelium, steht: „Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet.“

Luther konnte nicht ahnen, dass diese Bibel mit seiner Widmung einmal in Münster landen würde. Hier, im jetzt für 1,7 Millionen in einer Bauzeit von fünfeinhalb Jahren sanierten Bibelmuseum, dessen Gründung ins Jahre 1979 zurückreicht, zählt die Lutherbibel zu den kostbarsten und auch spektakulärsten Exponaten.

Universität öffnet nach Umbau Archäologie- und Bibelmuseum

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  • Prof. Dr. Holger Strutwolf, Leiter des Instituts für neutestamentliche Textforschung, erläutert Einige Exponate im Bibelmuseum.

    Foto: Oliver Werner
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  • Das große Modell der antiken Agora von Athen kann jetzt im neuen Archäologie-Museum gezeigt werden.

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Im neuen, abgedunkelten Ausstellungsraum im Innenhof zwischen Johannisstraße und Pferdegasse stößt der interessierte Besucher auf zwei etwa 13 Meter lange, mit bibliophilen Kostbarkeiten gefüllte Vitrinen. Konstantes Klima, gedimmtes Licht von 40 Lux (das entspräche ein paar Weihnachtskerzen) scheint auf die kostbaren Exponate, deren ältestes eine sumerische Tontafel ist, auf der vor 2500 Jahren schon die Erschaffung der Welt thematisiert wurde. Museumsdirektor Prof. Dr. Holger Strutwolf sieht die Bibel eingebettet in eine große Kulturgeschichte der Menschheit, in der es, wie er sagt, „immer Synkretismen“, also Vermischungen unterschiedlicher Religionen und Sichtweisen der Welt gab. Den Großteil der etwa 1500 Exponate, von denen die großen mittelalterlichen Handschriften und die frühneuzeitlichen, üppig bebilderten Bibeln besondere Blickfänge bieten, stammen aus der „Sammlung Walter Remy“, der europaweit größten Bibelsammlung aus Privatbesitz.

Neukonzeption der Ausstellung

Mit der Neukonzeption der Ausstellung geht auch ein ständiger thematischer Wechsel einher. „Im Dezember zeigen wir Bibelstellen, die sich mit Weihnachten beschäftigen. Zu Ostern oder Pfingsten stellen wir dann neue Fundstellen aus. Die Inhalte ändern sich also regelmäßig“, erläutert Kustos Dr. Jan Graefe.

Fast könnte man in diesen Tagen an der münsterschen Pferdegasse das Gefühl haben, die „Museumsmeile“ würde sich langsam schließen, wäre da nicht noch die garstige Lücke mit dem Geologisch-Paläontologischen Museum, dessen Fertigstellung vermutlich noch Jahre und Millionen kosten wird. Aber die Archäologen im Fürstenberghaus sind gottlob schon fertig (Bauzeit: zwölf Monate, Kosten: 1,5 Millionen Euro) und schlüsseln mit ihrer nun auf zwei Geschossen präsentierten Schau, in der gestern noch heftig gewerkelt wurde, die Welt und das Denken der Antike auf.

Museumsdirektor Prof. Dr. Achim Lichtenberger weist mit den ersten Exponaten hinter dem Eingang rechts direkt auf das Bibelmuseum hin. Hier ist – ungewöhnlich in der Darstellung – der bartlose Paulus auf einem Schliffglasfragment des 5. Jahrhunderts zu sehen. Außerdem – eine absolute Rarität – die silberne Hand einer Devotionalstatuette der griechischen Fruchtbarkeitsgöttin Artemis von Ephesos, gegen deren Kult der Apostel Paulus auf seinen christlichen Missionsreisen anpredigte. Durch das Fenster geht der Blick zum Paulus-Dom. So schließen sich geschichtliche Linien.

Mehr Ausstellungsfläche

In kleinen, eingängigen Themenkapiteln wird das antike Münzwesen ebenso aufgefächert wie die Rolle der Frau oder die Frage nach „Krieg und Frieden“. Die griechische Friedensgöttin, eine Rekonstruktion der „Eirene des Kephisodot“, steht wachend neben einem schönen Modell der athenischen Agora. War das Archäologiemuseum früher eine Art „Einraumwohnung“, so findet sich jetzt im Untergeschoss noch einmal so viel Ausstellungsfläche, die mit großen Amphoren am Eingang, mit Schautafeln und Vitrinen den Weg weist durch die griechischen und römischen Epochen der Antike.

Keine Frage: Münster ist wieder um zwei museale Attraktionen reicher!

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