Literatur
Dank Weihnachten: Buchmarkt-Jahr endet mit hauchdünnem Plus

Kein weiterer Einbruch: Das Weihnachtsgeschäft hat den Buchhandel gerettet. Doch für ein Frohlocken scheint es zu früh. Die Zahl der Buch-Käufer sinkt weiter. Der Druck auf den örtlichen Handel bleibt hoch, wie eine neue Fusion zeigt.

Donnerstag, 10.01.2019, 13:53 Uhr aktualisiert: 10.01.2019, 13:56 Uhr
Lange Regalreihen in einer Buchhandlung.
Lange Regalreihen in einer Buchhandlung. Foto: Ralf Hirschberger

Frankfurt/Main (dpa) - Aufatmen in der krisengeschüttelten Buchbranche: Ein solides Weihnachtsgeschäft hat ihr im vergangenen Jahr ein minimales Plus beschert. Der Umsatz stieg nach vorläufigen Zahlen um 0,1 Prozent, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Donnerstag in Frankfurt mitteilte.

2017 war der Umsatz im Buchmarkt um 1,6 Prozent auf 9,13 Milliarden Euro geschrumpft. Der traditionelle Handel hat sich 2018 vom Einbruch im Jahr zuvor (minus drei Prozent) erholt. Dennoch sind die sogenannten Sortimenter mit 0,6 Prozent weiter im Minus.

Die Zahlen basieren auf monatlichen Erhebungen über verschiedene Verkaufswege des Marktforschungsunternehmens Media Control. Genaue Zahlen zu Umsatz und dem Wachstum im Internethandel will der Börsenverein erst Mitte des Jahres veröffentlichen.

Der Branchenverband sieht jedoch ein positives Zeichen. «Das Buch bleibt ein zentrales Medium der Unterhaltung, der Information und der Meinungsbildung», sagt der Börsenvereins-Vorsteher Heinrich Riethmüller.

Die Zahlen zeigen allerdings auch, dass sich der Kaufschwund im Handel ungebremst fortsetzt. Der Absatz von Büchern - also die Zahl verkaufter Exemplare - ging im vergangenen Jahr um 1,4 Prozent zurück. Höhere Preise konnten dies beim Umsatz jedoch wettmachen. Im Schnitt zahlte jeder Käufer exakt pro Buch 13,36 Euro - und damit 1,4 Prozent mehr.

Bereits zwischen 2013 und 2017 hat der Publikumsmarkt (ohne Schul- und Fachbücher) 6,4 Millionen Käufer verloren. Das war fast jeder fünfte Kunde, wie eine im vergangenen Jahr vom Börsenverein vorgelegte Untersuchung ergab. Die Ursachen werden vor allem in der großen Konkurrenz durch andere Medien wie dem Internet gesehen. Mit unterschiedlichen Ideen will die Branche gegensteuern und das Buch wieder zum «emotionalen Erlebnis» machen.

Vor allem der Druck auf die Sortimenter bleibt hoch. Dazu passt die Nachricht, dass Deutschlands größte Buchhandelskette Thalia mit der Nummer vier der Branche - der Mayerschen Buchhandlung - fusioniert. Das gaben beide Unternehmen am Donnerstag bekannt. Der Thalia-Mehrheitsgesellschafter Manuel Herder wertete den Zusammenschluss als «ein Zeichen des Aufbruchs gegen die Marktmacht globaler Online-Händler und für die innerstädtische Lesekultur».

Unter den Gattungen waren im vergangenen Jahr Sachbücher mit einem Plus von 5,5 Prozent die großen Gewinner. Auch Kinder- und Jugendbücher legten beim Umsatz mit 3,2 Prozent deutlich zu. Die Belletristik als bedeutendste Warengruppe - dazu gehören Romane und Krimis - liegt dagegen mit 0,9 Prozent im Minus. Deutlich rückläufig waren 2018 auch Reiseliteratur (-3,2 Prozent) und Ratgeber (-1,2 Prozent).

Der meistverkaufte Roman (Hardcover) in Deutschland war «Der Insasse» von Sebastian Fitzek vor Frank Schätzings «Die Tyrannei des Schmetterlings» und Dörte Hansens «Mittagsstunde». Bei den Sachbüchern (Hardcover) liegt Michelle Obamas Autobiografie «Becoming» vorn. Dahinter folgten «Kurze Antworten auf große Fragen» von Stephen Hawking und «Der Ernährungskompass» von Bas Kast.

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