«Begonien (Rot und Gelb)»
Nolde-Gemälde zurück im Erfurter Angermuseum

1937 als «entartet» aussortiert, jetzt wiedererworben: Seit Montag hängen Emil Noldes «Begonien (Rot und Gelb)» wieder im Angermuseum. Ein herausragendes Werk der Kunstgeschichte, das auch Anlass gibt, über Noldes Verhältnis zum Nationalsozialismus nachzudenken.

Dienstag, 13.11.2018, 17:04 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 13.11.2018, 17:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 13.11.2018, 17:04 Uhr
Das Gemälde "Begonien" von Emil Nolde (1867-1956) im Erfurter Rathausfestsaal.
Das Gemälde "Begonien" von Emil Nolde (1867-1956) im Erfurter Rathausfestsaal. Foto: Martin Schutt

Erfurt (dpa) - Sie strahlen rot und gelb vor blau-weißem Hintergrund: Emil Noldes «Begonien», die seit Montag wieder im Erfurter Angermuseum zu sehen sind. Die Stadt präsentierte den Wiedererwerb des Gemäldes, das 1937 im Zuge der NS-Aktion «Entartete Kunst» aus dem Museum entfernt worden war.

Nolde (1867-1956) malte «Begonien (Rot und Gelb)» im Jahr 1929. Ein Jahr später kaufte das Angermuseum es erstmals - für 8000 Reichsmark, damals ein hoher Preis. 1939 ersteigerte ein Käufer in Luzern das Gemälde, im Frühjahr 2017 tauchte es erstmals wieder auf dem Kunstmarkt auf.

Die Stadt Erfurt versuchte zunächst erfolglos, es zu ersteigern. Doch später bot der Käufer, der 2017 mehr geboten hatte, das Bild der Stadt an - nachdem ihm dessen kulturpolitischer Hintergrund bewusst geworden war. Der Preis belief sich demnach auf 1,433 Millionen Euro. Die Kosten teilten sich die Stadt Erfurt, der Freistaat Thüringen, die Ernst von Siemens Kunststiftung, der Bund und die Kulturstiftung der Länder.

Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) sagte am Montag, das Bild veranschauliche die Brüche des 20. Jahrhunderts. Denn Nolde war zwar ein von den Nationalsozialisten verfemter Künstler - doch gleichzeitig Antisemit und selbst Mitglied in der NSDAP. Das rückerworbene Gemälde solle daher nicht nur ausgestellt werden, sondern müsse auch Noldes Nähe zum Nationalsozialismus transparent machen, sagte Hoff. Trotz seiner politischen Haltung wurde Nolde 1941 aus der sogenannten Reichskunstkammer ausgeschlossen und bekam Berufsverbot.

Noldes Gemälde sind bekannt für ihre intensive Farbigkeit. Die Blumen, die die Besucher auf dem Ölgemälde bestaunen können, lodern regelrecht. Dazu kommt ein lebendiger, expressiver Pinselduktus, wie Thomas von Taschitzki, Kurator am Angermuseum, erklärte. Dies und seine Abkehr von naturalistischen Maltechniken verband den Maler mit dem Expressionismus.

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