Im Duett
Jazz mit Tony Bennett und Diana Krall

Alte Titel werden neu gesungen, wenn Tony Bennett und Diana Krall zum Duett anstimmen. Ihr gemeinsames Album «Love Is Here To Stay» legt George Gershwins Klassiker wieder auf. Es ist warmer, heiterer Jazz, den Bennett mit 92 Jahren so lässig klingen lässt wie eh und je.

Donnerstag, 20.09.2018, 06:04 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 20.09.2018, 06:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 20.09.2018, 06:04 Uhr
Tony Bennett und Diana Krall harmonieren wunderbar.
Tony Bennett und Diana Krall harmonieren wunderbar. Foto: Mark Seliger

New York (dpa) - Warmer Nebel hat die obersten Stockwerke des Rockefeller Center in Grau gehüllt, als Tony Bennett die Bühne betritt: silberfarbene Krawatte, rotes Seidentuch in der Brusttasche und ein Lächeln, wie es nur ein Showman nach sieben Jahrzehnten Gesangskarriere lächeln kann.

Tony Bennett ist 92 Jahre alt, und er ist gekommen, um noch einmal zu singen. «S'Wonderful» stimmt Bennett an, eines der sorgenfreien Jazz-Stücke von Komponist George Gershwin. Die kanadische Sängerin und Pianistin Diana Krall (53) ist zum Duett im blauen Paillettenkleid erschienen. Ihre tief-sanfte Stimme greift in die raueren, rauchigen Töne Bennetts, dazu driften Flügel, Schlagzeug, Bass und Gitarre dahin. Man will sich einen Wein oder besser noch einen Cocktail einschenken und sich vielleicht eine Zigarette anzünden.

«Love Is Here To Stay» heißt das gemeinsame Album der beiden. Zwölf Titel Gershwin, zehn davon im Duett. Krall trägt Bennett, diesen vielleicht letzten großen Sänger der alten Garde, in eine jüngere Generation hinein. Es sei «unglaublich» und «der beste Tag», an dem sie nun mit diesem Mann auf der Bühne stehe. Im «Rainbow Room», der gedämpften, glänzenden Bar im 64. Stockwerk des Rockefeller Center, strahlen die Gesichter. Bennett strahlt zurück. Nach fast jedem Titel winkt er ins Publikum oder hebt grinsend beide Daumen.

Wie in Trance steht der 18-fache Grammy-Gewinner da, als Krall ihre Finger in der Solo-Nummer «But Not For Me» selbst über die Klaviatur spazieren lässt. «Lasst es regnen und donnern / Lasst eine Million Firmen untergehen», singt er dann selbst im heiteren «Who Cares?», und «Wen kümmert es, was die Öffentlichkeit schwätzt / Liebe ist das einzige, was zählt.» Bennetts Stimme breitet sich wie ein warmer Schleier im Raum aus. Die Welt mit all ihren Problemen - soll sie wenigstens bei diesen Takten doch bleiben, wo der Pfeffer wächst.

Ein bisschen großväterlich wirkt er schon, wenn er bei «Fascinating Rhythm» ein paar Textzeilen zu vergessen scheint. Oder wenn Krall wie eine Lieblings-Enkelin den Arm um ihn legt und ihn auf die Schläfe küsst. Aber wer wollte dem Mann das in dem Alter verübeln? Bennett wirkt dann auch etwas abwesend, als ein Guinness-Rekordhalter ihm ein Zertifikat überreicht: Rekord für die längste Zeit zwischen der Aufnahme eines Songs («Fascinating Rhythm» im Jahr 1949) und dessen nun erneuter Aufnahme, nämlich 68 Jahre und 342 Tage.

Bennett posiert für Fotos, schüttelt Hände, nimmt Glückwünsche entgegen. Der langjährige Fan Dan Thompson ist aus Houston, Texas angereist und hat lauter Platten, Fotos und alte Konzertkarten dabei, um sie von Bennett signieren zu lassen. Auf Fragen von Reportern antwortet der Sänger einsilbig, er sagt einfach «Ja!» oder «Wunderbar!» oder auch mal gar nichts. Bennett hört nicht mehr so gut, Krall übernimmt die Führung.

«Wie fühlt es sich an?», fragt die Reporterin eines Lokalsenders. «Es ist das wunderschönste Gefühl», antwortet Krall, die mit der Frage offenbar wenig anfangen kann. «Deine Stimme neben meiner zu hören, ist solch ein Rausch.» Aber wie es sich denn anfühle, will die Reporterin dann noch mal wissen. «Es fühlt sich wundervoll an. Es macht mich so glücklich. Ich bin so froh, dass ich darüber spreche», sagt Krall. «Danke», sagt Bennett einfach. Manchmal, mag man seinem Gesichtsausdruck ablesen, hört er auch einfach weg.

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