Konzert in Kiel
Maffay & Friends begeistern bei Unplugged-Tour

Selbst für Peter Maffay ist es ein Novum: Erstmals geht der erfahrene Rockmusiker unplugged auf Tournee. Der Auftakt in Kiel mit den Gaststars Johannes Oerding und der Countrysängerin Ilse DeLange wird zum musikalischen Fest unter Freunden, die Fans sind begeistert.

Donnerstag, 15.02.2018, 13:01 Uhr

Die Chemie zwischen Peter Maffay (l) und Johannes Oerding stimmt.
Die Chemie zwischen Peter Maffay (l) und Johannes Oerding stimmt. Foto: Carsten Rehder

Kiel (dpa) - Star der neuen Bühnenshow von Peter Maffay ist die riesige Videoleinwand als Hintergrund: In orange-gelben Flammentönen rast ein Skelett auf einem Motorrad durch die Landschaft, dazu wird ab und zu die mit dem Tempo kletternde Tachonadel gezeigt.

Mit seiner kraftvollen klaren Stimme singt Maffay, selbst begeisterter Motorradfahrer, seine Biker-Hymme «Gelobtes Land» - und bringt am Mittwochabend viele der rund 7000 begeisterten Fans beim Auftaktkonzert für seine «MTV Unplugged Tour '18» in der ausverkauften Kieler Sparkassen Arena zum ersten Mal in Gänsehautstimmung.

Während des Rocksongs, dem zweiten Titel des Konzerts, dreht Maffay sich dann vom Publikum weg Richtung Bühne, um die Konzentration voll auf das schmetternde Solo seines Saxofonisten Ronald Brunt zu lenken. Aber auch die leiseren, lyrischen Songs faszinieren die Fans. Was auch daran liegt, dass die Musiker auf der Leinwand immer wieder riesig in Nahaufnahme - quasi hautnah - gezeigt werden.

Maffay & Friends, auch diesmal inszeniert der Rockbarde die Show als musikalische Session unter Freunden. Als Gaststar auf allen 24 Tourneekonzerten wird Johannes Oerding (36) dabei sein. Gemeinsam singen beide, die vom Alter her Vater und Sohn sein könnten, Maffays Klassiker «Eiszeit» und Oerdings »So schön». Die Chemie zwischen den beiden stimmt, Maffay selbst spricht von Seelenverwandtschaft. Und Oerding bewundert, dass Maffay immer noch richtig Lust hat, gemeinsam Musik zu machen und Freude, anderen Künstlern eine Bühne zu geben.

Politisch wird's bei «Eiszeit». In Schwarzweiß sind Aufnahmen vom Atombombenabwurf 1945 auf Hiroshima zu sehen. Eine auf der Videoleinwand gezeigte Zeitung «The View» titelt «Trump America first». Dann die englische Schlagzeile, dass die Welt nach einem Krieg zerstört ist. Tausende Kreuze eines Soldatenfriedhofs sind zu sehen, New York liegt in Schutt und Asche, der Kopf der Freiheitsstatue ist nur noch ein Trümmerteil.

Im Nashville-Stil geben Maffay und die niederländische Countrysängerin Ilse Delange (40) Maffays Hit «Sonne in der Nacht», dazu stehen die Fans auf und klatschen begeistert mit. Zuvor bereits sang die Sängerin mit ihrem Partner JB Meijers ihren Erfolgssong «Calm after The Storm», mit dem sie 2014 den zweiten Platz beim Eurovision Song Contest belegt hatten.

Rückblende: Im vergangenen August nahm Maffay mit Musikerfreunden im Steintor-Varieté, einem kleineren Haus in Halle (Sachsen-Anhalt), sein MTV Unplugged Album auf. Neben Oerding und DeLange waren auch Jennifer Weist, Frontfrau der Band Jennifer Rostock, und der US-Musiker Tony Carey dabei, die in Kiel mit Maffay ebenfalls auf der Bühne stehen. Sie lassen die Sparkassen Arena ein bisschen zum Wohnzimmer werden, in der man gemeinsam mal rockige, mal lyrische Hausmusik macht. Maffay hat, wie er sagt, selbst alte Teppiche für die Bühne mitgebracht. Die Spielfreude seiner exzellenten Bandmusiker und der Gaststars wirkt ansteckend und authentisch. Von der Band fällt besonders Frank Mead mit seinen Saxofon- und Mundharmonika-Soli auf.

Das MTV Unplugged Album schoss im November sofort an die Spitze der deutschen Album-Charts. Es ist die 18. Nummer-eins-Platte in der Karriere Maffays. Kein Musiker in einem anderen Land der Welt hat mehr Nummer-eins-Alben veröffentlicht als Maffay in Deutschland. Mehr als 50 Millionen Tonträger hat er verkauft.

Unplugged bedeutet eigentlich den Verzicht auf elektronische Verstärkung. Aber kann das in großen Konzerthallen überhaupt funktionieren? Maffay ist manchen Kompromiss eingegangen, wie er schon vor dem Tourstart offen einräumte: «Wenn man genau hinguckt, ist dieses Unplugged nicht ganz astreines Unplugged.» Er verweist auf die Anlage («damit wir in diesem großen Raum hier gehört werden können»), auf die Mikrofone. «Es ist eine Menge Technik im Spiel, aber die Spielweise, die Stilistik ist reduziert auf eine Gitarre oder einen Bass, den man auch ohne Effekte, ohne elektronische Verstärkung spielen kann.» Doch oft dominiert ein satter Sound, nur selten kommt puristische Unplugged-Atmosphäre auf.

Die Tournee ist dem Veranstalter zufolge «bis auf wenige Restkarten» ausverkauft, mehr als 180 000 Tickets wurden bereits abgesetzt - das bedeutet eine Auslastung von 98 Prozent. Die Tournee führt bis 17. März durch 23 Städte in Deutschland; das Finale ist aber am 22. März in Zürich. «Ich weiß, es wird Spaß machen, wie eine große Klassenfahrt ohne Lehrer», sagte Oerding vor dem Tourauftakt. Die Premiere in Kiel hat das bestätigt.

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