Paralympics
Paralympics-Sturzserie: Verband regt Reformen an

Der Auftakt der alpinen Skiwettbewerbe bei den Paralympics ist von zahlreichen Stürzen überschattet worden. Ein Amerikaner musste mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden. Der deutsche Verbandschef regt nun Reformen an.

Sonntag, 09.03.2014, 13:10 Uhr

Krasnaja Poljana (dpa) - Die Sturzserie der Monoskirennfahrer bei den Paralympics von Sotschi sorgte für bange Blicke auf den Tribünen und erste Reformvorschläge aus der Sportpolitik.

«Wenn die Summe der Stürze überwiegt, muss man das hinterfragen. Das sind ja keine Anfänger, die da fahren», sagte Friedhelm Julius Beucher , Chef des Deutschen Behindertensportverbandes, der Nachrichtenagentur dpa. Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) müsse sich «grundsätzlich überlegen, ob man Monoskiwettbewerbe in allen Disziplinen auf allen Pisten» durchführen könne.

Bei den ersten Monoski-Rennen der Spiele in Krasnaja Poljana erreichte nur knapp die Hälfte aller angetretenen Athleten regulär das Ziel. Mit nur einem Ski kamen viele Sportler auf der aufgeweichten Piste zu Fall. Am schlimmsten erwischte es den Amerikaner Tyler Walker , der am Samstag regungslos im Schnee liegen blieb und mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden musste. Das US-Team gab wenige Stunden später Entwarnung. «Ich erinnere mich nicht mehr an den Unfall, aber ich habe mir nichts gebrochen», twitterte der 27-Jährige.

Walker hatte sich genau wie Weltmeister Franz Hanfstingl beim Abfahrtsrennen mehrmals überschlagen, der Deutsche kam mit einem Haarriss in einer Rippe davon. Beim Super-G am Sonntag starteten beide nicht, Hanfstingls Teamkollege Georg Kreiter stürzte ebenfalls. Auch Thomas Nolte, der dritte Deutsche, kam nicht ins Ziel. Von 28 Startern beim Männer-Super-G konnten nur zwölf mit gewerteten Läufen glänzen. «Das sind sehr anspruchsvolle Pisten, die aber regelgerecht sind», sagte Karl Quade, Chef de Mission des deutschen Teams. Eine IPC-Sprecherin betonte, dass es am Samstag in der Trainerrunde nach dem Rennen keine Beschwerden gegeben habe.

«Die Trainer und die Athleten haben gesagt: Das ist in Ordnung», bestätigte Quade, fügte aber an: «Wir werden da sicherlich drüber sprechen. Speziell die Abfahrt bei den Monoskifahrern war absoluter Highspeed.» Zusätzlich das Leben schwer macht den Paralympioniken das milde Frühlingswetter in Krasnaja Poljana mit Temperaturen jenseits der 10 Grad, wodurch der Schnee zu weich wird. «Es gibt eine ideale Fahrspur, die wird gesalzen. Wenn man da rauskommt, dann haut's einen in den weichen Schnee rein», erkannte Quade.

Der Österreicher Matthias Lanzinger stuft die Situation als «grenzwertig» ein, Beucher ist skeptisch ob der Zukunft von Monoskifahrern auf solch extrem steilen Pisten: «Jede Extremsituation gleichen Sie normalerweise mit dem zweiten Ski durch die Körperdrehung aus. Bei den Monoskifahrern geht das nicht», betonte er. Nolte hat das Sicherheitsvakuum erkannt: «Man versucht die Gefahr auszublenden, soweit es geht.» Zurückhaltung im Hang sei allerdings keine Lösung, wie Kreiter erklärte: «Jeder gibt volles Rohr. Wenn du das nicht machst, kommst du zumindest nicht unter die ersten Drei.»

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