Eisschnelllauf
Friesinger attackiert Eisschnelllauf-Verbandschef

Anni Friesinger-Postma hat drei Wochen vor dem Olympia-Auftakt in Sotschi den Präsidenten der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft als Verantwortlichen für den Niedergang der einstiegen Erfolgssportart ausgemacht. Vor allem kritisiert sie seine Haltung im Fall Pechstein.

Mittwoch, 15.01.2014, 12:57 Uhr

Berlin (dpa) - Anni Friesinger-Postma hat mit scharfen Worten die Haltung des deutschen Verbandschefs Gerd Heinze in der « Causa Pechstein » gerügt.

In der «Sport Bild» machte die dreimalige Olympiasiegerin den Präsidenten der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft ( DESG ) für den Niedergang der einstigen Erfolgssportart verantwortlich und forderte indirekt seine Ablösung.

«Ein Personalwechsel im Präsidium wäre dringend anzuraten, nachdem sich die DESG medial und finanziell selbst ins Abseits gearbeitet hat», sagte Friesinger-Postma dem Magazin. Heftig kritisiert sie Heinzes Parteinahme für Claudia Pechstein in deren Affäre um erhöhte Blutwerte. «Der Standpunkt in der Causa Pechstein ist für viele fraglich.» Der Präsident hatte eine Petition an den Weltverband ISU unterschrieben, in der die Rehabilitierung Pechsteins gefordert wird und stellte sich immer demonstrativ hinter die Läuferin.

«Der Präsident hat meines Erachtens leider keine neutrale Haltung und äußert sich in der Öffentlichkeit oftmals eher beschämend. Leider schaut unser Sportdirektor (Günter Schumacher; d. Red.) unbeteiligt zu, und der Teamleader (Helge Jasch; d. Red.) denkt auch nur an einen Schützling.» Pechstein war ohne positive Dopingprobe für zwei Jahre gesperrt worden und bestreitet, gedopt zu haben.

Heinze wies die Vorwürfe zurück. «Ich bin sicher, dass ich richtig gehandelt habe», sagte der DESG-Präsident. «Wir sind ja damals nicht himmelhochjauchend mit Anni auseinandergegangen. Ich weiß nicht, was sie mit diesen Anschuldigungen jetzt bewirken will», sagte Heinze der Nachrichtenagentur dpa. «Sie braucht die Öffentlichkeit und polarisiert gern. Damit muss ich leben», fügte er hinzu.

Vom Verband fordert Friesinger, die ihr zweites Kind erwartet, eine Umwälzung der Trainingsabläufe. «Man sollte mit der Zeit gehen, nicht nur Umfänge steigern, sondern auf dem Material- und Technik-Sektor mit der Konkurrenz mitziehen, jungen talentierten Trainern eine Chance geben und sich medial anders präsentieren», sagte die 16-malige Weltmeisterin. Heinze konterte: «Wenn ein Athlet physisch und psychisch nicht die Voraussetzungen hat, kann das Material ihn nicht voranbringen, da geht es um Tausendstel.» Er gab Friesinger aber recht in Sachen Trainerfrage. «Junge Leute brauchen Chancen, um sich beweisen zu können.»

Auch bemängelte die 37-Jährige den Umgang des Verbandes mit Team-Olympiasiegerin Stephanie Beckert. «Die kategorische Nicht-Aufstellung und das 'Im-Stich-Lassen' von Beckert war ein Fehler, der schon vor der olympischen Saison hätte gelöst werden müssen», sagte Friesinger-Postma. Heinze weist auch dies zurück: «Wir sind kein Schmuse-Verein, es geht um sportliche Leistungen. Stephanie war nicht stabil genug, um im Team zu laufen.»

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