Sportliches Tief
Eislauf-Initiative lädt DOSB ein

Die Leistungen der meisten deutschen Eisschnellläufer stagnieren bei der EM, die Finanz-Lage im Verband eskaliert. Im Moment ist kein Ausweg aus der allseits prekären Situation erkennbar. Nur ein Inline-Skater sorgt mit Bestzeiten für sportliche Hoffnungsschimmer.

Sonntag, 12.01.2020, 17:44 Uhr aktualisiert: 12.01.2020, 17:46 Uhr
Claudia Pechstein nimmt zum 22. Mal an einer Eisschnelllauf-EM teil.
Claudia Pechstein nimmt zum 22. Mal an einer Eisschnelllauf-EM teil. Foto: Peter Dejong

Heerenveen (dpa) - Die sich zuspitzende Finanz-Misere und eine Vielzahl dürftiger Leistungen auf dem Eis bereiten der derzeit führungslosen Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft große Sorgen.

Bei den Europameisterschaften in Heerenveen war die fast 48 Jahre alte Claudia Pechstein trotz Rückenproblemen über 3000 Meter mit Platz zwölf beste Deutsche - bezeichnend für die aktuelle Misere. Insofern sorgt Inline-Skater Stefan Emele mit krassen Leistungssprüngen für ein wenig Hoffnung.

In deutschen Vereinen wächst jedoch die Angst, dass angesichts leerer Kassen krasse finanzielle Einschnitte drohen. «Im Frühjahr geht das Licht aus, wenn es nicht gelingt, die Finanzlücke zu schließen», sagte Rainer Erdmann, der Sprecher der Initiative «DESG gemeinsam retten» im «Deutschlandfunk». Inzwischen fragt er sich: «Ist die DESG überhaupt zu retten?». Und kommt zu der Erkenntnis: «Von innen heraus nicht.» Daher lädt er nun Vertreter des Deutschen Olympischen Sportbundes und der Politik zu einem Krisentreffen ein.

«Deutschland muss sich wirklich überlegen: Geht es nur noch um Medaillen oder sehe ich auch den Breitensport?», sagte er. Schatzmeister Dieter Wallisch hatte zuvor der Deutschen Presse-Agentur bestätigt, dass nach dem Ausstieg von Hauptsponsor DKB ab Anfang April 400.000 Euro fehlen.

Die Athleten versuchten, beim stimmungsvollen Eis-Fest in der Thialf-Arena diese Probleme auszublenden. «Ich lass das nicht so doll an mich ran, konzentriere mich nur auf meine Leistung», sagte Stefan Emele. Der Inline-Skater verbesserte nach Bestleistungen über 500 und 1500 Meter am Sonntag auch seine Bestmarke über 1000 Meter in 1:10,07 Minuten gleich um 1,26 Sekunden und stürmte auf Platz zwölf. «Jetzt will ich Schritt für Schritt in die Weltspitze», sagte der Hesse.

Mit einer Ehrenrunde zelebrierte Claudia Pechstein ihren Auftritt in jener Arena, in der sie 1992 ihr EM-Debüt gefeiert hatte, und winkte nach den 3000 Metern freudig den 10.000 Fans auf einer Ehrenrunde zu. Der angestrebte 20. Top-Ten-Platz bei ihrer 22. EM-Teilnahme war ihr aber in dem Weltklassefeld nicht vergönnt. «Ich habe es einfach genießen dürfen, so viel Respekt vor dem Rennen bei der Ansage meines Namens zu bekommen», sagte sie. Mit Siegerin Esmee Visser aus den Niederlanden kann sie längst nicht mehr mithalten, am Sonntag musste sie sich als Achte des Massenstartrennens auch knapp im internen Duell gegen Michelle Uhrig (7.) geschlagen geben.

Pechstein war aber zufrieden, in ihrem Alter auf der Langstrecke mehr als vier Sekunden schneller gewesen zu sein als Roxanne Dufter (14.) und Uhrig (15.), deren Leistungen dort Bundestrainer Erik Bouwman enttäuschten. «Die Kraft ist einfach nicht da», sagte er.

In den kommenden Wochen soll sich nun entscheiden, ob Pechsteins Lebensgefährte Matthias Große für den vakanten Posten des DESG-Präsidenten in Frage kommt. Erdmann wollte sich noch nicht positionieren, wie seine Initiative zur Bewerbung des Berliner Immobilien-Unternehmers steht. Große habe bei ersten Treffen einen guten Eindruck hinterlassen, «aber von der inhaltlichen Seite ist schwer zu beurteilen, ob er der richtige Mann ist», sagte Erdmann.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7184859?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F819401%2F819514%2F819543%2F
Nachrichten-Ticker