Eishockey-Profiliga
Deutsche NHL-Torhüter: Greiss glänzt, Grubauer kämpft

Anders als erwartet hat sich Eishockey-Nationalkeeper Grubauer in der NHL noch nicht als Nummer eins durchgesetzt. In New York ist Kollege Greiss dagegen ein Grund für die überraschend starke Saison der Islanders. Dies könnte zu einer großen persönlichen Ehre führen.

Mittwoch, 06.03.2019, 13:24 Uhr aktualisiert: 06.03.2019, 13:28 Uhr
Islanders-Torhüter Thomas Greiss wurde eingewechselt und kassierte keinen Gegentreffer.
Islanders-Torhüter Thomas Greiss wurde eingewechselt und kassierte keinen Gegentreffer. Foto: Kathy Willens

New York (dpa) - Seine bislang beste NHL-Saison könnte Torhüter Thomas Greiss die erste persönliche Trophäe eines deutschen Eishockey-Profis in der besten Liga der Welt einbringen.

Mit überragenden Statistiken und starken Paraden gehört der Nationalkeeper von den New York Islanders in Nordamerika zu den Top-3-Torhütern und ist damit Anwärter auf die Vezina-Trophy, der Auszeichnung für den besten Schlussmann der Liga. «Es läuft gut», sagte der in seinen Aussagen stets zurückhaltende Greiss.

Nationalmannschaftskollege Philipp Grubauer kämpft dagegen. Während Greiss mit den Islanders als Tabellenerster der Metropolitan Division die Playoff-Teilnahme so gut wie sicher hat, muss der zweite deutsche Keeper um den Einzug in die K.o.-Runde mit den Colorado Avalanche bangen. Auch die Erwartungen an den Rosenheimer nach seinem Wechsel zu Saison-Beginn von den Washington Capitals nach Denver konnte er noch nicht erfüllen. Den erhofften Sprung zum Stammtorhüter packte der 27-Jährige bislang nicht.

Dabei ist auch der Füssener Greiss nicht die klare Nummer eins in New York. Islanders-Coach Barry Trotz, im Sommer von Titelverteidiger Washington nach Brooklyn gekommen, lässt seine Torhüter rotieren. Gemeinsam mit dem Schweden Robin Lehner wechselt sich der 33 Jahre alte Greiss ab und gilt im Moment noch als Nummer 1a. «Wir gewinnen Spiele, wir beide haben gute Statistiken, die Mannschaft spielt gut, also kann man sich nicht beschweren», sagte Greiss.

Ändern könnte sich das Prozedere allerdings in den ab April beginnenden Playoffs. «Schauen wir mal», sagte Greiss. «Das muss aber der Trainer wissen. Dies ist seine Aufgabe.» Der Deutsche besitzt beim Meister-Coach von 2018 zumindest ein sehr hohes Ansehen. «Er ist sehr entspannt und ein Team-Player», beschrieb Trotz seinen Keeper. «Wenn ich sage: 'Hey, du wirst die nächsten fünf Tage nicht spielen', antwortet er: 'Yep, okay, gut, ich bin trotzdem bereit.' Wenn ich sage: 'Du spielst morgen', würde er sagen: 'Yep, ich bin bereit.'» 

Dies zeigte Greiss auch in der Nacht zum Mittwoch, als er nach seiner Einwechslung für den angeschlagenen Lehner in der 56. Minute sein Team mit guten Reflexen zum 5:4 nach Penaltyschießen über Ottawa führte. Mit der derzeitigen Fangquote von 92,8 Prozent steht der Goalie ligaweit bei Torhütern mit mehr als 25 Spielen auf Rang drei, genauso bei den durchschnittlichen Gegentoren pro Match (2,23). Auch Konkurrent Lehner weist gute Werte auf (92,7 Prozent Fangquote und 2,19 Gegentore pro Spiel), so dass die Islanders dank des besten Torhüter-Duos bislang die wenigsten NHL-Gegentore kassierten.

Von diesen Quoten ist Grubauer weit entfernt. Mit einer Fangquote von 89,7 Prozent gehört er zu den schwächeren Torhütern. «Ich will die Nummer eins werden», hatte Grubauer nach seinem unterzeichneten Dreijahresvertrag in Colorado noch gesagt. Bei seinen 22 Start-Einsätzen überzeugte er allerdings selten richtig und muss meistens dem Russen Semjon Warlamow den Vorzug lassen. Grubauers Hoffnung: Warlamow hat noch keinen neuen Vertrag bei den Avalanche für die kommende Spielzeit.

Sollte Colorado, das derzeit zwei Punkte hinter den Playoff-Rängen steht, die K.o.-Runde verpassen, könnte Grubauer zumindest bei der WM in der Slowakei (10. bis 26. Mai) für die Nationalmannschaft zum Einsatz kommen. Zuletzt überragte er bei der Heim-WM 2017 und hatte großen Anteil am Viertelfinal-Einzug der DEB-Auswahl. Trotz des bisherigen Saisonverlaufs in der NHL gilt Grubauer beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) auch als der stärkste deutsche Keeper.

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