Basketball
Cavs-Coach Blatt: Der unbekannte Star-Trainer aus Europa

Er ist ein amerikanischer Jude und hat Russlands Basketballer zum EM-Titel geführt. Nun soll David Blatt die Cleveland Cavaliers mit Superstar LeBron James zum NBA-Champion machen - obwohl er aus Europa kommt und keinerlei NBA-Erfahrung hat.

Freitag, 14.11.2014, 13:26 Uhr

Cavaliers-Coach David Blatt ist in der NBA noch weitgehend unbekannt. Foto: Tannen Maury
Cavaliers-Coach David Blatt ist in der NBA noch weitgehend unbekannt. Foto: Tannen Maury Foto: dpa

Cleveland (dpa) - In Europa hat er alles gewonnen, in Nordamerika gilt David Blatt trotzdem immer noch als großer Unbekannter. Und obwohl der Trainer der Cleveland Cavaliers auf der bedeutendsten Basketball-Bühne der Welt ein Neuling ist, wird von ihm in der NBA gleich Meisterliches erwartet.

Schließlich hat Blatt in LeBron James den Superstar schlechthin im Team. «Ich stand mein gesamtes Leben unter Beobachtung. Zum einen gehört das zum Business, zum anderen zerbreche ich mir deshalb nicht den Kopf», gibt sich Blatt dennoch gelassen.

Einen wie ihn hat die NBA in ihrer 68-jährigen Geschichte noch nicht gehabt. Der 55 Jahre alte, in Boston geborene David Michael Blatt ist der erste Chefcoach der Liga, der seinen Posten bekam, ohne auch nur eine Minute in der NBA gespielt oder gecoacht zu haben. Ruf und Reputation, Meriten und Medaillen erwarb er sich in Europa.

Als bei der NBA-Draft 1981 kein Club Interesse am Spielmacher der Princeton Universität hatte, ging er nach Israel. Nach seiner aktiven Zeit übernahm Blatt hier 1993 seinen ersten Trainerposten bei Hapoel Galil Elyon. In den folgenden 21 Jahren arbeitete er zudem in Russland, der Türkei, Italien und Griechenland - und gewann 17 Titel. Seine Highlights waren der EM-Gewinn 2007 mit Russland sowie der Triumph in der Euroleague im Mai mit Maccabi Tel Aviv.

«Ich denke nicht, dass ich verpflichtet wurde, weil ich ein europäischer Trainer bin, sondern weil ich ein guter Coach bin», betonte er. Blatt verblüfft mit Selbstbewusstsein und unerwarteten Antworten auf die zu erwartenden Fragen der US-Medien. Ob er mit dem Druck in Cleveland klar komme? «Sie wissen nicht, was Druck ist, bis Sie Maccabi Tel Aviv trainieren», meinte er lässig. Als vor dem ersten Saisonspiel gegen die New York Knicks die Atmosphäre euphorischer kaum hätte sein können, entgegnete Blatt auf die Frage, ob er so etwas schon mal erlebt habe: «Um ehrlich zu sein, ja.»

So überraschend seine Verpflichtung durch die Cavs für Außenstehende auch kam, so folgerichtig war sie für Insider. Es gäbe vielleicht eine Handvoll Trainer in Europa, die für einen Job in der NBA infrage kämen. «Aber er ist definitiv einer von ihnen», sagte Donnie Nelson, Manager vom Dirk-Nowitzki-Club Dallas Mavericks.

Sein Kollege in Cleveland, David Griffin, bekam nach Blatts Vertragsunterschrift jede Menge Komplimente aus der Branche. Ihm sei ein «Slam Dunk» gelungen, hieß es. Blatts Verpflichtung erfuhr eine komplett andere Dimension, als drei Wochen später LeBron James bekannt gab, von den Miami Heat nach Cleveland zurückzukehren. Kurz darauf unterschrieb auch noch Olympiasieger Kevin Love, Allstar Kyrie Irving war eh schon da. Der Club gilt seitdem neben den Chicago Bulls als Topteam im Osten. Es herrschen Hype und Hysterie in Cleveland.

Dennoch bittet Blatt ebenso wie James um Geduld. Es werde Zeit brauchen, bis die Spieler sein System verinnerlicht hätten. Bei ihm steht das Team an erster Stelle, persönliche Eitelkeiten haben keine Chance. Blatt genießt den Ruf als jemand, der seine Spieler davon überzeugt, dass ein Pass besser sei, als eine Einzelaktionen. Selbst James, den viele als Egozentriker bezeichnen, ist von Blatts Basketball-Philosophie angetan. «Das ist Team-Basketball und so sollte er gespielt werden - selbstlos», betonte James.

Stars wie ihn, Love oder Irving gibt es in Europa nicht. Auf dem alten Kontinent haben die Trainer mehr Einfluss auf ihre Teams als in der NBA, wo Superstars gerne Sonderbehandlung beanspruchen. Dennoch glaubt Blatt an eine erfolgreiche Mission in Cleveland. Schließlich hat er in der Vergangenheit schon ganz andere Hürden übersprungen. «Ich bin ein amerikanisch-israelischer Jude, der in die ehemalige Sowjetunion gegangen ist und Europameister wurde. Wenn's um Basketball geht, wovor sollte ich Angst haben?»

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