Tennis
Kerber-Kraftakt - Nach 0:6 noch ins Halbfinale

Vor dem ersten Grand-Slam-Turnier der Saison scheint zumindest Angelique Kerber in starker Verfassung. In Sydney erreichte Deutschlands beste Tennisspielerin trotz eines 0:6-Rückstandes noch das Halbfinale. Philipp Kohlschreiber dagegen ist 2015 noch sieglos.

Mittwoch, 14.01.2015, 18:11 Uhr

Sydney (dpa) - Mit immenser Willensstärke hat Deutschlands beste Tennisspielerin Angelique Kerber erneut ein Match über drei Sätze gedreht und beim WTA-Turnier in Sydney das Halbfinale erreicht.

Einen Tag nach ihrem nächtlichen Kraftakt bis drei Uhr morgens setzte sich die Weltranglisten-Neunte aus Kiel nach einem 0:6-Rückstand gegen die aufstrebende Spanierin Garbine Muguruza noch mit 0:6, 6:1, 6:4 durch.

Mit einem lauten «Come on» quittierte die 26-Jährige zunächst den Fehler ihrer Gegnerin zum 40:0, ehe sie nach knapp 90 Minuten Spielzeit den dritten Matchball nutzte und ihren linken Zeigefinger gen Himmel streckte.

«Es hatte den Anschein, als wäre ich im ersten Satz gar nicht auf dem Platz gewesen», sagte Kerber. «Ich war immer einen oder zwei Schritte zu langsam. Aber dann bin ich aufgewacht und habe mich besser bewegt», meinte die Norddeutsche und fügte mit Blick auf das Halbfinale gegen Karolina Pliskova aus Tschechien mit einem Augenzwinkern hinzu: «Morgen werde ich mich etwas besser und länger warmmachen, damit ich den ersten Satz nicht wieder 0:6 verliere.»

Tags zuvor stand die Fed-Cup-Spielerin beim 6:7 (6:8), 7:6 (7:2), 6:3 gegen die Russin Daria Gawrilowa noch bis 3.10 Uhr Ortszeit auf dem Platz, am folgenden Tag war das Match rund zwanzig Minuten vor Mitternacht beendet. «Ich ziehe alle Hüte!!! #mitHerz #passion #wahnsinnsLeistung», schrieb Bundestrainerin Barbara Rittner nach dem Achtelfinal-Sieg im Kurznachrichtendienst Twitter.

Einen Tag später zeigte die Norddeutsche erneut all ihre Kampfkraft und Nervenstärke und drehte nach völlig verschlafenem Beginn die Partie. Ein lautes «Love you Angie» von der Tribüne quittierte Kerber mit einem Lächeln und schrieb beim Verlassen des Grand Stand geduldig Autogramme. Im Kampf um den erneuten Einzug ins Endspiel trifft die Vorjahresfinalistin bei ihrer Australian-Open-Generalprobe nun Pliskova. Von drei Duellen mit der Nummer 22 der Welt aus Tschechien hat Kerber bislang zwei gewonnen.

Bei einem weiteren Erfolg könnte ihr im Finale eine Revanche winken gegen Wimbledonsiegerin Petra Kvitova, der sie im Fed-Cup-Endspiel in Prag Anfang November unglücklich in drei Sätzen unterlegen war. Bei den am 19. Januar beginnenden Australian Open ist Kerber als eine von drei deutschen Spielerinnen gesetzt. Ihre Fed-Cup-Kolleginnen Andrea Petkovic (Darmstadt/an 13) und Sabine Lisicki (Berlin/an 28) waren in Sydney bereits in der ersten Runde ausgeschieden.

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