ANOC-Sitzung in Tokio
Olympias Probleme: Der Scheich, die Boxer und die Hitze

In gut 600 Tagen beginnen die Olympischen Spiele in Tokio, wo Freitag und Samstag das Exekutivkomitee des Internationalen Olympischen Komitees tagt. IOC-Chef Bach lobt die Vorbereitungen in Japan. Doch das IOC plagt sich mit einigen Problemen.

Mittwoch, 28.11.2018, 11:23 Uhr aktualisiert: 28.11.2018, 11:26 Uhr
Sportfunktionär Scheich Ahmad al Fahad Al-Sabah (l) in Tokio im Gespräch mit IOC-Präsident Thomas Bach.
Sportfunktionär Scheich Ahmad al Fahad Al-Sabah (l) in Tokio im Gespräch mit IOC-Präsident Thomas Bach. Foto: Eugene Hoshiko

Tokio (dpa) - Thomas Bach schwärmt, so wie es sich für einen Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees gehört. Bach verspricht sich «ausgezeichnete Spiele wieder einmal hier in Asien», wenn in gut 600 Tagen die Flamme in Tokio entzündet wird.

«Ich kann mich nicht erinnern, dass eine gastgebende Stadt zwei Jahre vor den Spielen mit den Vorbereitungen schon einmal so weit war wie Tokio», lobt er bei der Sitzung der Dachorganisation der Nationalen Olympischen Komitees (ANOC) in Japans Hauptstadt. Alles gut also in der olympischen Familie? Mitnichten. Vor der Sitzung des Exekutivkomitees am Freitag und Samstag liegen einige Probleme offen.

Der Topfunktionär: Dass sich Scheich Ahmad Al-Sabah in der vergangenen Woche zumindest vorübergehend aus dem IOC und nun vom einflussreichen Amt des ANOC-Vorsitzenden zurückzog, bezeichnet der Deutschlandfunk als «sportpolitischen Erdrutsch». Der Kuwaiter, der auch bei den Skandalen um den Fußball-Weltverband FIFA ins Zwielicht geraten war, gilt als einer der einflussreichsten Funktionäre überhaupt - und als Bachs Förderer. Grund für den Rückzug sind jedoch nicht seine sportpolitischen Aktivitäten, sondern innerkuwaitische Auseinandersetzungen. Im Zuge derer muss er sich in der Schweiz wegen angeblicher Fälschung von Videos verantworten. Den ANOC-Delegierten rief er aber zu: «Wir sind eine Familie. Und ich verspreche, ihr werdet mich sehr bald wieder in dieser Familie sehen.»

Die Sommerspiele 2020: Die Idee der Einführung einer Sommerzeit ist geplatzt. Laut der Regierungspartei LDP reicht es zeitlich nicht, bis ein Gesetzentwurf fertig ist. Nun müssen die Organisatoren mit anderen Mitteln das Hitz-Problem lösen, beispielsweise die Startzeit beim Marathon vorzuverlegen, wahrscheinlich auf 6 Uhr morgens. Einer der größten Knackpunkte ist der Verkehr in Tokio. Problem ist, dass es in der Metropole keinen Olympiapark gibt, die Veranstaltungsanlagen sind innerhalb der Stadt verstreut. Auf der Stadtautobahn Shutoko, über die hauptsächlich der Transport abgewickelt werden soll, kann keine gesonderte Spur für Olympia-Fahrzeuge eingerichtet werden. Infolgedessen könnte es zu noch mehr Staus kommen.

Die Winterspiele 2026: Nach dem Ausscheiden von Calgary sind noch Mailand/Cortina d'Ampezzo und Stockholm im Rennen. Während die Italiener auf die finanzielle Unterstützung der Regionen bauen, suchen die Schweden noch die Unterstützung der Politik. Das Organisationskomitee traf sich in der vergangenen Woche mit der neuen Bürgermeisterin, die Staatsregierung hat sich nach den Wahlen noch nicht konstituiert. Die Bewerbungsunterlagen müssen bis zum 11. Januar eingereicht werden. Bach sagte der Nachrichtenagentur Kyodo, es gebe keinen «Plan B», sollten die beiden «exzellenten» Bewerbungen zurückgezogen werden.

Das Amateurboxen: Das Internationale Olympische Komitee behält sich vor, «die Einbeziehung des Boxens ins Programm der Spiele 2020 in Tokio und 2024 in Paris zu überprüfen», wie es im vergangenen Monat mitteilte. Der Amateurbox-Weltverband AIBA hatte den Usbeken Gafur Rachimow mit deutlicher Mehrheit zu seinem Präsidenten gewählt. Dem Geschäftsmann wird vorgeworfen, eine bedeutende Rolle in der organisierten Kriminalität zu spielen. Das IOC betrachtet insgesamt den Umgang des Verbandes mit den Themen Rechtsprechung, Finanzierung, Antidopingprogramm und Verbandsführung mit Sorge. Das IOC erwägt, den Amateurbox-Verband von den Spielen in Tokio auszuschließen, nicht aber die Boxer. Ein anderer Verband müsste dann das Turnier organisieren.

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