Pferd eingeschläfert
Tod eines zweiten Pferdes überschattet die Reitsport-WM

Die WM in den USA ist keine Werbung für den Pferdesport. Neben Schlagzeilen über das Organisation-Chaos muss sich der Weltverband nach einem zweiten toten Pferd nun wieder mit dem Vorwurf der Tierquälerei auseinandersetzen.

Donnerstag, 20.09.2018, 16:40 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 20.09.2018, 16:35 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 20.09.2018, 16:40 Uhr
Die Reit-Weltmeisterschaften in den USA sind keine Werbung für den Pferdesport.
Die Reit-Weltmeisterschaften in den USA sind keine Werbung für den Pferdesport. Foto: Stefan Lafrentz

Tryon (dpa) - Die Reit-Weltmeisterschaften in den USA werden vom Tod eines zweiten Pferdes überschattet. Das schwedische Vielseitigkeitspferd Box Qutie wurde nach Angaben der Veranstalter eingeschläfert. Zuvor starb bereits nach dem Distanzritt in der Vorwoche das Pferd Barack Obama aus Neuseeland.

Die beiden Pferde gingen aus unterschiedlichen Gründen ein und wurden von Tierärzten erlöst. Bei dem Distanzpferd waren Nierenprobleme der Grund. Bei Box Qutie, geritten von der Schwedin Anna Freskgard, wurde ein sogenanntes Weichteilproblem diagnostiziert, hieß es in einer Mitteilung.

Das Pferd war nach dem Geländeritt im Ziel lahm angekommen und in eine Klinik gebracht worden. «Zunächst erholte sich die Stute, aber trotz bester medizinischer Versorgung verschlechterte sich ihr Zustand aufgrund von Kreislaufproblemen», hieß es in einer Mitteilung des Weltverbandes FEI: «Deshalb entschied sich die Besitzerin zusammen mit der Reiterin, dem Pfleger und Tierärzten für die Einschläferung.»

Nach den Regeln des Weltverbandes wird nun eine Obduktion durchgeführt. Nur führen diese Untersuchungen meistens zu nichts. Gerade in der Vielseitigkeit gibt es ein erhöhtes Risiko. Immer wieder gibt es Unfälle, zuletzt im Juni in Luhmühlen.

Der nach einem schweren Sturz bei dem Turnier in der Lüneburger Heide eingeschläferte Wallach Axel war das 26. tote Pferd bei internationalen Vielseitigkeits-Turnieren seit 2015. Eine entsprechende Liste für die Distanzrennen gibt es nicht. Dort besteht kein Risiko von Stürzen wie beim Geländeritt, sondern durch Überlastung.

Es gibt in der Vielseitigkeit nach Angaben des Weltverbandes bei einem vergleichbaren Zeitraum eine Reduzierung der tödlichen Unfälle von 30 Prozent. «Sicherheit im Pferdesport hat höchste Wichtigkeit für die FEI, und wir arbeiten hart dafür, unseren Sport so sicher wie möglich zu machen», hieß es. «Der Sport hat innewohnende Risiken, aber unser Job ist es, diese zu reduzieren.»

Besonders gut gelingt das nicht. Die WM in Tryon ist auf jeden Fall keine Werbung für den Pferdesport. Neben Schlagzeilen über das Organisation-Chaos muss sich der Weltverband nun wieder mit dem Vorwurf der Tierquälerei auseinandersetzen - vor allem beim Distanzreiten.

Das Rennen in der ersten WM-Woche war erst unterbrochen und später ganz abgebrochen worden. Grund sei die «gefährliche Kombination aus Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit», sagte FEI-Präsident Ingmar de Vos. Die Entscheidung sei zum Wohle der Pferde getroffen worden, sagte er Tage später. Da war es zumindest für Barack Obama zu spät.

Die Probleme bei dem WM-Rennen sind schwer zu erfassen, aber erschreckend ist, das mehr als die Hälfte der gestarteten Tiere in der Klinik waren. 53 von 94 Pferden mussten behandelt werden, davon 52 Pferde wegen Stoffwechselproblemen, eines wegen Lahmheit.

Die FEI macht keine Figur bei der Aufklärung. Die Angaben sind auch nach mehr als einer Woche unvollständig. Wie es mit dem Distanzrennen, eine ohnehin mit Doping-Problemen und dem dauerhaften Vorwurf der Tierquälerei kämpfende Disziplin, weitergeht? Nicht nur im Zelt des Weltverbandes auf dem Turniergelände wird darüber heiß diskutiert.

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