Vielseitigkeitsreiten
Fehler in letzter Sekunde: Klimke verpasst Gold bei Reit-WM

Tryon - Einen Tag müssen die Vielseitigkeitsreiter warten. Dann dürfen sie in dem verschobenen Springen um die Platzierungen reiten. Allerdings gibt es keine Zuschauer. Mit einem Fehler in letzter Sekunde vergibt Ingrid Klimke Gold, holt aber trotzdem eine Medaille.

Montag, 17.09.2018, 19:44 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 17.09.2018, 19:37 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 17.09.2018, 19:44 Uhr
Vielseitigkeitsreiterin Ingrid Klimke auf ihrem Pferd Hale Bob.
Vielseitigkeitsreiterin Ingrid Klimke auf ihrem Pferd Hale Bob. Foto: Joel Marklund

Das Gold war zum Greifen nahe - doch Ingrid Klimke patzte ausgerechnet am letzten Hindernis und kämpfte danach mit den Tränen. Die 50 Jahre alte Reiterin hat bei der Vielseitigkeits-Weltmeisterschaft in den USA den Titel hauchdünn verpasst, holte aber noch Bronze.

«Ich bin trotzdem happy mit Bronze. Das Minimalziel war die Olympia-Qualifikation mit der Mannschaft, das haben wir geschafft», sagte Klimke. Die Europameisterin aus Münster ritt als letzte Starterin ein, kassierte in Tryon (North Carolina) im abschließenden Springen aber bei ihren letzten Sprung noch Strafpunkte. «Das ist natürlich schade, aber ein Fehler kann immer passieren. Bronze ist ein kleiner Trost für sie», sagte Bundestrainer Hans Melzer.

14 Dinge, die Sie über Ingrid Klimke wissen müssen

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  • Kein Aprilscherz: Ingrid Klimke wurde am 1. April 1968 in Münster geboren.

    Foto: Jim Hollander
  • Nach 2000 (Sydney), 2004 (Athen), 2008 (Peking/Hongkong) und 2012 (London) sind die Spiele in Rio ihre fünften.

    Foto: Fazry Ismail
  • Die 48-Jährige ist die Tochter des 1999 verstorbenen Dr. Reiner Klimke, der bis heute der siegreichste Dressurreiter der Welt und einer der erfolgreichsten Sommer-Olympioniken ist.

    Foto: Friso Gentsch
  • 2014/15 gewann sie als erste Deutsche die Gesamtwertung der FEI Classics.

    Foto: Jim Hollander
  • 2012 wurde Klimke das Silberne Lorbeerblatt verliehen, die höchste sportliche Auszeichnung in Deutschland.

    Foto: Michael Kappeler
  • Im Anschluss an ihre Schulzeit machte sie eine Lehre zur Bankkauffrau und begann dann noch ein Lehramtsstudium - um sich dann aber ganz der professionellen Reiterei zu widmen. Mit Erfolg, wie unzählige nationale und internationale Triumphe beweisen.

    Foto: Fazry Ismail
  • Beim K+K-Cup 2012 erhielt Ingrid Klimke den Titel des Reitmeisters - als zweite Frau überhaupt. Die Auszeichnung ist eine der höchsten in der deutschen Reiterei.

    Foto: Friso Gentsch
  • Die Münsteranerin hat mit Stallmanagerin Carmen Thiemann ein der besten ihres Faches in ihrer Crew. 2013 erhielt Thiemann vom Weltreiterverband den „Best Groom Award“.

    Foto: Friso Gentsch
  • Naturgemäß kletterte Ingrid Klimke schon als kleines Mädchen in den Sattel. „Ich konnte eher reiten als laufen“, sagt sie daher oft scherzhaft.

    Foto: Friso Gentsch
  • Ingrid Klimke ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Vielseitigkeitsreiterin. Nicht nur in dem hippologischen Dreikampf ist sie Weltklasse, auch in der Dressur siegte sie schon in Prüfungen auf Grand-Prix-Niveau. Dazu gewann sie ebenso im Springparcours Goldene Schleifen.

    Foto: Friso Gentsch
  • Als waschechte Münsteranerin versucht sie, sich jeden Mittwochvormittag freizuschaufeln, um auf den Markt zu gehen.

    Foto: Friso Gentsch
  • Ingrid Klimke ist die Mutter zwei Töchter, die Greta und Philippa heißen. Mit Greta saß eine der beiden bereits in der Pony-Vielseitigkeit erfolgreich im Sattel.

    Foto: Jim Hollander
  • Ingrid Klimke ist zweifache Olympiasiegerin mit der deutschen Equipe (2008/2012). Eine olympische Einzelmedaille aber fehlt ihr noch.

    Foto: Uwe Anspach
  • Ingrid Klimke stand vor den Olympischen Spielen als eine von fünf Athleten zur Wahl, bei der Eröffnungsfeier die deutsche Fahne ins Stadion zu tragen. Am Ende machte Tischtennis-Star Timo Boll das Rennen. Klimke wäre die erste Frau gewesen, die die Disziplin Reiten als Fahnenträgerin vertreten hätte.

    Foto: Michael Kappeler

Die Tochter der Dressur-Legende Reiner Klimke vergab ihre glänzende Ausgangsposition. Denn vor dem letzten Ritt hatte sie mit ihrem Pferd Hale Bob in der Dressur und beim Geländeritt starke Leistungen gezeigt. Deutschland verpasste dadurch den Gold-Hattrick nach den WM-Siegen von Michael Jung 2010 in Lexington und Sandra Auffarth 2014 in Caen.

Mit der deutschen Mannschaft kam Klimke auf Rang fünf. Damit schaffte das Team die Olympia-Qualifikation. Zum deutschen Quartett gehörten außerdem Andreas Dibowski aus Döhle mit Corrida, Kai Rüder aus Blieschendorf mit Colani Sunrise und Julia Krajewski (Warendorf) mit Chipmunk. Der Sieg ging an Großbritannien, im Einzel setzte sich die Britin Rosalind Canter durch, Silber ging an Padraig McCarthy aus Irland.

Bis zum vergangenen Jahr war Klimke vor allem als Teamreiterin bekannt. Doch 2017 gewann sie bei der EM in Polen ihr erstes Einzel-Gold. Entsprechend forsch hatte Klimke vor der WM gesagt: «Es wäre ja Quatsch, wenn ich jetzt sage, dass ich mit meinem 14-jährigen Europameister nur teilnehmen will. Ich habe eine klare Vision. Wenn ich da hinfahre, dann will ich auch gewinnen.» Doch in Tryon vergab sie die große Chance.

Einige Male schon hatte Klimke greifbar nahe Siege im abschließenden Springen vergeben. Etwa bei den Olympischen Spielen in Hongkong, als sie zwei Abwürfe mit Abraxxas hatte und sich im Einzel mit Platz fünf begnügen musste. Dieses Trauma schien bei der EM vor einem Jahr beendet - jetzt kehrte es zurück.

Mit der Mannschaft ist Klimke deutlich erfolgreicher. Seit 2004 gehörte Klimke immer zu den von Hans Melzer gecoachten Teams, egal ob bei EM, WM oder Olympia. Je zwei Mannschafts-Goldmedaillen von Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften hängen zu Hause in Münster, dazu drei von Europameisterschaften. Sieben goldene Team-Medaillen - so viele hat sonst niemand.

Die Chance für das Einzel-Gold hatte Klimke in der Dressur, die sie als zweitbeste des Feldes abschloss, und vor allem bei einer «Traumrunde» im Gelände geschaffen. Beim Herzstück der Vielseitigkeit zeigte Klimke mit Hale Bob eine Gala-Vorstellung und schwärmte: «Es war einfach genial.»

Nach dem Geländeritt war Klimke noch «total happy». Denn «es lief super, wie er den Berg hochgaloppiert ist. Als ich merkte, dass die zweite Luft da ist, konnte ich noch mal zum Ende richtig Gas geben. Er ist echt so ein schnelles Pferd, hat viele Reserven.» Nur für das Springen am Montag reichte es nicht.

Das deutsche Team blieb ohne Medaille. «Wir sind schon sehr enttäuscht», kommentierte Melzer: «Wir haben uns hier wirklich was vorgenommen.» Auch Dibowski sagte: «Wir hatten uns mit der Mannschaft mehr ausgerechnet. Unsere eigenen Erwartungen haben wir hier nicht erfüllt.»

Das Fehlen von Michael Jung war nicht zu kompensieren. Der erfolgreichste Vielseitigkeitsreiter der Welt musste absagen, weil keines seiner Pferde fit war. Kurz vor der WM verletzte sich noch Rocana, die für den Tryon-Start vorgesehen war. «Einen Michi Jung kann keine Mannschaft der Welt ersetzen», sagte Dennis Peiler der Sportchef der Deutschen Reiterlichen Vereinigung.

 

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