Turnier in Tyron USA
Bei der Reit-WM zählt nur Gold - trotz des Werth-Risikos

Isabell Werths Erfolgsbilanz ist einzigartig. Für weiteres Gold bei der WM in den USA wählt die Dressur-Königin nicht die sichere Variante, sondern die gefährliche.

Dienstag, 11.09.2018, 18:36 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 11.09.2018, 18:33 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 11.09.2018, 18:36 Uhr
Medaillenhoffnung bei der Pferdesport-WM in Tryon: Dressurreiterin Isabell Werth.
Medaillenhoffnung bei der Pferdesport-WM in Tryon: Dressurreiterin Isabell Werth. Foto: Uwe Anspach

Tryon (dpa) - An Mut mangelt es Isabell Werth nicht. Für das große WM-Ziel, drei weitere Gold-Medaillen zu gewinnen, geht die erfolgreichste Reiterin ein beträchtliches Risiko ein. Die 49-Jährige reitet ein Pferd, das sehr lange verletzt war.

Nach mehr als dreieinhalb Jahren quälender Pause hat Werth erst Ende Juni wieder ein Turnier mit Bella Rose bestritten - und nun reitet sie mit der anfälligen Stute bei der WM in den USA.

Die Geschichte von Bella Rose ist eine von Leiden und Hoffnung. Bei der WM vor vier Jahren hatte Werth mit der Stute ihren ersten und bisher einzigen großen Auftritt. In Caen gehörten die Reiterin aus Rheinberg mit der Stute zum Team, das mit Champagner ausgelassen Gold feierte. Doch noch in der gleichen Nacht wurde klar, dass die Einzel-Prüfungen ohne das Traumpaar entschieden würden.

Bella Rose war verletzt. Und es folgte eine lange Leidenszeit. Zarte Hoffnung gab es nach einem Comeback der Stute beim Weltcup-Turnier im November 2014 in Stuttgart, doch direkt danach fiel die Stute wieder aus. Immer weiter zögerte sich die Rückkehr hinaus, die fast schon unmöglich schien. Noch im Frühjahr sagte Werth: «Ich bin ja nicht bescheuert und sage einen Termin.»

Ohne Ankündigung startete Werth mit der talentierten Stute erstmals wieder Ende Juni im österreichischen Fritzens. Nach nur zwei weiteren Stationen entschied sie sich für die WM für ihr Lieblingspferd. Und gegen Weihegold. Mit der stall-internen Konkurrenz hatte Werth zuletzt zweimal den Weltcup gewonnen und dreimal Gold bei der EM. Die zuverlässige Weihegold wäre die sichere Variante gewesen. Aber Werth wollte in Tryon/North Carolina unbedingt ihren Liebling reiten, Bella Rose. Die Bundestrainerin stimmte schließlich zu. Monica Theodorescu meint: «Das Risiko ist nicht höher als bei den anderen Pferden. Sie war zuletzt konstant und immer besser.»

«Letztendlich hat den Ausschlag gegeben, dass die Stute im Aufwind ist, auf einer Welle», erklärt die Bundestrainerin die Wahl von Bella Rose: «Sie hat Perspektive.» Weihegolds Leistungspotenzial scheint hingegen ausgereizt. Und im Einzel ist Werths Konkurrenz zuletzt immer näher gerückt, vor allem aus dem eigenen Team.

Sönke Rothenberger heißt der juvenile Herausforderer. Mit seinem Cosmo hatte er Werth bei der EM am Rande einer Niederlage, musste sich nach der knappen Kür-Entscheidung mit Silber zufrieden geben. «Wir können uns gegenseitig zu Höchstleistungen puschen», sagt Werth. Zunächst aber liegt der Fokus auf dem Teamwettbewerb, der mit dem Grand Prix beginnt. Die Favoritenrolle ist klar. «Als Mannschaft sind wir Titelverteidiger, und wir hoffen, dass uns das gelingt», sagt die Bundestrainerin.

Die Deutschen sind wieder die Gejagten. «Das liegt natürlich an den letzten Ergebnissen und Resultaten», sagt Theodorescu. Nach einer Durststrecke ab 2007 haben die deutschen Dressur-Teams in den vergangenen Jahren wieder alles abgeräumt. Gold bei Olympia, EM und WM. Immer dabei war Werth, die allein sieben goldene WM-Medaillen gewonnen hat.

Und die Konkurrenz? «Ich schaue mir diese Videos nicht an, ganz bewusst, es nützt mir nichts», berichtet die Bundestrainerin: «Ich kann das ja nicht beeinflussen.» Anders als die Wahl von Werths Pferd.

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