Olympia-Bewerbung 2032
DOSB-Chef Hörmann kritisiert IOC und Rhein-Ruhr-Initiative

Münster -

Nun wehrt sich Alfons Hörmann. Der DOSB-Präsident weist jede Anschuldigung im Zuge der verpatzten Rhein-Ruhr-Bewerbung für Olympia 2032 von sich. Das IOC habe hingegen seine Zeitpläne nicht transparent gehalten, und auch in NRW habe es Fehler gegeben.

Montag, 01.03.2021, 17:16 Uhr aktualisiert: 01.03.2021, 19:02 Uhr
Rundumschlag gegen die Rolle des Buhmanns: DOSB-Präsident Alfons Hörmann wehrt sich gegen Vorwürfe, der Sport-Dachverband sei verantwortlich für die gescheiterten Olympia-Träume an Rhein und Ruhr.
Rundumschlag gegen die Rolle des Buhmanns: DOSB-Präsident Alfons Hörmann wehrt sich gegen Vorwürfe, der Sport-Dachverband sei verantwortlich für die gescheiterten Olympia-Träume an Rhein und Ruhr. Foto: dpa

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat im Zuge der gescheiterten Olympia-Bewerbung der Rhein-Ruhr-Initiative für 2032 die Visiere hochgeklappt. Während einer Videokonferenz am Montagmittag erläuterte DOSB-Präsident Alfons Hörmann seine Sicht der Dinge und unterstellte dem IOC: Entgegen dessen Darstellungen in der vergangenen Woche „gab es weder eine Sitzung ... noch eine formale Entscheidung für oder gegen einen Eintritt in den fortgesetzten Dialog“ zur Bewerbung. Zugleich wehrte sich Hörmann dagegen, „in die Ecke eines Buhmannes“ gestellt zu werden. Ein „beschleunigtes Verfahren“ des Internationalen Olympischen Komitees über die Vergabe der Spiele elf Jahre vor deren Ausrichtung habe auch bei anderen Bewerbern „schockierende Reaktionen hervorgerufen.

„Das IOC hat urplötzlich den Turbo angeworfen“, sagte Hörmann und belegte sein Statement mit zum Teil tagesgenauen Fakten, wie und wann Gespräche zwischen DOSB, IOC und Rhein-Ruhr vonstatten gingen. Der Konflikt entzündete sich an der Ankündigung des IOC, Brisbane (Australien) als Kandidat für 2032 zu küren, ehe sich die deutsche Initiative und der DOSB richtig positioniert hatten. Die Deutschen fühlten sich nun ins Hintertreffen gebracht, denn erst sollte hierzulande – böse Zungen behaupten, mit politischem Hintergrund – ein Bürgerentscheid in der zeitlichen Nähe zur Bundestagswahl in diesem Herbst oder zur Landtagswahl im Frühjahr nächsten Jahres durchgeführt werden.

Mronz bekommt Fett weg

Auch Michael Mronz, der Initiator der Rhein-Ruhr-Initiative, bekam sein Fett weg: Der habe beispielsweise der Landesregierung NRW nicht alle „nennenswerten Informationen“ vorgelegt, schilderte Hörmann seine Sicht der Dinge nach einem Telefonat mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet am Montagmorgen.

 Hintergrund: Die Initiative hatte dem DOSB vorgeworfen, international ungenügend vernetzt zu sein. Laschet hatte kritisiert, dass die Dachorganisation sich nicht in der Lage gesehen habe, „in einen ernsthaften Dialog mit dem IOC über eine deutsche Olympia-Bewerbung einzutreten“, und kein Gespür habe, „was sich beim IOC tut“.

Am Montagnachmittag versuchte Mronz, die Wogen zu glätten: „Die umfangreichen Darlegungen des DOSB belegen, dass wir bis zur Verkündung von Brisbane durch das IOC ganz klar darauf vertrauen durften, unsere Anstrengungen mit Blick auf den Herbst als Datum des Ratsbürgerentscheids zielorientiert weiterzuverfolgen. Es gab für uns keinerlei belastbare Faktenlage für eine Entscheidung des IOC im Februar, die irgendeine Änderung unseres Arbeitsprogramms notwendig gemacht hätte.“

Basta für 2032

Fest steht nunmehr jedenfalls, dass es ein Festhalten an der Bewerbung für die Spiele 2032 nicht mehr gebe. Hörmanns Basta: „Unser Verständnis ist, dass die Spiele nach Australien vergeben sind.“ Er machte nicht den Eindruck, dass er über die IOC-Entscheidung enttäuscht sei („ich kann sachlich und fachlich das Votum für Brisbane nachvollziehen“), auch wenn er durchaus Kritik an dem Verfahren und dem Umgang des IOC damit äußerte.

Teilweise warf er der Dachorganisation Falschaussagen vor. Ob 2036 – 100 Jahre nach den Nazi-Spielen in Berlin – eine erneute Kandidatur von Deutschland zu erwarten sei? „Dazu fehlt mir die Fantasie und die Vorstellungskraft“, sagte Hörmann, hielt aber ein Hintertürchen offen: „Wir haben zwar jetzt verloren, aber für die Zukunft haben wir sehr viel Zeit gewonnen.“

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