Fünfter Platz
Dreßen verpasst Abfahrtsmedaille - Svindal Olympiasieger

In Sotschi gab es keinen einzigen Abfahrer, in Pyeongchang schaffen es gleich zwei in die Top 10. Über die verpasste Medaille ist Thomas Dreßen zwar kurz enttäuscht, aber die Perspektiven im deutschen Team sind hervorragend. Nun folgt der Super-G.

Donnerstag, 15.02.2018, 09:08 Uhr

Verpasste bei der Abfahrt eine olympische Medaille: Thomas Dreßen.
Verpasste bei der Abfahrt eine olympische Medaille: Thomas Dreßen. Foto: Tobias Hase

Pyeongchang (dpa) - Nach dem kurzen Frust-Moment über die verpasste Medaille scherzte Thomas Dreßen schnell wieder mit den freiwilligen Helfern und posierte für Selfies.

Rang fünf - das beste deutsche Abfahrts-Ergebnis bei Olympia seit 26 Jahren - war für den Kitzbühel-Sieger trotz der Hoffnung auf Edelmetall ein gutes Resultat. «Ich habe wieder gezeigt, dass ich mich etabliert habe in der Weltspitze und werde alles daran setzen, dass ich da bleibe», sagte Dreßen in Pyeongchang. «Im ersten Moment war ich schon enttäuscht, dass es für keine Medaille gereicht hat. Aber am Ende des Tages Fünfter zu sein, ist nicht so schlecht.»

0,78 Sekunden fehlten dem Olympia-Debütanten auf Aksel Lund Svindal, der als erster Norweger Abfahrts-Gold holte und mit seinen 35 Jahren nun der älteste Olympiasieger der Geschichte ist. Auch dessen Teamkollege Kjetil Jansrud auf Platz zwei und Weltmeister Beat Feuz aus der Schweiz auf Rang drei waren mit mehr als einer halben Sekunde Vorsprung deutlich vor Dreßen. Dennoch konnte der 24 Jahre alte Skirennfahrer vom SC Mittenwald sein Ergebnis vor der nur spärlich gefüllten Tribüne schnell einschätzen: «Vor mir ist keiner jünger als ich, das sind alles erfahrene Läufer.» Zuletzt war Markus Wasmeier als Abfahrts-Vierter bei Olympia 1992 ähnlich weit vorne.

Weil Andreas Sander auf Rang zehn auch ein gutes Resultat ablieferte, konnten die deutschen Speedfahrer schon vor dem Super-G am Freitag (03.00 Uhr MEZ) festhalten: Mission erfüllt, Perspektive sehr gut. «Auch wenn wir knapp an einer Medaille vorbei gefahren sind muss man trotzdem sehen, woher wir kommen. In welcher kurzen Zeit man diese positive Entwicklung genommen hat», sagte Alpinchef Wolfgang Maier.

Die größte Medaillenchance ist dennoch ungenutzt verstrichen. Im Super-G holte Josef Ferstl zwar im Dezember den Sieg in Gröden, Gold, Silber oder Bronze in Südkorea wäre dennoch eine Überraschung.

Sehen lassen konnte sich das Abfahrtsresultat zweifelsohne. Zum Vergleich: Die österreichischen Abfahrer erlebten zwei Tage nach dem Kombinations-Gold von Marcel Hirscher ein Debakel und kamen nicht unter die besten Sechs, Vincent Kriechmayr wurde Siebter. Schlechter waren sie bei Winterspielen zuletzt 1960 in Squaw Valley.

Als Matthias Mayer vor vier Jahren in Sotschi Olympiasieger wurde, gab es dagegen keinen einzigen deutschen Abfahrer am Start. Die bislang letzte Medaille für die deutschen Herren holte Markus Wasmeier 1994 mit seinen beiden Goldenen bei den Winterspielen in Lillehammer. In der Königsdisziplin gab es seit 1992 nicht mal eine Platzierung in den Top 20.

Chefcoach Mathias Berthold aber hat mit seinem Trainerteam seit dem Wechsel zum Deutschen Skiverband binnen vier Jahren eine Abfahrts-Mannschaft geformt, die internationalen Respekt genießt. Im Olympia-Winter sammelte Dreßen einen dritten Platz in Beaver Creek und gewann die legendäre Abfahrt in Kitzbühel. Dazu kommt der Sieg im Super-G von Ferstl, der am Donnerstag aber nicht über Rang 25 hinaus kam. «Ich sehe für unsere Läufer eine absolut positive Perspektive. Wir sind jung, wir haben noch vieles vor», sagte Maier.

Auch Dreßen rechnet mit Erfolgen für sich und seine Teamkollegen: «Ich glaube, wir sind jetzt gerade ein richtig starkes Team, das sich gegenseitig pusht, aber auch noch viel Luft nach oben hat», sagte er nach der Fahrt, die nicht so gut war wie noch in der Kombi-Abfahrt am Dienstag. Da war er mit Startnummer eins Bestzeit gefahren, in der Spezialabfahrt aber musste er die Leaderbox mit der gleichen Nummer nach vier Minuten wieder räumen.

Svindal dagegen stand dort bei seiner letzten Olympia-Abfahrt lange, musste nur bei der Fahrt von Jansrud nochmal richtig zittern. Am Ende war er der erste Skirennfahrer, der Olympia-Gold in beiden Speeddisziplinen holte. Den Super-G gewann er 2010. «Hut ab vor seiner Leistung», gratulierte Dreßen. Er habe Svindal gesagt, «dass er ein Vorbild für jeden Athleten ist, der am Start steht».

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