Diskuswurf-Olympiasieger
Zur Räson gebracht? Harting schweigt - und redet doch

Nach dem Rücktritt von Robert macht in diesem Jahr Bruder Christoph Harting von sich reden. Der Diskuswerfer fällt aber weniger durch Leistung als durch unwürdige Sprüche auf. Nun haben sich Olympiasieger und DLV ausgesprochen - und der Berliner durfte zu WM.

Freitag, 27.09.2019, 10:56 Uhr aktualisiert: 27.09.2019, 11:02 Uhr
Wortgewaltig und schweigsam zugleich: Diskus-Olympiasieger Christoph Harting.
Wortgewaltig und schweigsam zugleich: Diskus-Olympiasieger Christoph Harting. Foto: Jens Büttner

Doha (dpa) - Ein Jahr lang keine Interviews - aber vor den Weltmeisterschaften Goodwill-Gespräche und Kontakte mit Kollegen: Hat der Deutsche Leichtathletik-Verband Diskuswurf-Olympiasieger Christoph Harting zur Räson gebracht?

Nach seinen verbalen Ausfällen bei den deutschen Meisterschaften zeigte sich der Berliner einsichtig und Argumenten gegenüber aufgeschlossen. Die verspätete Belohnung war das WM-Ticket für Doha, wo der 29-Jährige am Samstag (15.15 Uhr/MESZ) in der Qualifikation schon alles raushauen muss.

«Wir hatten sehr gute Gespräche mit Christoph Harting, in denen er unsere Argumente nachvollzogen hat», sagte DLV-Generaldirektor Idriss Gonschinska der Deutschen Presse-Agentur. «Ich fand es sehr wichtig, dass er unabhängig von den persönlichen Gesprächen direkt den Kontakt zu Martin Wierig und David Wrobel gesucht hat.» Auch die beiden Magdeburger starten in Doha.

Warum gab es das Krisengespräch überhaupt? Harting hatte die deutschen Meisterschaften Anfang August in Berlin als «letzten Erpressungsversuch der deutschen Leichtathletik» bezeichnet, es gebe «wenig Unbedeutenderes» als den Meistertitel. Zudem signalisierte der Rio-Olympiasieger, einen WM-Start («Einen Tag vorher anreisen, zwei Tage Wettkampf und am nächsten Tag auf Wiedersehen») nicht besonders zu schätzen. In einem Gespräch mit Gonschinska war er einsichtig.

Wie 2016 vor Olympia in Rio hat Harting auch diesmal angekündigt, bis zu den Sommerspielen 2020 in Tokio keine Interviews mehr zu geben. Daran hält er sich. Dennoch dürfte nach seinem Auftritt in Doha wieder Redebedarf bestehen - so oder so.

«In diesem Jahr ist das Niveau sehr hoch. Christoph ist viel zuzutrauen, aber dass er in Doha um die Medaillen mitkämpfen kann, ist eher unwahrscheinlich», sagte sein Trainer Torsten Lönnfors der dpa. Der Trainingsrückstand in diesem Jahr sei zu groß. Ergo: «Christoph ist gut in Form, aber leider noch nicht top fit.»Für Lönnfors war Harting 2016 einfach stärker. «Daher war der Erfolg in Rio kein Coup, sondern der verdiente Lohn», meinte der Diskuswurf-Bundestrainer.

Wierig nutzte die Schwächephase des Olympiasiegers aus - und wurde in Berlin mit 32 Jahren zum ersten Mal deutscher Meister. Der Schützling von Trainer Armin Lemme war vor sechs Jahren in Moskau schon WM-Vierter, in Doha möchte der 2,02-Meter-Mann seine beste Saisonleistung (bisher 66,04 Meter) abliefern. In Katar erlebt der Polizeimeister bereits seine fünfte Weltmeisterschaft. Sein Ziel? «Die Qualifikation überstehen und dann den Endkampf erreichen.»

Der DLV und Harting stehen seit der Aussprache «in einem sehr engen Kommunikationsprozess», berichtete Gonschinska. «Wir haben gemeinsam eine Strategie und Vereinbarung in Richtung Tokio getroffen. Und bisher hat sich Christoph mit seinem Trainer absolut daran gehalten.»

Gonschinska kommuniziert viel mit Athleten und Trainern. Im Fall Christoph Harting scheint die Wirkung der Worte anzuhalten: «Wir haben eine gute Idee, wie wir das zukünftig gestalten.»

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