Coronavirus-Pandemie
HBL-Präsident Schwenker: Hoffnung ist größer als der Glaube

Im Handball wird immer noch um einen Abschluss der Saison gerungen, doch die Zeichen für einen Abbruch mehren sich. HBL-Präsident Schwenker glaubt nicht daran, dass bis zum Sommer noch einmal gespielt wird.

Freitag, 10.04.2020, 11:42 Uhr aktualisiert: 10.04.2020, 11:44 Uhr
Chef der Deutschen Handball Liga: DHL-Präsident Uwe Schwenker.
Chef der Deutschen Handball Liga: DHL-Präsident Uwe Schwenker. Foto: Swen Pförtner

Frankfurt/Main (dpa) - Die Handball-Bundesliga lotet hinter den Kulissen weiter alle Möglichkeiten für eine Fortsetzung der bis zum 30. April ausgesetzten Saison aus, doch Liga-Präsident Uwe Schwenker glaubt nicht mehr an ein Happy End in der Corona-Krise.

«Wir wissen nicht, unter welchen Voraussetzungen wir wieder einsteigen können. Da ist natürlich bei den Verantwortlichen die Hoffnung größer als der Glaube», sagte Schwenker dem TV-Sender Sky Sport und betonte: «Ich persönlich halte es für eher unwahrscheinlich, dass wir die Saison zu Ende spielen.»

Am 20. April will die HBL eine Entscheidung treffen, ob es trotz massiver Probleme einen Neustart geben kann. Dieser müsste spätestens am 16. Mai erfolgen, um die Spielzeit 2019/20 bis zum 30. Juni abzuschließen. Eine Verlängerung bis in den Juli oder sogar August hat die Liga nach rechtlicher Prüfung ausgeschlossen.

Nach Ansicht von Schwenker spricht wenig für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebes, weil dieser wegen der Coronavirus-Pandemie nur ohne Zuschauer stattfinden könnte. «Die Clubs sind in keiner Weise von Geisterspielen erbaut. 30, 40 Prozent - in der Spitze bis zu 50 Prozent des Etats der Vereine kommen über Zuschauereinnahmen», sagte der 61-Jährige. «Fernsehen ist für uns immens wichtig, macht aber im Etat lediglich fünf Prozent aus.» Dennoch seien auch Spiele ohne Zuschauer denkbar: «Es ist grundsätzlich nicht ausgeschlossen. Wir halten uns alle Optionen offen.»

Gegen eine Fortsetzung der Saison spricht auch eine erhöhte Verletzungsgefahr für die Spieler durch das noch enger getaktete Zeitfenster. «Nach Rücksprache mit Medizinern bräuchten wir ungefähr drei bis vier Wochen, um ein vernünftiges Mannschaftstraining durchführen zu können, damit wir anschließend nicht ein anderes Problem hätten, nämlich dass eine Vielzahl an Spielern sich aufgrund des kurzfristigen Einstiegs in die Saison verletzen würde. Das gilt es zu vermeiden», warnte Schwenker.

Momentan ruht bei allen Vereinen der komplette Trainingsbetrieb, eine Rückkehr ist - anders als im Fußball - vorerst nicht in Sicht. «Es ist ein erheblicher Unterschied, ob man im Freien trainiert oder ob man in einer Vollkontaktsportart, wie wir es sind, in der Halle trainiert. Zum anderen hat der Fußball eine deutlich größere Wirtschaftsmacht und kann sich da entsprechend positionieren. Das ist für uns deutlich schwerer», argumentierte Schwenker.

Sollte es zu dem von ihm erwarteten Abbruch der Saison kommen, gäbe es keine sportlichen Absteiger. Dann würde auch die auf den 27./28. Juni verschobene Pokal-Endrunde in Hamburg ausfallen. Wie die Bundesliga-Spielzeit in diesem Fall gewertet würde, ist noch offen. Diese Frage soll nach Ostern geklärt werden.

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