U21-Nationalmannschaft
Kuntz freut sich auf Jahresfinale und warnt: «Rote Lampe» an

Stefan Kuntz geht mit Vorfreude und Sorge in das Jahresfinale. Seine neue U21 will die Spitze in der EM-Qualifikation behaupten und weiter ungeschlagen bleiben. Eine wegweisende Entscheidung könnte bald geklärt werden.

Freitag, 15.11.2019, 09:23 Uhr aktualisiert: 15.11.2019, 09:28 Uhr
Stefan Kuntz bemängelt zu wenig Einsatzzeit seiner Jung-Profis in ihren Clubs.
Stefan Kuntz bemängelt zu wenig Einsatzzeit seiner Jung-Profis in ihren Clubs. Foto: Robert Michael

Freiburg (dpa) - Bei aller Vorfreude auf das Jahresfinale vor vollem Haus stimmt U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz nachdenkliche Töne an.

«Es brennt mehr als eine rote Lampe», warnte der 57-Jährige. Kuntz zielte vor dem Heimspiel am Sonntag (16.00 Uhr/ProSieben) gegen Belgien auf die Einsatzzeiten seiner Jung-Profis in ihren Clubs ab. «Die Spielpraxis und die Höhe der Spielklassen sollten uns zu denken geben. Auf Dauer geht das nicht gut», mahnte Kuntz vor dem Heimspiel in der EM-Qualifikation in Freiburg.

Unter dem Erfolgscoach jubelte eine deutsche U21 im Jahr 2017 als Europameister, im Sommer 2019 wurde die wichtigste DFB-Nachwuchsmannschaft EM-Zweiter. Das danach neu aufgebaute Team verbuchte in vier Spielen drei Siege und ein Remis, letzteres auswärts gegen Europameister Spanien. 

Die gute Startbilanz der neuen Auswahl kann acht Monate vor den Olympischen Spielen in Tokio aber nicht über Probleme hinwegtäuschen. In der aktuellen U19 sind 20 Akteure bei Bundesligisten unter Vertrag, in der U17 sind es 17. Bei Kuntz bedeuten acht Akteure eine magere Ausbeute. «Von den Bundesligaspielern haben nur zwei Startelferfahrung. Luca Kilian und Ridle Baku kommen aus Paderborn und Mainz leider aktuell auch nicht mit einem wahnsinnigen Selbstvertrauensüberschuss hier her», sagte Kuntz.

Trotz dieser Schwierigkeiten ist ein Sieg zum Jahresabschluss fest eingeplant. «Das ist natürlich ein geiler Abschluss! Wir wollen das Spiel gewinnen, das Jahr gut beenden und uns damit eine optimale Ausgangslage für 2020 schaffen», sagte der Nürnberger Tim Handwerker.

Dass die Auswahl vor über 15 000 Zuschauern zu Hause spielt, macht besonders viel Lust. «Es ist sehr oft ein unerfüllter U21-Traum, in einem ausverkauften Stadion zu spielen», sagte Kuntz. So viele Zuschauer habe er bei seiner mehr als zweijährigen Zeit in der U21 noch nie zu Hause erlebt, betonte der Kieler Janni Serra. «Das freut uns ungemein und wird uns auch nochmal pushen und motivieren.»

Ein «richtiges Zwischenfazit» will Serra erst nach dem Belgien-Spiel ziehen. Das Jahresfazit von Kuntz fällt angesichts der starken EM und des geglückten Neustarts schon jetzt positiv aus. Die ersten wehmütigen Momente nach dem Ende der vergangenen EM-Generation waren rasch verflogen. Schnell stellte sich beim Europameister von 1996 wieder das Gefühl ein, dass es «schon wieder geil» werden würde mit der neuen Mannschaft. «Die U21 ist eine Möglichkeit für die jungen Spieler, sich zu präsentieren, sich zu verbessern. Es ist eine überragende Zusammenarbeit mit den Vereinen der Bundesliga», sagte Kuntz. «Da ist Vorfreude auf 2020 gerade schon wieder groß.»

Alles spricht dafür, dass Kuntz über sein Vertragsende im Jahr 2020 hinaus für das Team zuständig ist. «Wir hatten in den vergangenen Wochen einige richtig gute Gespräche und wollen uns nach dem letzten Länderspiel in diesem Jahr gegen Belgien noch einmal zusammensetzen. Dann schauen wir mal, ob wir alles in trockene Tücher bringen», sagte Kuntz dem Portal «ran.de».

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