Trainer in China
Stielikes letztes Fußball-Abenteuer - Warten auf Nachricht

Auch in China soll der Ball wieder rollen. Bloß wann? Diese Frage beschäftigt auch Uli Stielike. Der frühere DFB-Trainer will wieder zu seinem Verein Tianjin Teda zurück, für den auch Sandro Wagner spielt. Es soll Stielikes letztes Abenteuer werden.

Donnerstag, 23.04.2020, 10:43 Uhr aktualisiert: 23.04.2020, 10:46 Uhr
Coach des chinesischen Erstligisten Tianjin Teda: Uli Stielike.
Coach des chinesischen Erstligisten Tianjin Teda: Uli Stielike. Foto: Nikku

Tianjin (dpa) - Uli Stielike wartet. Der ehemalige Nationalspieler kann wegen der Coronavirus-Pandemie sein letztes Fußball-Abenteuer als Trainer vorerst nicht zu Ende bringen.

«Ich warte täglich darauf, dass ich eine Nachricht vom Club bekomme, wie es mit meiner Einreise aussieht», sagte Stielike der Deutschen Presse-Agentur. Der ehemalige DFB-Trainer ist seit September 2017 Coach des chinesischen Erstligisten Tianjin Teda. Seine Spieler wie die deutschen Legionäre Sandro Wagner und Felix Bastians haben noch bis zum 3. Mai Urlaub, das erste Training ist vorerst auf den 4. Mai angesetzt.

Wann Stielike aber endlich nach Asien reisen kann, ist ungewiss. Anfang April hatten die Sportbehörden in China entschieden, die im Februar ausgesetzte «Super League» und andere Sportveranstaltungen wegen der Corona-Krise weiter auf unbestimmte Zeit auszusetzen. Stielike, der im November 66 Jahre alt wird, muss sich auf einen Neustart in der Superliga wohl noch länger gedulden.

«Eventuell beginnt die Meisterschaft wieder Ende Juni oder Anfang Juli. Das ist die letzte Information, die ich erhalten habe», meinte der Mann, der unter Erich Ribbeck Assistent bei der deutschen Nationalmannschaft war und später an der Elfenbeinküste, in Katar oder auch Südkorea als Trainer gearbeitet hat.

Informationen sind in diesen Zeiten eine wichtige Währung. Vor allem, wenn man warten muss. Stielike hält sich in Bochum auf, Bastians hat er quasi «vor der Haustür», wie der 42-malige frühere Nationalspieler sagte. Über Wagner, den ehemaligen Nationalstürmer und Angreifer des FC Bayern, hat Stielike keine weiteren Informationen.

«Es wird Ende Mai oder im Juni erwartet», hatte Wang Xiao über einen möglichen Neustart von Chinas Superliga zuletzt gesagt. Wang Xiao arbeitet als Agent für mehrere Spieler und Clubs, darunter Beijing Guo'an in der chinesischen Hauptstadt. «Wir müssen auf eine neue Politik warten», sagte er. «Der Start der Spiele liegt in weiter Zukunft.» Dass der Neustart der Basketballsaison vor Kurzem auf frühestens Juli verschoben wurde, ist auf jeden Fall kein gutes Omen für den Fußball.

Als einziger bekannter ausländischer Fußballer der Liga hatte sich der frühere Mittelfeldspieler von Manchester United, Marouane Fellaini, Ende März mit dem neuen Coronavirus angesteckt. Nach drei Wochen im Krankenhaus konnte der 32-jährige Belgier das Hospital dann wieder verlassen. Er müsse noch 14 Tage in Quarantäne, berichtete sein Club Shandong Luneng nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Auch Stielike war zwischenzeitlich in häuslicher Quarantäne. Bei einem Familienmitglied war ein positiver Coronavirus-Befund aufgetreten.

Dass China Ende März die Grenzen für Ausländer dicht gemacht hat, betrifft viele Spieler und auch Trainer. «Da gibt es keine gute Lösung», sagte Agent Wang Xiao. «Die ausländischen Spieler und Coaches haben keine andere Wahl, als zu warten.» Rund die Hälfte der 71 importierten Kicker sind nach chinesischen Medienberichten nicht rechtzeitig vor dem plötzlichen Bann am 28. März zurückgekommen.

Praktisch auf die letzte Minute wurden die Stars von Shanghai SIPG, Oscar, Hulk und Ricardo Lopes, noch mit einem eigens angeheuerten Privatjet eingeflogen. Sie seien elf Minuten bevor die neuen Vorschriften um Mitternacht in Kraft traten, in Shanghai gelandet, berichtete die «China Daily».

Was mit der laufenden Saison geschieht, ist offen. Es kursierte ein Vorschlag, alle 20 Mannschaften in ein oder zwei Städten unter kontrollierten Bedingungen zusammenzubringen und ohne Zuschauer gegeneinander antreten zu lassen. Immerhin müssten die Teams 16 bis 17 noch ausstehende Spiele bestreiten. Als Städte waren laut «China Daily» Dongguan in der Südprovinz Guangdong oder Qingdao in der Provinz Shandong im Gespräch.

Ähnlich wie die europäischen Mannschaften sollen auch die chinesischen Spieler auf einen Teil ihres Gehalts verzichten, um die finanziellen Schwierigkeiten der Clubs aufzufangen. Der Fußballverband kündigte vergangene Woche an, dass es eine grundsätzliche Einigung gebe. Aber Details und vor allem die Höhe der Kürzungen müssen noch ausgehandelt werden. Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des Fußballverbandes und der Clubs sowie Trainern, Spielern und Rechtsexperten sollen «Richtlinien» ausarbeiten.

Die Wortwahl deutet allerdings eher auf Empfehlungen hin, so dass Spieler und Clubs wohl die Details aushandeln müssen. Beobachter sind skeptisch, dass der angestrebte «einheitliche Standard» auch funktioniert, gerade weil Gehaltskürzungen die teuren ausländischen Stars vertreiben könnten. Der israelische Stürmer Eran Zahavi von Guanzhou R&F hat nach chinesischen Presseberichten schon seinen Widerstand angemeldet.

Stielike will jedenfalls wieder nach China zurück. Tianjin Teda soll seine letzte Station als Profitrainer sein. «So ist es vorgesehen. Vorausgesetzt die Meisterschaft wird noch gespielt, dann wäre es meine letzte Saison», meinte Stielike. «Es ist kein erzwungenes sondern von mir selbst herbeigesehntes Ende. Insofern kann es mir nicht weh tun, weil es aus eigener Initiative erfolgt.»

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