Copa Libertadores
«Wahnsinn»: Madrid rüstet sich für Südamerikas Superfinale

Selten hat ein Fußballereignis so viele Schlagzeilen gemacht: Nach Krawallen in Argentinien wird das Finale der Copa Libertadores zwischen den Rivalen Boca Juniors und River Plate in Madrid gespielt. Die Polizei bereitet die Stadt auf den Ausnahmezustand vor.

Freitag, 07.12.2018, 13:12 Uhr aktualisiert: 07.12.2018, 16:00 Uhr
Im Bernabeu-Stadion in Madrid wird das Finale im südamerikanischen Copa Libertadores ausgetragen.
Im Bernabeu-Stadion in Madrid wird das Finale im südamerikanischen Copa Libertadores ausgetragen. Foto: Fabian Stratenschulte

Madrid (dpa) - Selbst Argentiniens Fußball-Legende Diego Maradona ist entrüstet über die umstrittene Verlegung des Superclásico-Rückspiels zwischen Boca Juniors und River Plate nach Madrid.

«Wisst ihr, was das kostet?», fragte der 58-Jährige erzürnt in einem Radiointerview und ging in gewohnt unverblümter Art den südamerikanischen Verband CONMEBOL an. Warum die Partie nicht einfach im Stadion von CA Vélez Sársfield ausgetragen werde, einem weiteren Erstligisten aus Buenos Aires, statt im 10.000 Kilometer entfernten Spanien, wollte Maradona wissen. Die CONMEBOL-Bosse seien ein «Schandfleck» für den Fußball, völlig «unqualifiziert für den Job», wetterte der frühere Nationalcoach. Und er ist nicht der einzige, dem die Lösung «Estadio Santiago Bernabéu in Madrid» gründlich missfällt.

Am Sonntagabend ist es nun soweit, dann soll entschieden werden, wer das südamerikanische Pendant zur Champions League für sich entscheidet und in die Vereinigten Arabischen Emirate weiterfliegt, wo nächste Woche die Club-WM beginnt. In der spanischen Hauptstadt droht derweil der Ausnahmezustand, seit Tagen berichten Fernsehsender und Gazetten ausführlich über die Risiken und die geplanten Sicherheitsvorkehrungen. Vor allem für die Nationalpolizei, die mit rund 2000 Beamten im Einsatz sein wird, war die Vorbereitung eine echte Herkulesaufgabe: Was normalerweise monatelang geplant wird, musste innerhalb von wenigen Tagen konzipiert werden.

Ein Rückblick: Das Hinspiel zwischen den Erzrivalen im Boca-Stadion «La Bombonera» endete am 11. November 2:2 (2:1). Allerdings war auch diese Partie wegen eines Unwetters um einen Tag verschoben worden. Vor dem Rückspiel, das ursprünglich am 24. November in River Plates «Monumental»-Stadion stattfinden sollte, kam es zu so heftigen Krawallen, dass die Partie kurzfristig verschoben und schließlich abgesagt wurde. Der Mannschaftsbus der Boca Juniors war kurz vor der Ankunft im River-Stadion von Fans mit Steinen beworfen worden. Mehrere Spieler wurden verletzt und hätten nicht antreten können.

Daraufhin brachte die CONMEBOL eine Verlegung nach Madrid ins Spiel - und bekam gleich begeisterte Unterstützung vom spanischen Regierungschef Pedro Sánchez, der am Rande des G20-Gipfels in Buenos Aires twitterte: «Für Spanien ist es eine Ehre, den Superclásico auszurichten. Spanien ist immer auf der Seite des Sports und des Zusammenlebens.» In Argentinien hingegen herrschte Frust. «Sie haben uns die Copa geklaut», brachte die Sportzeitung «Olé» den Ärger von Spielern und Fans auf den Punkt.

Die Entscheidung aber war gefallen, vor wenigen Tagen sind beide Teams in Madrid eingetroffen. Allerdings reisten sie unter Protest. Boca hatte vergeblich verlangt, den Titel ohne Rückspiel zugesprochen zu bekommen. River sei für die Ausschreitungen mitverantwortlich, so der Club. Die CONMEBOL wies den Antrag jedoch auch in einer Berufungsinstanz zurück. River Plate bestand hingegen erfolglos auf das Recht, die Partie doch noch im eigenen Stadion auszutragen.

Dennoch, man hat sich abgefunden und trainiert, nun eben in Spanien - allerdings in zwei weit voneinander entfernten Madrider Stadien. Boca Juniors dankte dem spanischen Verband RFEF auf Twitter ausdrücklich für die «Gastfreundschaft, die die argentinische Delegation von der ersten Minute an in Madrid an genossen hat».

Auch die Fans sind im Anmarsch. Die Plätze in den Linienflügen zwischen Buenos Aires und Madrid waren so schnell ausverkauft, dass Aerolineas Argentinas prompt zwei Sonderflüge arrangierte. In Spanien leben zudem rund 250 000 Argentinier, von denen viele ins Stadion wollen. Das Bernabéu fasst rund 81 000 Menschen. Dort wird nun das passieren, was in Argentinien seit fünf Jahren verboten ist: Die Anhänger beider Teams werden im selben Stadion das Spiel verfolgen.

Einem vorbestraften Boca-Fan wurde von den spanischen Behörden bereits die Einreise verweigert, er wurde zurück in die Heimat geschickt. Die spanische Polizei rechnet aber mit mindestens 500 «extrem gewaltbereiten» Fans, wie Medien berichteten. Um Chaos und Krawall zu vermeiden, soll die Hauptstraße Paseo de la Castellana, an der das Stadion liegt, schon von Sonntagmorgen an gesperrt werden. Die jeweiligen Fans der Weiß-Roten (River) und der Blau-Gelben (Boca) werden strikt getrennt und von zwei verschiedenen Seiten ans Bernabéu herangeführt - dazwischen gibt es einen Sicherheitspuffer.

Madrids Bürgermeisterin rief noch einmal beide Fanblocks zur Ruhe auf. «Auf dass es um Himmels willen nicht einmal den kleinsten Akt von Gewalt geben wird», sagte sie. «Möge der Beste gewinnen und auf dass alle dieses Sportereignis genießen.» Die Zeitung «La Razón» war da skeptischer. Das diesjährige Superclásico-Finale entbehre jeder Normalität und Logik, so das Blatt. «Es ist ein Wahnsinn, und es bleibt zu hoffen, dass dieser am Sonntag gegen 22.30 Uhr ein glückliches Ende findet.»

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