Champions League
BVB spielt im Geisterspiel Schicksal für PSG-Coach Tuchel

Wer kann sich am besten auf die gespenstische Stille im leeren Stadion einstellen? Das Champions-League-Geisterspiel wird für Paris Saint-Germain und Borussia Dortmund zu einer Herausforderung der besonderen Art. Vor allem PSG-Coach Thomas Tuchel steht unter Druck.

Mittwoch, 11.03.2020, 07:43 Uhr aktualisiert: 11.03.2020, 07:46 Uhr
Will mit dem BVB ins Königsklassen-Achtelfinale: Trainer Lucien Favre.
Will mit dem BVB ins Königsklassen-Achtelfinale: Trainer Lucien Favre. Foto: Bernd Thissen

Dortmund (dpa) - Das gab es noch nie. Erstmals in seiner langen und ereignisreichen Europapokal-Geschichte bestreitet Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund am Mittwoch (21.00 Uhr/Sky) bei Paris Saint-Germain ein Spiel vor leeren Rängen.

Doch auch ohne Unterstützung der Fans, die wegen der Covid-19-Epidemie ausgeschlossen wurden, will der Revierclub die Partie gegen das Team des ehemaligen BVB-Trainers Thomas Tuchel mit vollem Engagement angehen. Schließlich ist das 2:1-Polster aus dem Hinspiel dünn.

HERAUSFORDERUNG: Viel wird davon abhängen, welches Team sich am besten mit der tristen Atmosphäre ohne Zuschauer arrangieren kann. «Ein Spiel ohne Zuschauer ist nicht angenehm für beide Mannschaften. Es ist ganz anders. Wir müssen uns mental darauf vorbereiten», sagte BVB-Trainer Lucien Favre. Ähnlich sieht es Lizenzspielerchef Sebastian Kehl: «Wir müssen uns in eine Verfassung bringen, das anzunehmen. Das fühlt sich an wie ein Abschlusstraining. Für ein Achtelfinale der Champions League ist das aber etwas komisch und nicht gut für den Fußball.»

AUSGANGSLAGE Beim 2:1 vor drei Wochen war der BVB das klar bessere Team. Doch in dieser Saison tat sich das Favre-Team bei Auswärtsspielen in der Gruppenphase des Wettbewerbs schwer. Nur in Prag gelang ein glücklicher 2:0-Erfolg. Dagegen war der Bundesliga-Zweite bei Inter Mailand (0:2) und beim FC Barcelona (1:3) chancenlos. Für den Einzug in die nächste Runde benötigt PSG ein 1:0 oder einen Sieg mit zwei Toren Differenz. Die Europapokal-Statistik macht dem BVB Hoffnung: Nach Siegen im Hinspiel zuhause kam der Revierclub in 17 von 18 Fällen weiter.

PERSONAL: Bis auf die Langzeitverletzten Marco Reus und Thomas Delaney waren alle Profis beim Abflug dabei. Auch der beim Bundesliga-Spitzenspiel am vergangenen Samstag in Mönchengladbach zunächst geschonte Jadon Sancho dürfte wieder in der Startelf stehen. Dagegen fallen beim Gegner Thiago Silva und Ander Herrera verletzt aus. Zudem sind Thomas Meunier und Marco Verratti gelbgesperrt. Der Einsatz des erkälteten Top-Stürmers Kylian Mbappé ist ungewiss.

TAKTIK: Trotz der großen Offensivkraft des Gegners will sich der BVB in Paris nicht verstecken. «Wir können uns nicht darauf beschränken, nur zu verteidigen», sagte Coach Favre. «Defensiv müssen wir ein großes Spiel machen – und wir müssen auch nach vorne spielen, ganz normal spielen. Wir wollen versuchen, diesen Gegner zu destabilisieren.» Lizenzspielerchef Kehl schöpft Mut aus dem Hinspiel: «Wir haben bewiesen, dass wir Paris sehr gut verteidigen und dennoch unsere Möglichkeiten nach vorne bekommen konnten. Deswegen sind wir großer Hoffnung, dass wir das in ähnlicher Form umsetzen können.»

DRUCK: Noch größer als für BVB-Coach Favre ist der Druck für Gegenüber Thomas Tuchel. Obwohl sein Team die Ligue 1 souverän anführt, ist die Partie gegen seinen ehemaligen Club aus Dortmund ein Schlüsselspiel. Nach drei Achtelfinal-Knockouts der Pariser nacheinander in der Champions League scheint die Geduld des milliardenschweren katarischen Investors aufgebraucht. Bei einem neuerlichen Aus könnte die im Sommer 2018 begonnene Amtszeit des Fußball-Lehrers in der französischen Hauptstadt schnell zu Ende gehen.

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