Corona-Fälle
Positive Tests bei Hertha - Friedrich vertritt Dardai

Als erster Bundesliga-Cheftrainer muss Pal Dardai in häusliche Isolation. Insgesamt gibt es drei positive Corona-Tests bei Hertha BSC. Für das Team wurde Arbeits-Quarantäne verordnet. Trotzdem wird weiter gespielt.

Donnerstag, 15.04.2021, 17:34 Uhr aktualisiert: 15.04.2021, 17:36 Uhr
Pal Dardai wurde positiv auf das Coronavirus getestet.
Pal Dardai wurde positiv auf das Coronavirus getestet. Foto: Soeren Stache

Berlin (dpa) - Jetzt wird es noch härter für Hertha. Einen Tag nach der Verpflichtung von Hoffnungsträger Fredi Bobic haben positive Corona-Tests bei Cheftrainer Pal Dardai und Stürmer Dodi Lukebakio die abstiegsbedrohten Berliner in neue Probleme gestürzt.

Als Interimstrainer übernimmt Sportdirektor Arne Friedrich ab sofort von Dardai das Team und leitete bereits seine erste Übungseinheit. Zugleich werden generelle Fragen zum Profifußball in der schwierigen Phase der Corona-Pandemie neu aufgeworfen.

Vor dem ohnehin komplizierten Saison-Endspurt mussten sich Dardai, Lukebakio und Assistenzcoach Admir Hamzagic, der auch positiv getestet wurde, in häusliche Quarantäne begeben. Co-Trainer Andreas Neuendorf wurde als Kontaktperson ersten Grades eingestuft, weil er auch privat enger Vertrauter von Dardai ist, und befindet sich ebenfalls in Quarantäne. «Alle sind symptomfrei», teilte der Berliner Fußball-Bundesligist mit.

Nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt Charlottenburg-Wilmersdorf wurden die komplette Mannschaft, Trainerteam und enge Mitarbeiter um den Kader bis zum 28. April in einem gemeinsamen Quartier isoliert und nicht in häusliche Quarantäne geschickt. Das gilt auch für Trainersohn Marton Dardai als Kontaktperson K2, da er nicht mehr im Elternhaus wohnt. «Die Bubble ist gerade in dieser Phase sehr wichtig», sagte Detlef Wagner, Bezirksstadtrat für Soziales und Gesundheit vom zuständigen Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf. Er schloss bei Bild plus aber auch an: «Alle stehen unter genauer Beobachtung, das Gesundheitsamt schaut da genau hin.»

Somit müssen anders als bei den jüngsten Corona-Fällen bei Holstein Kiel, dem Karlsruher SC und dem SV Sandhausen in der 2. Liga die kommenden Spiele von Hertha BSC nicht verschoben werden. Sowohl die Partie im Abstiegskampf am 18. April beim FSV Mainz 05 als auch die folgenden Spiele gegen den SC Freiburg und bei Schalke 04 können wie geplant ausgetragen werden. Die Berliner stehen derzeit mit 26 Zählern auf Tabellenplatz 15 und nur durch die Tordifferenz vor den punktgleichen Bielefeldern auf dem Abstiegsrelegationsplatz.

Zum neuen erhofften Retter auf der Trainerposition rückt plötzlich Sportdirektor Friedrich auf. Der Ex-Nationalspieler hatte 2014 einen DFB-Trainerlehrgang besucht und danach auch die A-Lizenz erworben. Erfahrung als Trainer aber hat der 41-Jährige seitdem nur von 2014 bis 2015 als Assistenzcoach der U18-Auswahl des DFB gesammelt.

«Wir hatten nach Rücksprache mit unserem Hygiene-Beauftragen in der zurückliegenden Länderspielpause die Hygienemaßnahmen bereits noch mal verschärft, haben beispielsweise tägliche Schnelltests umgesetzt, bevor sie zur Pflicht im DFL-Hygienekonzept wurden», berichtete Friedrich, der Ende des Jahres 2019 vom damaligen Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann als Performance Manager installiert worden war.

Danach rückte er zum Sportdirektor auf und übernahm nach der Beurlaubung von Geschäftsführer Michael Preetz auch dessen Aufgaben. Der Job wird im Juni an Bobic gehen, der Hertha - wie von Investor Lars Windhorst erhofft - in Richtung «Big-City-Club» entwickeln soll.

Zunächst aber geht es unter verschärften Bedingungen darum, den Absturz in Liga zwei zu vermeiden. Auch wenn in dieser Spielzeit weiterhin keine Erstliga-Partie wegen Corona verschoben werden muss, wird die Aufgabe für Hertha durch die Isolation des Cheftrainers und die Arbeits-Quarantäne für das komplette Team noch schwieriger.

Lediglich zu den Trainingseinheiten und zu den Spielen können Spieler und Betreuer das Quarantäne-Hotel verlassen, Dardai und Lukebakio sind ganz ausgeschlossen. Zuvor musste sich schon Torhüter Rune Jarstein nach einem positiven Test in Quarantäne begeben.

Friedrich gab sich schon vor dem ersten Training kämpferisch: «Wir werden diese herausfordernde Situation als Team annehmen und gemeinsam alles dafür tun, die nächsten Spiele erfolgreich zu bestreiten.» Mit maximalen Kontaktbeschränkungen und täglichen PCR-Testungen soll die größtmögliche Sicherheit geschaffen werden. «Wenn alles so eingehalten wird, besteht aus unserer Sicht wirklich keine Gefahr für den Spielbetrieb», erklärte Wagner.

Ob die positiven Testungen bei Hertha die Überlegungen neu beleben, dass sich die gesamte Liga in der Saison-Endphase in ein Quarantäne-Trainingslager begeben soll, bleibt abzuwarten. Die Deutsche Fußball-Liga hatte zunächst auf Empfehlung der Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb unter Leitung von Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer beschlossen, angesichts steigender Infektionszahlen ihr Hygienekonzept weiter zu verschärfen. Eine hundertprozentige Sicherheit aber kann auch dies nicht gewähren, wie die jüngsten Fälle bei Hertha zeigen.

© dpa-infocom, dpa:210415-99-213664/5

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