Vor mehr als 40.000 Fans
Abgang mit deutlichen Worten: Mertesackers Abschiedsspiel

Mehr als 40 000 Zuschauer wollten am Samstag bei Per Mertesackers Abschied vom aktiven Fußball dabei sein. Der Weltmeister von 2014 war sehr gerührt - ärgerte sich aber auch über die, die nicht nach Hannover gekommen waren.

Sonntag, 14.10.2018, 13:02 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 14.10.2018, 13:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 14.10.2018, 13:02 Uhr
Per Mertesacker (5.v.l.) bei seinem Abschiedsspiel in der HDI-Arena mit seiner "Weltauswahl".
Per Mertesacker (5.v.l.) bei seinem Abschiedsspiel in der HDI-Arena mit seiner "Weltauswahl". Foto: Julian Stratenschulte

Hannover (dpa) - Ein Mann der klaren Worte ist Per Mertesacker auch bei seinem Abschied vom aktiven Fußball geblieben. «Da muss man sich überlegen, ob ich nicht die eine oder andere Nummer lösche», sagte der Weltmeister von 2014 nach seinem Abschiedsspiel in Hannover.

Mertesacker bezog das auf frühere Mitspieler wie Michael Ballack, Torsten Frings oder auch den einen oder anderen alten Kollegen vom FC Arsenal, die ihr Kommen zwar zugesagt und teilweise noch auf dem Aufstellungsbogen gestanden hatten, dann aber in der mit über 40 000 Zuschauern gefüllten HDI-Arena nicht zu sehen waren. «Das tut schon weh», sagte Mertesacker, «wenn einige Spieler, mit denen du auf dem Platz wirklich lange zusammen gekämpft hast, dann nicht da sind.»

Zum Glück für den 34-Jährigen änderte es an der Emotionalität dieses Nachmittags rein gar nichts, dass einige prominente Namen fehlten. Ihm zu Ehren kamen mehr als 40.000 Menschen, um sich bei sommerlichem Wetter ein Fußballspiel anzuschauen, das keinerlei sportlichen Wert besaß. Nach 88 Minuten zwischen «Mertes 96-Freunden» und «Pers Weltauswahl» wurde die Hauptfigur des Nachmittags ausgewechselt. Mertesacker lief eine Ehrenrunde, Tränen standen ihm dabei in den Augen. Und während er unterwegs war, bauten seine Gäste von Claudio Pizarro bis Tim Wiese am Mittelkreis eine Eistonne auf - in Anlehnung an das bekannte TV-Interview, das er während der WM 2014 gab.

«Es ist ein Wahnsinn, was wir aus diesem Tag gemacht haben», sagte Mertesacker. «Ich hätte mir nicht erträumen lassen, dass ich noch einmal in Hannover vor so einer Kulisse spielen darf.»

In Hannover begann seine Profilaufbahn 2003, in Hannover sollte sie am Samstag auch unbedingt enden. Eine Karriere, in der der «Weltmeister ohne Talent» (Titel seiner Autobiografie) noch als Kind nur «über den Platz stokelte», wie er am Samstag selbst sagte, und in der er dann später trotzdem zum Weltmeister 2014, zum 104-fachen Nationalspieler und zum Kapitän des Weltvereins FC Arsenal aufstieg. Und eine Karriere, in der Mertesacker auch dadurch auffiel, dass er meist zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Worte fand.

Sein berühmtes Eistonnen-Interview hatte jedenfalls vor vier Jahren eine aufrüttelnde Wirkung auf das deutsche WM-Team. Mittlerweile sagen auch viele, dass das WM-Debakel 2018 nicht passiert wäre, wenn mehr Führungsfiguren wie Mertesacker in der Kabine gesessen hätten.

«Für einen Trainer ist ein Spieler wie Per ein großes Glück», sagte sein langjähriger Arsenal-Coach Arsène Wenger in Hannover. «Er hat immer eine große Rolle in der Kabine gespielt.» Auch Ministerpräsident Stephan Weil hob vor dem Anpfiff bei der Verleihung der Niedersächsischen Sportmedaille an Mertesacker noch einmal dessen «Spiegel»-Interview aus dem März hervor, in dem der Weltmeister den großen Druck im Profifußball beschrieb.

Schon 2006 gründete Mertesacker seine eigene Stiftung, die sozial benachteiligte Kinder in der Region Hannover fördert und die die Einnahmen aus seinem Abschiedsspiel erhält. Auch deshalb war ihm dieser Nachmittag so wichtig, auch deshalb war er so sauer auf die, die nicht kamen. «Alle, die hier waren, haben es genossen», sagte Mertesacker sogar durch das Stadionmikrofon. «Und alle, die nicht hier waren, haben Hannover nicht verdient.»

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