Debatte über Ausländerregelung
Verbands-Druck auf Eishockey-Liga zeigt Wirkung

Jahrelang sträubte sich die Deutsche Eishockey Liga gegen eine schnelle Ausländerreduzierung. Doch der DEB macht nachhaltig Druck. Möglicherweise mit Erfolg. Der Widerstand bröckelt. DEB-Sportdirektor Schaidnagel findet unter den Club-Vertretern einige Verbündete.

Donnerstag, 14.11.2019, 13:15 Uhr aktualisiert: 14.11.2019, 13:18 Uhr
Das Logo des Deutschen Eishockey-Bundes DEB.
Das Logo des Deutschen Eishockey-Bundes DEB. Foto: Tobias Hase

München (dpa) - Die Zeiten, in denen die Deutsche Eishockey Liga (DEL) alleine entschied, was sie für richtig hielt, sind vorbei. Längst gibt der Verband das Tempo im deutschen Eishockey vor.

Durch die jüngsten Erfolge des Nationalteams und professionellere Strukturen im Deutschen Eishockey-Bund (DEB) ist dessen Einfluss auch auf die DEL massiv gewachsen. Durch einen bewusst inszenierten medienwirksamen Auftritt von DEB-Sportdirektor Stefan Schaidnagel am Rande des Deutschland Cups am vergangenen Wochenende in Krefeld scheint die Liga nun zum Handeln gezwungen zu sein. Dadurch könnte am Ende gar schon zur kommenden Saison ein jahrelanger Wunsch des DEB in Erfüllung gehen: die der Ausländerreduzierung in der Liga.

«Auf einmal ist deutlich Zug in der Sache», sagte in Charly Fliegauf von den Grizzlys Wolfsburg selbst ein Kritiker dieser Forderung nach einigen Meetings mit Manager-Kollegen in dieser Woche. Dass die Clubs dem DEB beim entschiedenen Plan, das Nationalteam weiter und vor allem nachhaltig zu stärken, entgegen kommen werden, ist seit dieser Woche ziemlich wahrscheinlich.

«Wir wollen alle das Gleiche: Dass wir eine starke Nationalmannschaft haben. Es geht darum, mehr deutsche Spieler in die Liga zu bekommen», sagte auch Fliegauf der Deutschen Presse-Agentur. Er räumte ein, den bisherigen Fahrplan der Liga wohl nicht halten zu können: «Man muss das überprüfen und wir werden das auch überprüfen.» Der bisherige DEL-Plan sieht vor, frühestens ab 2021 über eine Reduzierung der sogenannten Importspieler zu sprechen. Bis dahin sinkt die Zahl der pro Team zugelassenen Spieler über 23 Jahren sukzessive. Dem DEB ist dies nicht genug.

Er fordert eine Reduzierung von aktuell neun pro Team und Spiel zugelassenen ausländischen Spielern auf sechs bis 2026. Und damit möge man bitteschön mal beginnen, meinte Schaidnagel nun. «Meiner Meinung nach darf da keine Zeit verloren werden», sagte er in Krefeld, und auch DEB-Präsident Franz Reindl befand: «Die Zeit ist reif.» Der Zeitpunkt des Vorstoßes war geschickt gewählt. Beim Deutschland Cup zeigten viele DEB-Neulinge gegen die Schweiz, Russland und Slowakei, dass die Spielerbasis für das Nationalteam größer geworden ist.

Manch einer in der Liga fühlte sich überrumpelt. «Diese ständigen Vorstöße sind unnötig, weil es einen dem DEB bekannten Fahrplan gibt», sagte DEL-Aufsichtsratschef Jürgen Arnold vom ERC Ingolstadt dem «Donaukurier» und sprach von «Aktionismus». Auch Fliegauf hält inhaltlich von der Forderung nicht viel. «Wir dürfen nicht den Fehler machen, wir hätten alles gewonnen, wenn wir ein oder zwei Ausländerstellen streichen», sagte Wolfsburgs Manager. «Ausländerreduzierung ist nicht der alleinige Heilsbringer.»

Die bisherigen Argumente gegen eine Reduzierung sind bekannt: Es gebe nicht genügend deutsche Spieler von ausreichender Qualität, noch dazu seien die vorhandenen teurer als ihre ausländischen Kollegen. Der Widerstand bröckelt aber. «Ich bin guter Hoffnung, dass sich schon zur nächsten Saison oder spätestens zur übernächsten Saison etwas tut», sagte etwa Niki Mondt, Sportchef der Düsseldorfer EG, der dpa.

Bei weiteren Kollegen kam Schaidnagels Forderung nicht so schlecht an. «Dass ein Sportdirektor dies fordert, halte ich für legitim», sagte André Dietzsch aus Nürnberg. In Gesprächen mit seinen Kollegen fiel dieser Satz häufiger. Unter den DEL-Managern stehen nach dpa-Informationen inzwischen deutlich mehr als nur zwei oder drei einer schnelleren Ausländerreduzierung offen gegenüber.

Bei einem Meeting der Club-Gesellschafter, die einen solchen Beschluss treffen müssten, ist dies am Mittwoch offenbar zwar etwas anders gewesen. Nur: Den Weg geben die Sportlichen Leiter vor. Die sprechen eine Beschluss-Empfehlung aus, der die Gesellschafter in der Regel auch folgen. Ein Kreis von DEL-Managern soll mit Zweitligavertretern und DEB nun ein Konzept erarbeiten. «Das ist kurzfristig innerhalb der nächsten drei Wochen geplant», sagte Mondt.

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