Geplante Neuerungen im Jugendfußball werden (noch) nicht umgesetzt
Kreis hält an Fair-Play-Liga fest

Dülmen. Überzeugungsarbeit für neue Spielformen im Kinderfußball will derzeit der westfälische Verband leisten. Doch der Kreis Ahaus/Coesfeld kündigt an, an der derzeit gelebten Praxis festhalten zu wollen.

Donnerstag, 17.10.2019, 18:27 Uhr aktualisiert: 17.10.2019, 18:30 Uhr
Wie der Nachwuchs Spaß am Fußball findet und behält, das Foto zeigt die Fußballschule in Hiddingsel, darüber machen sich die Experten im Verband Gedanken. Im Kreis Ahaus/Coesfeld soll für die Minikicker und F-Junioren an der Fair-Play-Liga festgehalten werden.
Wie der Nachwuchs Spaß am Fußball findet und behält, das Foto zeigt die Fußballschule in Hiddingsel, darüber machen sich die Experten im Verband Gedanken. Im Kreis Ahaus/Coesfeld soll für die Minikicker und F-Junioren an der Fair-Play-Liga festgehalten werden. Foto: jp

Das sind die Grundpfeiler

Kleinere Mannschaftsgrößen, kleinere Spielfelder, größere Vorteile – zum Wohle aller fußballspielenden Kinder. Das sind die Grundpfeiler neuer Wettbewerbsformen im Kinderfußball, die der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit seinen Landesverbänden aktuell testet.
Jüngst stellte mit Markus Hirte der Leiter der DFB-Talentförderung den westfälischen Jugendobleuten im SportCentrum Kaiserau aus erster Hand die Ideen der neuen Spielformen vor.

„Die Wettbewerbsform muss sich den Kindern anpassen, nicht die Kinder dem Wettbewerb“, richtete Hirte gleich zu Beginn den Fokus auf das Wichtigste: die Fußball spielenden Kinder. Der aktuelle Modus im „Sieben gegen Sieben“ auf einem Halbfeld entspreche den Bedürfnissen der jüngsten Kicker wenig. Immer wieder passiere es, dass im regulären Spielbetrieb hohe Ergebnisse zustande kommen. „Statt tagelang über eine 0:10-Niederlage zu diskutieren, wollen wir schnell Erfolgserlebnisse schaffen“, so Hirte.

Kinder im Verein halten

Möglich sei dies beispielsweise bei kürzeren Spielen in Turnierform, bei denen auf auf- und absteigenden Spielfeldern – je nach vorigem Ergebnis – in kleinen Mannschaftsgruppen gespielt wird. Längere und ausreichende Einsatzzeiten für alle Kinder, mehr Ballaktionen, Dribblings, Torschüsse und Tore sind die positiven Folgen, die der DFB auch unter anderem von der Deutschen Sporthochschule Köln und der Universität Rostock wissenschaftlich ermitteln ließ. „Durch eine Mehrzahl an Erfolgserlebnissen haben wir die Riesenchance, Kinder länger in den Vereinen zu halten“, sprach der Talentförderungs-Leiter das auch das große Problem der „Drop-Out-Quote“ im Jugendfußball an.

Sven Wesenberg, Vorsitzender des hiesigen Kreis-Jugend-Ausschusses, ist nicht überzeugt. „Aus unserer Sicht macht die vor drei Jahren eingeführte Fair-Play-Liga im Minikicker und F-Juniorenbereich mehr Sinn“, so der Ahäuser. Diese habe sich nach anfänglichen Bedenken etabliert.

Kinder organisieren Spiele selbst

In der Fair-Play-Liga organisieren die Kinder ihre Spiele mit einer Spielzeit von zweimal 20 Minuten selbst. Es gibt keine Schiedsrichter und keine Ergebnisse und Tabellen. „Es wird nur im Notfall eingegriffen“, so Wesenberg. Die Kinder sollen selber Verantwortung übernehmen.

Sieger und Verlierer sind nicht gewollt

Und mit der Einführung der Turniere mit Auf- und Absteiger „haben wir wieder Sieger und Verlierer. Das wollen wir nicht“, so Wesenberg.

Die neue Spielform ist in der Jugendordnung als Empfehlung aufgenommen worden, womit Verbände, Kreise und Vereine die Möglichkeit haben, die alternative Wettkampfform beispielsweise in Turnieren oder Spielfesten zu organisieren. Hirte möchte Überzeugungsarbeit leisten und Vereine ermutigen, selbst Erfahrungen zu sammeln. Wesenberg: „Wir im Kreis Ahaus/Coesfeld werden das aber nicht umsetzen.“

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