Ex-DJK-Kicker Ali Shinawi hat in Nottuln sportliche Heimat gefunden
Fußball als Arzneimittel

Dülmen. Manchmal zwickt es im Rücken, ab und an tun die Adduktoren weh. Und zwar immer, wenn er eine Zeit lang nicht mehr auf dem Grün stand. Ali Shinawi geht dann Kicken. Die beste Medizin für ihn. Das war schon immer so. Auch in Beirut im Libanon, seiner Heimat. Da jagte er Tag ein, Tag aus mit seinen Kumpels dem Ball hinterher.

Donnerstag, 16.08.2018, 10:15 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 15.08.2018, 19:09 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 16.08.2018, 10:15 Uhr
Ali Shinawi (r.) im Zweikampf mit Felix Wies von der TSG Dülmen. Der ehemalige Kicker der DJK Dülmen hat beim Landesligisten GW Nottuln eine sportliche Heimat gefunden.
Ali Shinawi (r.) im Zweikampf mit Felix Wies von der TSG Dülmen. Der ehemalige Kicker der DJK Dülmen hat beim Landesligisten GW Nottuln eine sportliche Heimat gefunden. Foto: mast

In der 61. Minute wurde der Offensivmann, der für die Landesliga-Fußballer von GW Nottuln aufläuft, beim Spiel gegen den SC Münster 08 ausgewechselt. Danach war Shinawi aber mal so richtig sauer. Doch nicht sein Trainer Oliver Glaser zog den Zorn des 20-jährigen Ballartisten auf sich, nein, der Außenstürmer war aus einem anderen Grund sauer: „Ich hatte neue Schuhe an und habe Blasen bekommen.“ Er, der immer und überall spielen will, sollte die letzten 29 Spielminuten verpassen.

Dabei hat der Nottulner seinen Job bis dahin vorzüglich gemacht. In der 13. Minute dribbelt er feinfüßig in den Sechzehner, wird gelegt und holt einen Elfmeter raus. André Kreuz vergibt zwar vom Punkt, doch auch in den nachfolgenden Minuten sorgt Shinawi mit dafür, dass Nottuln bereits nach 25 Minuten mit 2:0 in Münsters Osten führt. Das brutal schnelle und in Münster so effektive Umschaltspiel seines Teams liegt Shinawi. Den Spielstand halten die Grün-Weißen bei den Kanalkickern bis zum Schluss. Der Saisonstart ist damit geglückt - und somit auch der Grundstein für eine erfolgreiche Runde gelegt.

Shinawi hat sich für die neue Landesliga-Spielzeit eine Menge vorgenommen. Er will mit seiner Truppe ganz oben mitmischen. Das werde zwar nicht einfach, aber wenn die Mannschaft konstant ihre Leistung abrufe, dann sei etwas möglich. Er selbst will seinen Teil dazu beitragen, indem er mehr Tore schießt. In der Vorsaison waren es drei. Viel zu wenig für Shinawi: „Ich muss mehr Tore machen“, meint er. Im Training gibt er jedenfalls stets Vollgas. „Ali ist ein sehr wertvoller Spieler für uns und technisch sehr gut. Manchmal ist er zu verspielt“, sagt Trainer Glaser, aber: „Gegen Münster war er sehr zielstrebig.“ Das fordern Glaser und sein Trainerteam von dem Talent ein: auf und neben dem Platz Konsequenz zeigen. Dazu gehört, häufiger die Ruhe zu bewahren. „Da hat er einen ersten Schritt gemacht“, lobt Glaser seinen Spieler.

Stichwort erster Schritt: Den machte Ali Shinawi in Deutschland, als er 16 Jahre alt war. „Ich bin jetzt seit drei Jahren und acht Monaten in Deutschland“, schießt es aus ihm heraus. Seine Familie lebte schon länger im Münsterland, als er sich selbst auf gen Bundesrepublik machte. In Deutschland angekommen, versuchte Shinawi, so schnell wie möglich einen Fußballverein zu finden. Er kickte zunächst für die DJK Dülmen, ehe es zur SpVgg Vreden ging. Dort schnupperte er schon Westfalenliga-Luft. Nun ist er endgültig in der Region angekommen, hat eine Ausbildung als KFZ-Mechatroniker angefangen. Bei GW Nottuln geht es für ihn ins zweite Jahr.

Dort fühlt er sich pudelwohl: „Die komplette Mannschaft ist befreundet“, sagt Shinawi. „Streit haben wir noch nie so gehabt in der Mannschaft.“ Irgendwann einmal möchte er noch höher spielen als in der Landesliga. Dass er das packen kann, glaubt auch Glaser. Vielleicht schafft Shinawi dies ja in Nottuln. Ein ziemlich großer Schritt wäre das. Wobei: Dass er große Schritte gehen kann, zeigte er ja schon häufiger. Wie gut, dass seine Schuhe bald eingelaufen sein sollten.

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