Tourismus
Istanbul hip und historisch - Eine Metropole der Gegensätze

Istanbul (dpa/tmn) - Istanbul ist die einzige Stadt, die auf zwei Kontinenten liegt. Das gilt nicht nur geografisch: Auch gesellschaftlich entwickeln sich die beiden Ufer der Stadt am Bosporus auseinander.

Dienstag, 22.04.2014, 10:22 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 22.04.2014, 09:14 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 22.04.2014, 10:22 Uhr

Istanbuls Altstadt liefert das Pflichtprogramm: Hier steht der gigantische Sultanpalast Topkapi und die Hagia Sophia, die prachtvolle Hauptkirche des Oströmischen Reiches. Direkt daneben erheben sich die sechs Minarette der überwältigenden Blauen Moschee. Natürlich muss man im historischen Stadtzentrum von Istanbul auch eine Wasserpfeife in einem Straßencafé rauchen. Und wer nicht auf dem Großen Basar gefeilscht hat, war nicht wirklich in Istanbul.

Die Kür absolvieren Istanbul-Reisende heute eher auf der nördlichen Seite des Goldenen Horns: «Wer das moderne, das coole Istanbul erleben möchte, muss hierher kommen», sagt die 22-jährige Türkin Elyem und zeigt nach unten. Dort erstreckt sich der Stadtteil Beyoglu. Von der Dachterrasse des Restaurant-Clubs «360 Istanbul» hat man einen spektakulären Rundblick über das Viertel. «Von hier aus kannst du auch alle Touristenattraktionen der Altstadt überblicken.»

Elyem schlürft an ihrem Gin Tonic mit Gurkenscheiben und bewegt sich langsam zur Chillout-Musik. Wie die anderen Frauen im «360 Istanbul» ist sie sexy gekleidet. Die Garderobe der Männer schwankt zwischen elegant, lässig und hip. «Das da drüben ist der berühmte Taksim-Platz », sagt Elyem und zeigt Richtung Norden. Nur vordergründig sei es bei den Protesten im vergangenen Sommer um den Abriss des Stadtparks gegangen. Eigentlich lehnten sich dort vor allem junge Türken gegen Erdogan auf, dem sie eine Islamisierung der Gesellschaft vorwerfen. «Der will uns den Alkohol verbieten, und wir sollen wieder Kopftücher tragen. Stell dir das mal vor», empört sich Elyem, während sie gleichzeitig per Smartphone mit ihrem Freund chattet.

Ein Streifzug durch die verwinkelten Gassen Beyoglus zeigt, wie groß die Kluft zwischen islamischen Traditionen und moderner Szene in dem Land ist. Das multikulturelle Beyoglu ist eines der angesagtesten Studenten- und Ausgehviertel Istanbuls. Moderner und westlicher sind auch Berlin, London oder Paris nicht. In den prachtvollen Jugendstilhäusern der Fußgängerzone Istiklal Caddesi sind von Zara bis Apple alle internationalen Warentempel vertreten. Hier wirkt die alte Straßenbahn, die sich bimmelnd den Weg durch die Masse bahnt, fast wie ein nostalgisches Relikt vergangener Tage.

In den Seitengassen bieten junge Designer in kleinen, stylischen Boutiquen ihre neusten Kreationen an. Auch die meisten Kunstgalerien haben sich in dem Bohème-Viertel niedergelassen. In einer alten Lagerhalle im Containerhafen zeigt das Istanbul Modern Museum seit 2004 zeitgenössische türkische Kunst. Ganz in der Nähe treffen sich junge Türken zum Biertrinken, Flirten, Teetrinken und Wasserpfeife-Rauchen auf den Straßenterrassen hipper Bars.

Schon unter dem oströmischen Kaiser Theodosius und bis ins 20. Jahrhundert hieß der Stadtteil eigentlich «Pera», was auf Griechisch «drüben» bedeutet. Es war der Stadtteil, der sich von der Altstadt betrachtet «auf der anderen Seite» des Goldenen Horns befand. Heute ist vor allem für junge Türken wie Eylem die Altstadt das Viertel «auf der anderen Seite».

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