Wanderung entlang Oste und Wümme
Nordpfade zeigen flache Schönheit

Rotenburg (Wümme) -

Das Land zwischen Elbe und Weser ist nicht unbedingt als Wanderregion berühmt. 24 Nordpfade im Landkreis Rotenburg sind gute Argumente, es doch einmal mit dem Flachland zu probieren.

Samstag, 17.10.2020, 15:55 Uhr aktualisiert: 18.10.2020, 13:49 Uhr
Der dunkle Moorsee ist der erste Anlaufpunkt auf dem Nordpfad Dör‘t Moor.
Der dunkle Moorsee ist der erste Anlaufpunkt auf dem Nordpfad Dör‘t Moor. Foto: Stefanie Meier

Es ist ein allgemein anerkanntes Vorurteil, dass sich Moorlandschaften vor allen Dingen durch Langeweile auszeichnen. Wer kommt nur auf solche Ideen? Eine Wanderung durch das Naturschutzgebiet Großes und Weißes Moor in der Nähe von Rotenburg (Wümme) zwischen Bremen und Hamburg überzeugt schnell vom Gegenteil.

Der Wanderparkplatz ist noch in Sichtweite, als schon die erste Attraktion auftaucht: der Große Bullensee. Ein Moorsee, in dessen dunkler Oberfläche sich die ersten Sonnenstrahlen spiegeln. Im Sommer ist er ein beliebter Badesee, an diesem Herbstmorgen liegt er unberührt in der Natur. Entstanden ist er als Hinterlassenschaft eines eiszeitlichen Gletschers. Der See ist die richtige Einstimmung auf den Nordpfad „Dör’t Moor“, der hier beginnt und wie sein plattdeutscher Name verspricht „durchs Moor“ führt.

Kraniche im Tister Bauernmoor

„Nordpfade“ sind Rundwanderwege zwischen 5 und 32 Kilometern Länge. „Es gibt mittlerweile 24 Nordpfade – und es gibt sie nur im Landkreis Rotenburg (Wümme)“, erläutert Udo Fischer, der gemeinsam mit seiner Kollegin Petra Welz vor mittlerweile über zehn Jahren die Idee zu diesem Wanderprojekt hatte. Beide arbeiten für den Touristikverband des Landkreises und haben von Anfang an auf Qualität gesetzt.

„Die Wege sind in beiden Richtungen ausgeschildert und bieten viel Abwechslung. Wichtig für Wanderer: Der Asphalt-Anteil ist stets möglich gering“, erläutert Fischer die Kriterien, die sich an denen des Deutschen Wanderverbandes orientieren. Mit dieser Qualität begeistern die Nordpfade nicht nur die Einheimischen, sondern auch Tagesausflügler aus Bremen und Hamburg sowie Urlauber aus ganz Deutschland.

Wanderungen durch Vogelheimat

So wie die beiden Stuttgarter, die sich auf einem der Aussichtstürme über einen Klönsnack mit Einheimischen freuen. „Die Weite der Landschaft“ ist für sie Erholung pur und immer wieder bestaunenswert. Zum Abschluss der kleinen Plauderei erhalten sie noch den Tipp, zum Sonnenuntergang ins Trister Bauernmoor bei Sittensen zu fahren.

Dort trudeln jetzt im Herbst jeden Abend mit großem Ge­töse Tausende Kraniche ein. Tagsüber suchen die Vögel des Glücks auf den umliegenden Feldern nach Nahrung, nachts finden sie auf den unter Wasser stehenden Moorflächen einen sicheren Schlafplatz. Auch hier führt ein Nordpfad vorbei.

Kultur am Wegesrand

Doch die Nordpfade beschränken sich beileibe nicht immer nur aufs Moor. Sie zeigen die ganze Vielfalt der nord­deutschen Landschaft und führen durch weite Flusslandschaften wie an Oste und Wümme, durch große Heidegebiete wie in Varel und durch traumhafte Laubwälder.

Auch die Kultur kommt nicht zu kurz. Am Nordpfad „Zevener Geest“ liegt das Königin-Chris­tinen-Haus, in dem die schwedische Königin im 17. Jahrhundert genächtigt haben soll. Heute ist es das älteste nicht kirchliche Gebäude der Stadt Zeven und dient als Museum.

Unter anderem befasst sich ein Raum mit dem Wirken des Schriftstellers Walter Kempowski, der bis zu seinem Tod im Jahr 2007 im Dorf Nartum gewohnt hat. Unnötig zu sagen, dass es auch dort einen Nordpfad namens „Kempowskis Idylle“ gibt.

Sonne als Scheinwerfer

Doch am Nordpfad „Dör’t Moor“ steht die Natur im Mittelpunkt. Heute ist das Moor zwar leicht zugänglich, doch vom Weg abkommen sollte man trotzdem nicht. Ein sicherer, mit Hackschnitzeln bestreuter Bohlenweg führt über den Butterpfad – auf Plattdeutsch „Bodderpad“ – hindurch.

„Dieser Weg war früher die einzige Verbindung von Kirchwalsede nach Rotenburg. So schafften die Bauern ihre Butter zum Markt“, erklärt Udo Fischer den Namen des Weges. Mit Holzschuhen an den Füßen und der Butter im Rucksack war das ein beschwerlicher Weg. Erst 1908 bekam Kirchwalsede eine Molkerei, so dass die Schlepperei durchs Moor ein Ende hatte. Wanderer können heute ganz unbeschwert die Schönheit des Moores genießen. Da gibt es reihenweise rot leuchtende Fliegenpilze am Wegesrand und Sonnenstrahlen, die die grün bemoosten Wasserflächen wie mit einem Scheinwerfer in Szene setzen. Langeweile? Die gibt es hier wirklich nicht.

Information

Der Landkreis Rotenburg (Wümme) liegt im Elbe-Weser-Dreieck und ist der viertgrößte Landkreis Niedersachsens. 24 Nord­pfade mit einer Länge zwischen fünf und 32 Kilo­metern durchziehen das Kreisgebiet. Es sind alles Rundwanderwege. Der Nordpfad „Wolfsgrund“ ist barrierefrei.
www.nordpfade.de , www.tourow.de

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