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Positiver Journalismus: Definition, Ansprüche und Abgrenzung

Während im traditionellen Journalismus insbesondere negative Schlagzeilen den größten Raum einnehmen, will der konstruktive Journalismus Lösungen aufzeigen. Vertreter dieser Journalismus-Strömung kritisieren eine einseitige finstere Berichterstattung in den verschiedenen Medien und setzen dem einen lösungsorientierten Ansatz entgegen. Nicht zu verwechseln ist der konstruktive Journalismus mit dem positiven Journalismus, der die Schattenseiten ausblendet. 

Donnerstag, 01.02.2018, 11:26 Uhr

Definition und Überblick

Als journalistische Strömung ist der konstruktive Journalismus darauf ausgerichtet, nicht nur negative Aspekte in der Berichterstattung zu thematisieren, sondern Lösungen für die geschilderten Probleme aufzuzeigen. Die Methode ist vergleichbar mit konstruktiver Kritik. Diese analysiert Probleme zunächst genau und zeigt Schwächen und Nachteile auf, bevor sie Stärken betont und Verbesserungs- und Lösungsvorschläge macht.

Übertragen auf den Journalismus geht dies mit dem Anspruch konstruktiver Journalisten an ein möglichst realistisches Weltbild einher. Im Zusammenhang mit herkömmlichem Journalismus wird oft ein so genannter Negativ-Bias kritisiert. Dies ist eine Art Verzerrung des Weltbildes durch einen zu starken Fokus auf negative Aspekte und einen Mangel an konstruktiven Vorschlägen. Um diesem Bias zu entgehen, werden im konstruktiven Journalismus gleichermaßen positive Aspekte hervorgehoben sowie Alternativen aufgezeigt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass Konflikte und Probleme nicht als unveränderliche Zustände verstanden werden, sondern als Resultat menschlichen Handelns. 

Ansätze des positiven Journalismus finden sich sowohl in der Presse als auch im Fernsehen und im Hörfunk. Als einer von zwei Hauptproduzenten arbeitet das Unternehmen META productions an dem ZDF-Dokumentationsserie "plan B" mit. Das seit Oktober 2017 ausgestrahlte Format[/url] hat sich auf die Darstellung verschiedener gesellschaftlicher Missstände (beispielsweise Altersarmut) und das Aufzeigen von Lösungen spezialisiert. 

Ansätze und Basis des konstruktiven Journalismus

Ansätze zum kritischen Journalismus sind vielseitig, doch lassen sich gewisse gemeinsame Nenner erkennen. Kritische Journalisten berichten zukunftsorientiert. Das heißt in der journalistischen Praxis, dass eine Themenbeschreibung nicht mit der Darstellung möglicher Probleme oder Konflikte endet. Im Fokus stehen an die Zukunft gerichtete fragen. Fragen nach Problemlösungen oder zukünftigen Handlungsalternativen haben hohe Bedeutung. Dies schließt eine Analyse der Gründe und Ursachen für den Ist-Zustand mit ein. Zukünftige Alternativen werden als Kernfragen erkannt, die für eine Vielzahl an Lesern oder Zuschauern besonders wichtig sind. 

Direkt verknüpft mit der Orientierung an der Zukunft ist ein Fokus auf mögliche Problemlösungen. Die Berichterstattung endet nicht mit dem Verständnis der Konflikte und Herausforderungen. Gleichermaßen werden Vorschläge zum Umgang oder zur Lösung von Auseinandersetzungen oder Problemen gemacht. Hierbei bedient sich der konstruktive Journalismus mehrerer Möglichkeiten. Dies können wissenschaftliche Ansätze, andere Gemeinden, Länder oder Staaten oder auch kompetente Individuen sein. 

Der kritische Journalismus nimmt hierbei zur Kenntnis, dass es oftmals keine mustergültigen Lösungen gibt. Probleme sind oft nur ganz konkret lösbar, ohne dass auf ein Patentrezept zurückgegriffen werden kann. Daher sind in Bezug auf jeden Aspekt angepasste Fragen zu stellen und Perspektiven auszuprobieren. Ansätze und Lösungen können aus einer Vielzahl von Quellen stammen, beispielsweise aus Forschungsinstituten oder aus persönlichen Erfahrungen. Hierbei haben fundierte Quellen Vorrang, die nach Möglichkeit wissenschaftlich überprüfbar sind. Dies geschieht in Abgrenzung zur Vermarktung von einzelnen Mitteln oder Universallösungen. Mangelt es beispielsweise an wissenschaftlichen Befunden oder belastbaren Daten, so wird auch dies thematisiert. 

Zustände werden dabei grundsätzlich auf ihre Ursachen hin analysiert und als veränderbar begriffen. Statt Situationen als ausweglose Zustände darzustellen, wie es in herkömmlicher Berichterstattung oft geschieht, legt der konstruktive Journalismus den Fokus auf Möglichkeiten, die Zustände zu verbessern.

Kritik und Abgrenzung zum positiven Journalismus

Eine oftmals am konstruktiven Journalismus geäußerte Kritik lautet, dass er ähnlich wie herkömmlicher Journalismus einseitig berichte. Dies geschehe lediglich unter anderem Vorzeichen. Eine deutliche Abgrenzung zum so genannten positiven Journalismus findet sich in der Tatsache, dass journalistische Anforderungen und Prinzipien weiterhin erfüllt bleiben. Der konstruktive Journalismus setzt nicht auf Ausblendung negativer Ereignisse und erbauliche Geschichten, sondern versteht sich weiterhin als zentrale Instanz in der Berichterstattung mit Wächterfunktion. Missstände und Probleme werden nicht etwa ausgeblendet, sondern aufgedeckt und auf Möglichkeiten ihrer Überwindung hin analysiert. Positiver Journalismus hat hingegen nur positive Ereignisse und Meldungen zum Gegenstand, die aufgrund ihres positiven Charakters keiner Ursachenforschung oder Problemlösung bedürfen.

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