Lifestyle
Mia bleib'n mia - Die Wies'n-Mode ist wieder traditionell

München (dpa/tmn) - Der Totenkopf auf der Schürze und Comicfiguren auf dem Kleid: Mit der Trachtenmode wurde in den vergangenen Jahren viel experimentiert. Doch das kommt nicht richtig an: Oktoberfestbesucher wollen, dass alles bleibt, wie es immer war.

Freitag, 05.10.2012, 16:17 Uhr

Lifestyle : Mia bleib'n mia - Die Wies'n-Mode ist wieder traditionell
Passt: Männer und Frauen tragen in diesem Wies'n-Jahr dieselben Farben: zum Beispiel Grün, wie bei Spieth & Wensky zu sehen (Dirndl ca. 150 Euro, Lederhose ca. 230 Euro). Foto: Spieth & Wensky Foto: dpa

Selbst den Preußen gefällt es: Für das Oktoberfest (22. September bis 7. Oktober) ziehen auch die Touristen Dirndl oder Lederhose an. «Wer auf der Wies'n keine Tracht trägt, fällt auf», sagt Nina Munz , Assistentin der Geschäftsführung bei Trachten Angermaier in München . «Vor allem kommen immer mehr jüngere Menschen dazu, die Spaß an der Tracht haben», ergänzt Gabriele Hammerschick, Leiterin der Trachtenabteilung bei Lodenfrey in München. Selbstverständlich sind die traditionellen Outfits inzwischen nicht nur auf dem Oktoberfest, sondern auch andernorts, etwa auf der Bergkirchweih in Erlangen oder auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart.

In diesem Jahr sind die klassischen Schnitte in Mode. Als «Materialmix aus Glamour und Tradition» beschreibt etwa die Münchner Designerin Lola Paltinger ihre aktuelle Kollektion. «Das ist ganz schön, weil die Person, die sie trägt, mehr in den Vordergrund rutscht», findet Hammerschick.

Traditionell ist eine Dirndllänge, die vom Knie bis zur Wade reicht. Die Schürze endet zwei Zentimeter über dem Saum. Das Oberteil der Kleider hat meist eine tief ausgeschnittene Miederform. «Kitschige Geschichten wie Schürzen im Asia-Style sind out», erklärt Alois Wenger, Inhaber von Trachten Wenger Austrian Style in Salzburg. Stattdessen sind sie schlichter, oft in einer Kontrastfarbe zum Kleid. Viele Schürzen können gewendet werden.

Eines ist aber recht neu: Unterröcke oder Petticoats, die dem Dirndl beim Drehen Schwung verleihen, sagt Munz. Sie können auch farbig oder mit Blümchen bedruckt sein. Sie dürfen aber nicht unter dem Kleid herausblitzen, erklärt Hammerschick.

Die Dirndl sind vor allem aus Leinen oder Baumwolle gefertigt, edlere Varianten aus Brokat oder Seide, Samt oder Jacquard, einem Stoff mit kunstvoll eingewebten Mustern. Die Schürzen sind aus Baumwolle, Seide, Seidenmischungen, Spitze und Samt. Ebenfalls aus Baumwolle werden die Blusen gefertigt, aber hier sind Seide oder zarte Organzastoffe im Kommen. Als besonderer Hingucker sind Baumwollblusen oft bestickt.

Die Kleider sind zwar dezenter und volkstümlich gemustert, aber dafür bunt: Neben den klassischen Farben wie Marineblau, Rosa, Tannengrün oder Schwarz finden sich viele Modelle in Rot, Orange, Grün, Blau, Pink oder Gelb. Wer vergangene Saison ein beeren- oder pastellfarbenes Dirndl gekauft hat, ist nach wie vor modisch. Auch die beigen Nudetöne gibt es noch immer in den Kollektionen.

«Absolutes Muss sind dieses Jahr Trachtenhüte mit Federn bei den Damen», sagt Nina Munz. Die Hüte dürfen auffallen und werden sowohl in klassischen Farben wie Tannengrün als auch in modernen Interpretationen in etwa Rot oder Pink angeboten.

Lola Paltinger empfiehlt dazu Kropfband und Ohrringe. Zu längeren Ohrringen, die auch baumeln dürfen, rät Hammerschick. Aber: «Wer Ohrringe trägt, trägt keine Kette.» Nina Munz gefallen Charinis. Das sind kleine Schmuckketten, die mit zwei Haken am Dirndloberteil befestigt werden. Steckvarianten klemmen an der Schürze. Sie sind verziert mit Perlen, Herzen oder beispielsweise kleinen Brezen.

Die Schuhe sollten zum Kleid passen: «Das Gesamtbild muss harmonisch sein», erklärt Hammerschick. Nina Munz rät, dass die Schuhe die gleiche Farbe wie das Dirndl haben sollten. Sie empfiehlt Ballerinas, Pumps oder High Heels. Angermaier hat auch verstärkt Trachtenpumps im Sortiment.

Während die Dirndl in dieser Saison länger sind, zeigt der Mann in der Lederhose viel Bein. «Besonders beliebt ist die kurze Variante, gerade bei jungen Burschen», sagt Alexander Negovanovic, stellvertretender Leiter der Herrentrachtenabteilung bei Lodenfrey. Die Hosen werden mit künstlichen Gebrauchsspuren versehen. Auffälligere Modelle haben farbige Stickereien. Zur Lederhose werden Westen, Hemden, Schals und Wadenwärmer in all den Farben kombiniert, die auch bei den Damen in Mode sind: Rot, Orange, Grün, Blau, Pink und Gelb. Die Schnitte sind laut Negovanovic körperbetont.

Auch die Trachten der Männer sind traditioneller als noch in den vergangenen Jahren: Die Hemden sind meist kariert. Bei den Gürteln sind große Schnallen im Trend, auf denen etwa das bayerische Wappen oder ein Löwenkopf abgebildet ist. An den Füßen tragen die Herren Haferlschuhe, es dürfen aber auch Stiefel sein.

Hosen für die Frauen gibt es weiterhin. Die Hersteller bieten sie meist in Brauntönen an, und nur in wenigen Fällen sind sie bunt bestickt. Aber die Trachtenexperten prognostizieren: Der große Oktoberfesthit seien die Beinkleider für die Frau in diesem Jahr nicht mehr. Mit einem traditionellen Dirndl komme sie auf der Münchner Wies'n oder dem Cannstatter Wasen besser an.

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