Mode
Als das modische Ideal der Himmel war

Geschichte ist nicht nur Ereignisgeschichte, sondern auch Strukturgeschichte, denn jede Epoche besitzt ihren eigenen Zeitgeist mit einem sozialen Gefüge, eigenen Herrschaftsbeziehungen, Mentalitäten sowie Werten und Normen. Die Mode war immer ein Ausdruck des Zeitgeistes, auch im Mittelalter.

Freitag, 14.02.2020, 13:47 Uhr aktualisiert: 14.02.2020, 13:51 Uhr
Mode: Als das modische Ideal der Himmel war
Foto: Photo by Ricardo Cruz on Unsplash

So überwogen in der Romanik noch die gedrungenen Tuniken und Gewänder, die wie die Gotteshäuser in die Breite gingen. Als im Zuge der ausgeprägten Jenseitsorientierung während der Gothik die Kathedralen in den Himmel schossen und überall in Europa die Tempel der Ewigkeit geschaffen wurden, ging auch die Kleidung entsprechend in die Höhe.

Die Granden der Zeit bevorzugten nun als hochwertige Kostüme lange und dünne Gewänder und einen Kopfschmuck wie die Turmhaube, der sie bis zu einem Meter größer machte. Kennzeichnend für das Mittelalter war zudem, dass zumindest die einflussreichen Persönlichkeiten sich wesentlich mehr mit Mode beschäftigten als heute und sich selbst und ihren Status repräsentierten. Die Mode der Reichen war generell bunter und ausgefallener. Wir möchten einige der typischsten Bekleidungen des Mittelalters vorstellen und dabei auch auf die Frage eingehen, was Frauen im Mittelalter getragen haben:

Hennin: die Burgunderhaube

Der Hennin ist eine Kopfbedeckung für die Frau aus dem Burgund, die im Spätmittelalter auftauchte. Die „Burgunderhaube“ war kegelförmig und mit einem eingearbeiteten langen Schleier versehen. Die Haube bestand aus Pappe und Stoff, wurde mit Fischbein und Messingdraht verstärkt und war mit Perlen und Stickereien verziert. Beliebt ist der Hennin heute als Karnevalskostüm zur Darstellung von Prinzessinnen und Feen. Einen Onlineshop für Mittelalter-Artikel sowie für Mittelalter Kostüme finden Sie unter diesem Link mit Mode für Wikinger Frauen und vielem mehr.

Zatteltracht und Schellentracht: Hochmut kommt vor dem Fall

Ebenfalls eine beliebte Karnevalskleidung sind die Zatteltracht und Schellentracht. Bei einer Zatteltracht sorgten ausgefranste Ärmel am Ärmelsaum für eine eigenwillige ästhetische Note. Besonders geltungsbedürftige Personen kündigten ihr Erscheinen mit einer Schellentracht an, wobei sie Glöckchen am Gürtel und den Ärmeln befestigten. Beide Trachten wurden bereits von Zeitgenossen verspottet und wurden später nur noch von Narren zur Volksbelustigung getragen.

Surcot – Tunika des Mittelalters

Der Surcot war ein Gewand ähnlich der Tunika, das, worauf schon der Name anspielt, über der Cotte getragen wurde. Die Cotte war das Schlupfkleid des Mittelalters. Getragen wurde der Surcot von allen Schichten und beiden Geschlechtern, sodass er zu den Standardkleidern gehörte. Wurde er ärmellos getragen, sprach man von der Suckenie.

Die Chainse: weiß wie die Unschuld

Mit der blütend weißen Chainse trug die Frau ein langes Gewand aus Chainsil und damit aus besonders feinen Leinen. Die Chainse besaß feine Falten und einen Ausschnitt am Hals und den Schultern. Am Halsausschnitt waren Stickereien oder Steppnähte eingearbeitet.

Der Gugel: Bekleidung des Sensenmanns

Der Gugel ist die Kapuze des Mittelalters. Sie wies mit ihrer ausgeprägten Kopfverhüllung Formen auf, die sie heute bedrohlich erscheinen lassen. Das mag assoziative Gründe haben, weil stets der personifizierte Tod als Sensenmann mit einem schwarzen Gugel erscheint. Der Gugel war für Reisen unentbehrlich und ursprünglich ein Wetterschutz der ärmeren Schichten. Im Hochmittelalter wurde er auch für den Adel attraktiv, die sich dem funktionalen Zusatz ästhetisch annahmen und diesen im Zuge der Jenseitsorientierung enorm in die Höhe schnellen ließen. Zuweilen wurde er wie ein Turban aufgerollt und mit überlangen Zipfeln, den Sendelbinden, versehen.

Der Schapel: das Liebessymbol

Der Schapel war ein Blumenkranz und eine leichte Freizeitkleidung. Die Blumen wurden teilweise zusammen mit Schmuckstücken wie Rosetten und Edelsteine in den Kranz eingearbeitet. Zuweilen verstärkte den Kranz ein zusätzlicher Reif. Der Kopfschmuck war bei Jungfrauen beliebt, die nach einem Mann suchten, aber auch junge Männer trugen ihn gern während der Gotik. Er war ein in jeder Beziehung romantischer Kopfschmuck, der im Sturm und Drang wieder beliebt wurde.

Der Wams: vom Ritterschutz zur Standardkleidung

Der Wams war ursprünglich die Polsterung für die Kettenrüstung der Ritter und wurde unter den Harnisch getragen. Ab dem 14. Jahrhundert setzte er sich im zivilen Leben durch und war bereits im 15. Jahrhundert eine typische Standardbekleidung. Der Wams ist ein Vorläufer der Weste und reichte bis zur Taille. Er war beliebt wegen seiner Form, aber auch wegen seiner praktischen Handlichkeit.

Die Schecke: das Jackett des Mittelalters

Die Schecke war ein kurzes, knappes Obergewand und wie der Wams eine Kleidung des Spätmittelalters. Mit der Zeit wurde die Schecke immer kürzer, sodass sie heute als Vorläufer des Jacketts gilt. Aus dem Wetterschutz für den Hals ging der Kragen hervor. Die gelegentlich wattierten Schulterpolster erfreuten sich in den 1980er Jahren einer Renaissance.

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