Öffentliches Grün:
Engagement und Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger

In aller Munde sind die Steinwüsten, die sich in so mancher Stadt in den Vordergrund drängen. Insbesondere in Wohngebieten ist es meist wenig grün, stattdessen grau und trist. Öffentliches Grün ist deshalb angesagt. Wir haben zusammengefasst, ob und wie jeder als Bürger mitwirken kann, seine Stadt mit öffentlichem Grün zu bereichern. Egal ob mit Patenschaften oder mit Wasserspenden: Aktiv sein lautet die Devise. Jeder kann mit anpacken und sein Zuhause lebenswert machen.

Freitag, 11.10.2019, 10:11 Uhr aktualisiert: 11.10.2019, 10:18 Uhr
Öffentliches Grün: : Engagement und Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger
Foto: adobe stock / Pixel Shot

Öffentliche Grünanlagen: Herausforderungen für Gemeinden

Viele Gemeinden tun sich schwer, öffentliche Grünanlagen zu pflegen. Meist ist die Fläche insgesamt einfach zu groß. Arbeitskräfte fehlen und die Instandhaltung ist schlichtweg zu teuer. Möglichkeiten zur Gestaltung gibt es genügend –die Gemeinden müssen allerdings bereits bei der Planung viele Punkte berücksichtigen. Nicht nur die späteren Nutzungsmöglichkeiten, auch der zu erwartende Pflegeaufwand sind dabei wichtig. Ganz egal ob Parkanlagen, Seitenstreifen oder Fußgängerzonen: Es gibt mehrere Faktoren, die unbedingt beachtet werden sollten:

·       Der Phantasie sind zunächst keine Grenzen gesetzt. Je nach Flächengröße bieten sich verschiedene Bepflanzungsarten an, so zum Beispiel Kübelpflanzen oder Fassadenbepflanzungen.

·       Unterschiede sollten gemacht werden, je nachdem, wer die öffentliche Fläche nutzen wird: Familien mit Kinder, Senioren und so weiter.

·       Soll die zu bewirtschaftende Fläche eine reine Grünfläche zur Erholung sein oder ist es nötig, das hier auch Veranstaltungen ausgetragen werden können?

Die richtigen Pflanzen auswählen: Tipps und Tricks

Es gibt aber auch Grünflächen, die brauchen einfach ein wenig Pepp, um wieder schön zu sein. Auf der anderen Seite gibt es öffentliche Räume, die neu erschlossen werden. Hier ist der Gestaltungsspielraum besonders groß. Für die Auswahl der Bepflanzung ist in beiden Fällen einiges zu beachten:

·       Wenn Schatten gewünscht wird, sind hohe Bäume oder groß wachsende Sträucher die erste Wahl. Wenn es hingegen nur um optische Aspekte geht, sind blühende Pflanzen gern gesehen.

·       Sämtliche Grünpflanzen sorgen für eine positive Ökobilanz. Sie reinigen die Luft und bieten Tieren eine Heimat.

·       Sicherheit ist das A und O. Schnell brechende Gehölze sollten stets vermieden werden – insbesondere an Flächen, an denen viele Kinder unterwegs sind.

Engagement bereits in der Planungsphase

Werden in Gemeinden bestimmte Bereiche als öffentliche Grünflächen neu geplant, werden heute häufig schon früh die Bürger mit ins Boot geholt. Wie bei der Neugestaltung des Promenadenrings in Warendorf kann jeder seine Ideen und Wünsche äußern. Je größer die Bürgerbeteiligung im Vorfeld ist, umso größer ist später die Akzeptanz der entstandenen Flächen.

Den Planern fällt es leichter, eine gute Lösung zu erarbeiten, wenn es konkrete Informationen zu den Wünschen und Anforderungen aus der Bevölkerung gibt. Entsprechende Projekte mit Bürgerbeteiligung entstehen meist in mehreren Phasen. Aus den ersten Ideen werden Vorschläge erarbeitet, die dann gemeinsam diskutiert werden können. 

Ein Paradebeispiel: Gemeinschaftsgarten in Dülmen

Vor allem in Städten herrscht Wohnungsnot. Und Häuser kann sich hier kaum einer leisten. Deshalb haben viele auch keinen eigenen Garten. Wie wäre es da mit einem Gemeinschaftsgarten? In der Stadt Dülmen gibt es solch ein interkulturelles Projekt , das bei allen Beteiligten super ankommt. Sogar ein Motto haben sich die Initiatoren ausgedacht: „Gemüse ist ein Stück Heimat“.

Insgesamt zehn Parzellen werden im Dülmener Gemeinschaftsgarten bewirtschaftet – und das von Menschen verschiedenster Herkunft. Nicht nur gearbeitet wird im Garten. Auch Kontakte werden geknüpft. Schnell kommt man ins Gespräch und findet neue Freunde, die ebenfalls Spaß an der Gartenarbeit haben – und natürlich am Ernten.

Entstanden ist das Garten-Projekt in der Stadt im Kreis Coesfeld vor fast zehn Jahren. Damals gab es einen Runden Tisch zum Thema Migration/Integration. Hierbei ging der Gemeinschaftsgarten hervor, den heute niemand mehr missen will. Auch ankommende Flüchtlinge bringen sich gerne in das interkulturelle Zusammenarbeiten ein. Sie schlagen so erste Wurzeln und profitieren von den Erfahrungen der anderen.

Was die Stadt Dülmen aktuell beiträgt? Jahr für Jahr wird Mutterboden geliefert, damit Obst und Gemüse gedeihen können. Gartenabfälle wir Baum- und Rasenschnitt werden kostenfrei abtransportiert. Und auch das Grundstück wird kostenlos zur Verfügung gestellt.

Eine tolle Idee: Patenschaften für Spielplätze

Garten
Foto: adobe stock / domonite

Eine ganz andere Möglichkeit, sich um die Erhaltung öffentlicher Grün- und Erholungsflächen zu kümmern sind Patenschaften für Spielplätze – ein solches Projekt findet sich beispielsweise in Münster . Mehr als 300 Spielplätze gibt es aktuell in der 310.000-Einwohner Stadt in NRW. Sie werden vom Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit instandgehalten.

Doch leider ist es kaum möglich, alle Spielplätze stets im Auge zu haben. Und auch direkt vor Ort gibt es normalerweise keinen Ansprechpartner, wenn es einmal etwas zu beanstanden gibt. Die Lösung für das Problem sind sogenannte Spielplatzpatenschaften. Der Vorteil: Die Paten sind vor Ort und können direkt angesprochen werden.

Nicht nur Kinder schätzen dieses Angebot. Auch Eltern sind dankbar über die Spielplatzpaten. So wird nicht nur Kritik weitergetragen, auch Lob nehmen die Paten dankend entgegen. Und wenn es zwischen den Familien und den Paten harmoniert, wird auch das eine oder andere Spielplatzfest ausgerichtet.

Die Spielplatzpaten haben keinerlei Rechte und Pflichten. Es handelt sich um ein rein ehrenamtliches Engagement, das für strahlende Kinderaugen sorgt. Voraussetzung ist, dass die Paten volljährig sind und regelmäßig auf dem Spielplatz vorbeischauen. Bestenfalls wohnen sie in der Nähe. Als Dank bekommen die Paten eine Urkunde der Stadt Münster überreicht. Auf diesem Dokument wird der ehrenamtliche Einsatz für bessere Spielmöglichkeiten würdigend festgehalten.

Pflegepatenschaften: So können sich Bürger einbringen

Weniger auf das Kindeswohl ausgerichtet, stattdessen auf die öffentliche Begrünung, sind Pflegepatenschaften für öffentliche Flächen , die es in vielen Gemeinden gibt. Sehr arbeitsintensiv und vor allem auch sehr teuer ist es für Städte, die öffentlichen Grünflächen am Leben zu erhalten. Hilfe will der BUND anbieten und ruft deshalb Pflegepatenschaften ins Leben.

Wer keinen eigenen Garten bewirtschaften kann oder möchte, kann zeitweise auf solch eine Patenschaft der Stadt zurückgreifen. Es bietet sich an, öffentliche Grünflächen in Wohnungsnähe zu übernehmen, da so Schäden schneller auffallen und Paten unmittelbar reagieren können. Übernommen werden diese ehrenamtlichen Jobs für beispielsweise Parkanlagen, Blumenrabatte, Bäume und mehr. Das Plus für Mitwirkende: Sie gestalten ihre Kommune aktiv mit – sowohl in ökologischer Hinsicht als auch in optischer.

Der BUND sieht sich dabei als Vermittler und zeigt Möglichkeiten auf, wie eine Kooperation zwischen engagierten Bürgern und den Gemeinden aussehen könnte. Gut zu wissen: Die Patenschaft kann dabei vertraglich geregelt werden. Infos gibt es bei den jeweiligen Städten und Gemeinden.

Wasser spenden: damit öffentliches Grün auch Grün bleibt

Das Wetter schlägt in den letzten Jahren Kapriolen. Die Sommermonate werden immer heißer und trockener. Diese Tatsache macht den öffentlichen Grünflächen zu schaffen. Viele sind längst nicht mehr grün, dafür braun oder vertrocknet. Damit es aber erst gar nicht so weit kommt, rufen einige Gemeinden Einwohner dazu auf, bei der Bewässerung mitzuhelfen .

So sind alle aufgefordert, den Pflanzen vor der Haustür Wasser zu schenken. Wer also eine öffentliche Grünfläche oder städtische Bäume in der Nähe hat, sollte nicht zögern und mit dem Wasserschlauch und der Gießkanne ausrücken. Die Umwelt sagt „Danke“. Und auch Autofahrer profitieren von den freiwilligen Gießaktionen. Denn: Wenn Bäume über einen zu langen Zeitraum kein Wasser bekommen, sterben sie ab. Das Totholz beeinträchtigt den Straßenverkehr und kann zudem zu gefährlichen Situation führen – zum Beispiel dann, wenn ein kaputter Baum auf ein Fahrzeug oder auf Fußgänger fällt.

Initiative zeigen: Jeder kann mit anpacken

Damit sich jeder an seinem Wohnort wohlfühlt, kann etwas Eigeninitiative ein gutes Stück dazu beitragen. Egal ob Spielplatzpatenschaft oder Grünflächenpate: Es gibt viele verschiede Möglichkeiten, sich individuell einzubringen. Wer diese Chance nutzt, punktet gleichzeitig mit ehrenamtlichen Engagement. Nicht nur die Stadt wird es danken.

Bildquelle:

Bild 1) adobe.stock / Pixel-Shot

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