Nachlass regeln
Erbstreitigkeiten nehmen zu

Schätzungen zufolge vererben die Deutschen Jahr für Jahr 200 bis 300 Milliarden Euro Privatvermögen. Nicht immer ist der Nachlass im Vorhinein geregelt. Darum gibt es unter Erben oft Streit.

Freitag, 30.11.2018, 12:15 Uhr aktualisiert: 30.11.2018, 12:22 Uhr
Laut einer Umfrage streiten sich immer mehr Menschen um das Erbe. Woran liegt das?
Laut einer Umfrage streiten sich immer mehr Menschen um das Erbe. Woran liegt das? Foto: Jens Büttner

Frankfurt/Main (dpa) - Geld, Häuser, Wertpapiere - Jahr für Jahr wirdin Deutschland ein Vermögen vererbt. Streit ums Erbe wollen diemeisten Deutschen am liebsten vermeiden, wie eine repräsentativeAllensbach-Umfrage im Auftrag der Deutschen Bank mit 1706 Befragtenergab.

Doch in der Praxis klappt das in vielen Fällen nicht - mitsteigender Tendenz. Ein Grund: Die Hemmungen, über das Thema zuLebzeiten zu sprechen, sind groß. Immerhin nimmt der inDüsseldorf veröffentlichten Studie zufolge seit Jahren der Anteilderjenigen zu, die ihren Nachlass in einem Testament regeln.

Wer schon einmal geerbt hat, berichtet überwiegend, die Aufteilungdes Erbes sei klar geregelt gewesen (73 Prozent). In mehr als derHälfte aller Fälle lagen alle notwendigen Dokumente vor (59 Prozent),beispielsweise Vollmachten. Allerdings gab nur gut ein Drittel derBefragten an, zuvor offen (35 Prozent) oder frühzeitig (34 Prozent)über den Erbfall gemeinsam mit allen Beteiligten gesprochen zu haben.«Dies könnte erklären, warum es heute häufiger Streit um das Erbegibt als in der Vergangenheit», folgern die Studienautoren.

Wurde bei der ersten Erhebung dieser Art im Auftrag der DeutschenBank 2015 noch von 17 Prozent Streitfällen berichtet, sind es in deraktuellen Erhebung schon 19 Prozent. In den vergleichbaren Studiender Vorjahre - noch unter Verantwortung der inzwischen in dieDeutsche Bank integrierten Postbank - berichteten die Befragten nochseltener von Erbstreitigkeiten.

Der Trend widerspricht den Interessen künftiger Erben - denn diewünschen sich mehrheitlich vor allem, dass es keinen Streit ums Erbegibt und dessen Verteilung klar geregelt ist (jeweils 78 Prozent).Auch denjenigen, die etwas zu vererben haben, sind diese beidenAspekte am wichtigsten.

Vier von zehn Menschen (39 Prozent), die voraussichtlich etwasvererben werden, haben nach eigenen Angaben ihren letzten Willenbereits festgeschrieben. Der Anteil der potenziellen Erblasser, dieein Testament gemacht haben, ist in den vergangenen Jahrenkontinuierlich größer geworden. 2012 waren es den Angaben zufolge 31Prozent, 2015 dann 36 Prozent.

Allerdings: Die meisten Deutschen beschäftigen sich ungern mit demThema Erbschaft (60 Prozent). Zugleich scheint es aber vielenMenschen empfehlenswert, das sensible Thema zumindest dannanzusprechen, wenn ein Testament verfasst wird (36 Prozent) oder wennjemand schwer erkrankt (21 Prozent). Dies ergab eine zusätzlicheUmfrage im Auftrag der Deutschen Bank unter 16- bis 69-Jährigen unteranderem zum Thema «Gespräch über das Erben».

Ein gutes Fünftel der 1000 Teilnehmer dieser Erhebung ist derMeinung, dass sich Familientreffen für ein solches Gespräch anbieten(22 Prozent). Weihnachten halten allerdings gerade einmal 5 Prozentder 1000 Befragten für eine gute Gelegenheit für ein Gespräch überdie Regelung des Nachlasses.

Wie viel Privatvermögen genau Jahr für Jahr in Deutschland vererbtwird, dazu gibt es nur Schätzungen. Denn die offizielle Erbschaft-und Schenkungssteuerstatistik des Statistischen Bundesamtes weist nurdie steuerlich veranlagten Fälle aus. Über das Gros der Erbfälle seiaufgrund hoher Freibeträge nichts bekannt - so das Fazit vonForschern des Berliner DIW in einem 2017 veröffentlichten Aufsatz .

Die DIW-Autoren wagten dennoch eine Aussage zum Erbvolumen inDeutschland: «Berechnungen mit Blick auf das künftige Transfervolumenlegen nahe, dass in der aktuellen Dekade jährlich 200 bis 300Milliarden Euro vererbt oder verschenkt werden beziehungsweisezwischen 2015 und 2024 rund 3,1 Billionen Euro insgesamt.»

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