EU-Arbeitnehmer
Au-pair kann Anspruch auf Hartz IV haben

Menschen aus dem EU-Ausland, die in Deutschland als Au-pair arbeiten, können unter bestimmten Bedingungen Anspruch auf Hartz IV haben. Das zeigt ein Fall am Sozialgericht Landshut.

Mittwoch, 19.09.2018, 11:52 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 19.09.2018, 11:47 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 19.09.2018, 11:52 Uhr
Sind bestimmte Voraussetzungen erfüllt, können EU-Arbeitnehmer einen Anspruch auf Hartz IV erlangen.
Sind bestimmte Voraussetzungen erfüllt, können EU-Arbeitnehmer einen Anspruch auf Hartz IV erlangen. Foto: Ralf Hirschberger

Berlin (dpa/tmn) - Wer nach Deutschland kommt, um als Au-pair zu arbeiten, kann europarechtlich ein Arbeitnehmer sein. Damit besteht unter Umständen auch Anspruch auf Hartz-IV-Leistungen.

Das ergibt sich aus einer Entscheidung des Sozialgerichts Landshut. Der Fall: Eine Kroatin war 2014 mit 26 Jahren nach Deutschland gekommen. Sie arbeitete für ein halbes Jahr zwischen vier und fünf Stunden täglich bei einer Familie als Au-pair. Sie erhielt von ihrer Gastfamilie neben freier Kost und Logis eine Vergütung von 260 Euro pro Monat. Zusätzlich bekam sie bezahlten Urlaub, Kranken- und Unfallversicherung, einen Sprachkurs und eine Prepaid-Telefonkarte.

Danach war sie kurzzeitig als Empfangskraft in einem Hotel beschäftigt. Anschließend lehnte das Jobcenter Hartz-IV-Leistungen ab. Dagegen klagte sie.

Das Urteil: Die Klage hatte Erfolg. Das Sozialgericht verurteilte das Jobcenter zu Zahlungen nach Hartz IV. Aufgrund der Ausgestaltung der Au-pair-Tätigkeit könne man davon ausgehen, dass die Frau Arbeitnehmerin war. Nach dem Unionsrecht sei das in der Regel schon dann gegeben, wenn die Wochenarbeitszeit mehr als zehn Stunden beträgt (Az.: S 11 AS 624/16). Auf den Fall weist die die Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) hin.

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