Zahlen & Fakten
Rote Frucht mit gelben Nüsschen: Hintergründiges zur Erdbeere

Haben Sie den ersten Erdbeeren widerstanden, die schon vor Wochen in den Supermarkt- ­Regalen Lust auf die roten Früchte gemacht haben? Diese Erdbeeren stammten in der Regel noch nicht von heimischen Feldern. Jetzt hat die Saison aber begonnen. Abhängig von Wetter und Region können Erdbeeren von April bis Mai blühen und in milden ­Regionen von Mai bis in den September hinein geerntet werden. 

Sonntag, 19.05.2019, 14:00 Uhr aktualisiert: 19.05.2019, 14:38 Uhr
Die Erdbeer-Saison hat begonnen.Nordrhein-Westfalen gehört in Deutschland zu den wichtigen Anbaugebieten. colourbox
Die Erdbeer-Saison hat begonnen.Nordrhein-Westfalen gehört in Deutschland zu den wichtigen Anbaugebieten. colourbox Foto: Colourbox.de

Im Zuge der klimatischen Veränderungen mit späten Frühjahrsfrösten, Starkregen oder auch Hitzeperioden gewinnt mittlerweile der geschützte Anbau mit Wandertunneln an Bedeutung. Er sichert nicht nur die Ernte, sondern sorgt durch die natürliche Erwärmung mit Sonnenlicht im Innern auch für einen frühen Erntebeginn. Das lässt sich inzwischen auch an Zahlen ablesen. Aktuell werden in Deutschland nach Angaben des Pressebüros Obst und Gemüse auf 12.500 Hektar Erdbeeren im Freiland angebaut.

Die Anbaufläche im geschützten Anbau ist dabei schon auf 1239 Hektar gestiegen. Im Ernte­ergebnis schlägt sich dieser Trend ebenfalls nieder. Rund 23 000 Tonnen der heimischen Erdbeeren stammten im vergangenen Jahr aus geschütztem Anbau – gegenüber 19 500 Tonnen in 2017. Demgegenüber stehen 119 000 Tonnen Erdbeeren aus der Freiland-Ernte in 2018. Wie der Landesverband Obstbau Westfalen-Lippe weiß, gibt es in unserer Region rund 200 Obstbauern, die auf ca. 1100 Hektar Erdbeeren anpflanzen.

Unzählige unterschiedliche Sorten

Die Nachfrage nach den süßen Früchten übertrifft in Deutschland allerdings die Erzeugung, wie das Bundeszentrum für Ernährung mitteilt. Deshalb werden rund 100 .000 Tonnen Erdbeeren jedes Jahr importiert. Spanien ist vor den Niederlanden und Italien für Deutschland das mit Abstand wichtigste Erdbeer-Land. Außerhalb der Erdbeer-Saison kommen die Früchte meist aus Nordafrika. Dort werden sie auf kargen Böden in Monokultur angepflanzt. Sowohl der Wasserverbrauch als auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Dünger sei nach Angaben des Bundeszen­trums für Ernährung dort hoch.

Es gibt unzählige Erdbeersorten, frühe ebenso wie späte. Sie unterscheiden sich im Hinblick auf Geschmack, Farbe, Festigkeit des Fruchtfleisches, aber auch Reifezeit und Inhalts­stoffe. Für Erdbeer-Liebhaber spielt das meist keine große Rolle. Hauptsache, Erdbeeren sind süß, saftig und voller Aroma! So lieben die Deutschen ihre Erdbeeren. Mehr als 230 000 Tonnen Erdbeeren haben die Deutschen im vergangenen Jahr verspeist. Bernd Möllers, Beerenobstberater der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen und Geschäftsführer des Landesverbandes Obstbau Westfalen-Lippe, weiß, dass jeder Einwohner in Deutschland statistisch gesehen rund 3,4 Kilogramm Erdbeeren isst.

„Das sind sieben Erdbeerschalen à 500 Gramm.“ Dass die Deutschen besonders gern zu Früchten greifen, die aus heimischer Erzeugung stammen, kann er verstehen. Die sind aromatischer, weil sie bis zum Schluss an der Pflanze reifen können und nach dem Pflücken keine langen Transportwege zurücklegen müssen. Das komme am Ende nicht nur der Umwelt, sondern auch den Früchten selbst zugute. Denn vollreife Früchte haben mehr Geschmack und einen höheren Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen. Dabei gilt: Je dunkler das Rot, desto gesünder die Erdbeere.

Tipps zur Lagerung & zum Verzehr

Frisch schmecken Erdbeeren am besten. Deshalb sollte man beim Einkauf auf Farbe und feste Konsistenz der Erdbeeren achten. Reife Erdbeeren glänzen, sind gleichmäßig rot gefärbt und haben einen frischen, grünen Kelch. Außerdem haben sie einen angenehm-aromatischen Duft. Erdbeeren sind zarte, stoßempfindliche Früchte. Zum Transport sollten sie entsprechend geschützt verpackt werden.

Trotzdem: Leichte, oberflächliche Druckstellen beeinträchtigen nach Ansicht der Experten weder Geschmack noch Haltbarkeit. In der Regel sollten die Früchte rasch aufgegessen werden. Falls das nicht möglich ist, halten Erdbeeren ungewaschen und abgedeckt einige Tage im Kühlschrank. Die Königinnen unter den Beerenfrüchten sind Sensibelchen. Daher sollten Erdbeeren nie unter fließendem Wasser abgespült werden. Der harte Strahl kann ihre Oberfläche beschädigen und schwemmt außerdem viel vom köstlichen Aroma aus. Besser ist es, die Erdbeeren in stehendem Wasser zu säubern. Blätter und Strunk werden erst nach dem Waschen entfernt.

Erdbeeren sind nicht nur ein fruchtig-frischer Hochgenuss. Sie sind auch unglaublich gesund. Mit etwa 55 Milligramm pro 100 Gramm enthalten Erdbeeren sogar mehr Vitamin C als Zitronen oder Orangen. Dazu kommen jede Menge Vitamin A, E und K sowie Jod, Magnesium, Eisen und Phosphor. Kaum eine Frucht enthält so viel Folsäure wie Erdbeeren. Die in den Erdbeeren enthaltenen Polyphenole schützen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und wirken entzündungshemmend. Der Kaloriengehalt ist klasse: Die Beeren-Früchte sind mit etwa 32 Kilokalorien pro hundert Gramm echte Schlankmacher, betont die Deutsche Gesellschaft für Ernährung.

Historisches zur Frucht

Schon die Römer schätzten die Erdbeere, wie Quellen von Ovid über Plinius bis Virgil bezeugen. Ihr Duft gab der Erdbeere ihren Namen: Fragaria vesca bedeutet auf Lateinisch so viel wie „essbarer Duft“. Im 14. und 15. Jahrhundert wurden Erdbeeren bereits in Frankreich und England angebaut. Erst im 18. Jahrhundert ist es durch ­Kreuzungen südamerikanischer und europäischer Erdbeerpflanzen gelungen, die heutigen großfruchtigen Gartenerdbeeren zu züchten. Hauptanbaugebiet war früher Baden-Baden. Heute kommen Erdbeeren vor allem aus Niedersachsen, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Allein in NRW sind nach Angaben der Landwirtschaftskammer NRW im Jahr 2018 rund 35.000 Tonnen Erdbeeren geerntet worden.

Botanisch zählt die Erdbeere zu den Rosengewächsen und ist eine Nussfrucht. Die eigentlichen Früchte sind die kleinen gelben Körner auf der Oberfläche. Sie werden als Nüsschen bezeichnet. Die Erdbeere ist nichts anderes als der fleischig verdickte Blütenboden. Ein kluger Schachzug der Natur: Vögel und kleine Säugetiere werden von der roten Farbe der Erdbeere angezogen. Sie naschen von der Frucht. Die Nüsschen landen unbeschadet im Verdauungstrakt und können später – weit entfernt von der Mutterpflanze – wieder keimen.

Wichtige Faktoren: Bienen & Hummeln

Manche Menschen, vor allem Säuglinge und Kleinkinder, reagieren nach Angaben des Bundeszentrums für Ernährung auf den Genuss von Erdbeeren mit Hautausschlägen. Dabei handelt es sich nicht um eine Allergie, sondern um eine pseudoallergische Reaktion. Sie entsteht durch eine übertriebene Histaminausschüttung des Körpers. Die Ursache ist noch unbekannt.

Zu den wichtigsten Helfern der Erdbeerbauern zählen Bienen und Hummeln. Zwar helfe schon der Wind dabei, dass die Erdbeerblüten bestäubt werden. Aber durch die tatkräftige Unterstützung der fliegenden Helfer können höhere Erträge mit sehr guten Qualitäten gewonnen werden, informiert die Landwirtschaftskammer NRW.

Schnelle Pflücker, das weiß Bernd Möllers, ernten zwischen zwölf und 15 Kilogramm Erdbeeren pro Stunde. Auf rund 400 Selbstpflückfeldern in NRW können die Kunden in Kürze ausprobieren, wie schnell sie ein Kilogramm Früchte in der Schale haben. Auf der Seite www.obstbaufachbetriebe.de können Interessierte ab Ende Mai nach Pflückfeldern in der Region suchen.

Aufgepasst an der Erdbeer-Waage

Vor zwei Jahren bin ich auf den Geschmack gekommen und in die Marmeladen-Produktion eingestiegen. Den Anfang machen vor Aprikosen und Pfirsichen die Erdbeeren. Erst Familien-Pflücktermin auf dem Feld – dann ab in die Küche. Vielfalt ist dabei unser Ding. Drei Leute, drei Meinungen, verschiedene Lieblingssorten. Es gibt Erdbeere pur. Aber auch Erdbeere mit Vanille. Erdbeere mit Mango. Erdbeere mit Pro­secco. Erdbeere mit Rhabarber. Das Vorratsregal war nach Saison 1 gut gefüllt. Wir sind bis zum Winter ausgekommen. 

Mit der neuen Erdbeersaison stand dann Produktionsjahr Nummer 2 an. Also wieder: Erdbeer-Termin auf dem Feld. Drei Pflücker, drei Schalen. Am Ende hatten wir 9,7 Kilogramm. Ich hätte an der Waage wegen der Menge stutzig werden können. Bin ich aber nicht. War ja alles eine Wiederholung. Doch irgendwas muss anders gewesen sein: Das Putzen der Erdbeeren dauerte viel länger als im Vorjahr.

Der Gelierzucker reichte nicht und musste genauso wie Gläser von einer Freundin spontan nachorganisiert werden. Am Ende schloss das Regalbord im Keller wegen Überfüllung. Sommer im Glas: Wir haben soeben das letzte Glas Erdbeere von der Saison 2018 geöffnet.

(Doerthe Rayen überlegt, welche Schalen sie dieses Jahr zum Pflücken mitnimmt.)

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Erdbeer-Rezepte zum Downloaden:

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