Digitales
Der Einstieg von Schülern in die digitale Welt ist wichtig

Digitalisierung ist in aller Munde. Kein Wunder; Google ersetzt Lexika, Ratgeber und Telefonbücher seit Jahrzehnten und die meisten Menschen würden – vielleicht etwas beschämt – zugeben, dass es zu lange her ist, seit sie den Kopf in ein wirklich echtes Buch gesteckt haben.

Donnerstag, 26.12.2019, 00:01 Uhr aktualisiert: 26.12.2019, 05:00 Uhr

Schüler sind hiervon ausgenommen. Zumindest in Deutschland. Statistiken zum digitalen Aufholbedarf zeigen, dass in Deutschland noch immer das Lernbuch als alleiniges Lehrmittel genutzt wird. An zwei Dritteln der Schulen gibt es keine Klassensätze mit Tablet-PCs und Smartphones. Zu häufig wurde der zu frühe Kontakt mit der digitalen Welt kritisiert. Dass Deutschlands Schulen erneut nur das PISA-Mittelmaß darstellen, kann daher rühren. Dennoch gibt es sie; die Stimmen, die der Meinung sind, Kinder müssten früh genug mit der digitalen Welt konfrontiert werden.

Einsatz mehrerer Quellen

So argumentiert Tobias Hönig, Mitbegründer des Bildungsnetzwerkes Scolibri, mit der Vielzahl an Quellen, die Schülern durch die Nutzung des Internets zur Verfügung stehen, die auch bei der eigenen Meinungsbildung eine große Rolle spielen können. Diese Möglichkeit bietet ein klassisches Schulbuch nicht. Kinder sollen frühzeitig auf die Nutzung des Internets vorbereitet werden, wobei natürlich immer die Voraussetzung steht, dass das Lernziel nicht aus den Augen verloren werden darf. Das Alter spielt eine untergeordnete Rolle, da auch Kinder unter 12 Jahren schon verantwortungsvoll mit einem Tablet umgehen können. Eine weitaus größere Rolle spielt es, die besten Computer Laptop für Schüler zu finden und zu testen. 

Handyverbote sinnlos

Die von zu Hause gewohnten Möglichkeiten, das Internet zur Rate zu ziehen, sollten also auch in Schulen schon gelehrt werden – sogar schon in Grundschulen, so Hönig. Das so oft ausgesprochene Handyverbot – ob zu Hause oder in der Schule – funktioniert seiner Meinung nach nicht. Im Gegenteil hat es einen konträren Effekt, da Schüler die Geräte trotzdem nutzen. Diese Beobachtungen machen sich Schulen mittlerweile schon zunutze, um die üblichen Handyverbote in Schulen aufzuheben. Viel eher wird nun Wert darauf gelegt, einen korrekten, verantwortungsbewussten Umgang mit den Geräten als weiteren Lehrstoff anzusehen – was zweifelsfrei Sinn macht in einer Welt, in der „Mister Google“ nicht mehr wegzudenken ist.

Individuelle Förderung mit Technik möglich

Oft wird mit dem Argument, den Kindern eine Traumwelt zu suggerieren, gegen die Digitalisierung an Schulen argumentiert. Andererseits müssen Lehrer wie Eltern mit der Zeit gehen und sollten im besten Falle vor der Feststellung, dass Tablets mittlerweile auch bei Kindern früher zur Tagesordnung gehören, nicht die Augen verschließen. Hönig beteuert, Schülern nicht kopflos den Zugang Tablets und Smartphones zu gewähren. Viel eher wird das Ziel verfolgt, Schülern die Auswahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Medien zu geben. So lernen sie gleich mit, den Weg zum eigenen Lernziel selbstständig zu planen. Dennoch sollte eine klare Differenzierung zwischen Medium und Werkzeug erfolgen. Ein Tablet sollte als Werkzeug, nicht als Medium betrachtet werden.

Dass Kindern eine „digitale Traumwelt“ suggeriert wird, mag nicht ganz falsch sein. Falscher ist es aber, Kindern die Möglichkeit zu verwehren, sich mit dieser Welt aus tausenden nützlichen Informationen und Hilfen auseinander zu setzen. Dabei sollten Eltern wie Lehrkräfte helfen, digitale Hürden aufzuzeigen und die Auseinandersetzung mit der digitalen Welt zu lehren.

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