Meines ist wie keines
Das Fahrrad wird zum Unikat

Fahrräder von der Stange? Muss nicht mehr sein. Radfahren liegt nicht erst seit Corona im Trend. Auch der Hang zur Individualisierung setzt sich fort. Manchmal wird das Rad sogar zu einem echten Unikat.

Dienstag, 02.02.2021, 09:11 Uhr aktualisiert: 02.02.2021, 09:17 Uhr
Anbieter wie Propain bauen Radlern nach persönlichen Bedürfnissen individuelle Bikes zusammen.
Anbieter wie Propain bauen Radlern nach persönlichen Bedürfnissen individuelle Bikes zusammen. Foto: Lichtbildstelle

Berg (dpa/tmn) - «Das Fahrrad ist ein Statement und wird auch immer mehr zum Statussymbol», sagt Sören Zieher. Er hat vor sechs Jahren in Ravensburg die Fahrradmarke Vpace Bikes gegründet und die Individualisierung nach Kundenwünschen zu seinem Credo gemacht. Ziehers Blick liegt dabei vor allem auf hochwertigen Kinder- und Erwachsenenrädern. «Für jeden können wir das passende Fahrrad kreieren - je nach Budget, Gusto und Bedarf», sagt Zieher.

Schaltung, Lenker, Sattel, Schutzbleche oder andere Komponenten dürfen sich seine Kunden bei ihren Lieblingsmarken aussuchen und sich so ihr Traumfahrrad ganz nach eigenem Geschmack zusammenstellen. Über mangelnde Nachfrage kann sich Zieher derzeit nicht beklagen, so dass es schon mal zu Lieferfristen von zwei bis vier Monate kommen kann.

Es lebe der Bergsport - auch im Sommer

Ganz ähnlich sieht die Sachlage für David Assfalg und seinen Geschäftspartner Robert Krauss aus. Auch für sie läuft’s gut, sehr gut sogar. Das von ihnen 2012 - in Vogt, einer Landgemeinde am Rande des Allgäus - gegründete Unternehmen Propain setzte von Beginn an auf die Herstellung individueller Fahrräder und hat sich dabei ganz auf den Mountainbike-Bereich spezialisiert. Dass sie - auch coronabedingt - im vergangenen Jahr von der Kundschaft regelrecht überrollt wurden, daraus macht Assfalg keinen Hehl. «Allerdings macht die Pandemie nur einen Teil der gestiegenen Nachfrage aus», sagt er.

Wird Mountainbiking irgendwann sogar dem Skifahren den Rang ablaufen? Assfalg kann sich das gut vorstellen. Zumindest werde diese spezielle Form des Breitensports gerade auch in den Alpen immer beliebter. Auch der inzwischen auf 70 Mitarbeiter angewachsene Fahrradhersteller aus Vogt entwickelt die Rahmen in den für seine Kunden passenden Größen selbst und lässt sie in Asien produzieren. Welche Farbe das gewünschte Unikat haben soll, mit welchen Bremsen, Federungen oder Pedalen es letztlich ausgestattet sein soll, das dürfen sich die Kunden aussuchen.

Nicht immer muss gleich das ganze Rad individuell sein

Für viele ist der erste Schritt zum individuellen Rad ein neuer Sattel. «Nicht nur beim Neukauf spielen individuelle Sättel eine zentrale Rolle, auch das alte Rad kann problemlos nachgerüstet werden», sagt Ergon-Sprecher Lothar Schiffner. Der Hersteller von Fahrradkontaktpunkten hat sich schon dem Namen nach der bestmöglichen Ergonomie beim Radfahren verschrieben.

«Aufwändige wissenschaftliche Studien belegen, dass gerade mit Blick auf den Sattel eine strikte Geschlechtertrennung zwischen Damen und Herren unumgänglich ist», betont Schiffner. Ebenso seien bei der Auswahl eines optimalen Sattels auch Größenunterschiede zu berücksichtigen. «Und durch die Messung des Sitzknochenabstands lässt sich die individuell richtige Sattelbreite ermitteln», sagt Schiffner. Viele Ergon-Sättel seien in verschiedenen Breiten erhältlich, damit alle Sitzbreitenbereiche abgedeckt werden könnten.

Berührungspunkte beruhigen

Anderes Thema: Als Radfahrer will man sich nach längeren Touren auch nicht über Sensibilitätsstörungen, Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Missempfindungen in Händen und Fingern beklagen müssen - was leider immer wieder vorkommt. «Auch jede Hand ist anders. Deshalb sind unsere Griffe für verschiedene Handformen und -größen angepasst», sagt der Ergon-Sprecher. Nicht nur bei Sätteln, auch bei Griffen spielten die unterschiedlichen Disziplinen eine entscheidende Rolle.

So könne es gerade bei All-Mountain- und Enduro-Fahrern auf langen, ruppigen Abfahrern durch das lange Anspannen der Greifmuskulatur zu einem Blutstau kommen. Deshalb rät Schiffner hier zu Griffen, durch deren einsatz- und funktionsorientierte Texturfelder und spezielle Gummimischung Stöße und Vibrationen besser absorbiert, das direkte Fahrgefühl verbessert und die Haltemuskulatur der Hand deutlich weniger beansprucht würden.

Das Fahrrad passt sich den Benutzern an

Serienproduktionen und Individualaufbauten gehen beim Liegeradhersteller HP-Velotechnik aus dem hessischen Kriftel Hand in Hand. «Wir sind eine Manufaktur mit Baukastensystem», sagt Sprecher Alexander Kraft. So seien etwa beim speziell für Kinder und Menschen mit geringer Körpergröße konzipierten Gekko fxs individuellen Ausstattungswünschen kaum Grenzen gesetzt. Außerdem lasse sich das Dreirad mit zwei vorne gelenkten Rädern mit ein paar Handgriffen auf Körpergrößen von 1,15 bis 1,80 Meter anpassen. «Das breite Spektrum an Zubehör macht dieses Trike zur perfekten Plattform für Anpassungen im Therapie-Bereich - beispielsweise mit dem neuartigen Führungsgriff für Begleiter oder einem Fünf-Punkt-Gurtsystem», so Kraft.

© dpa-infocom, dpa:210201-99-257992/2

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