Zu grell für die Straße
Polizei zieht goldenes Auto aus dem Verkehr

Ein Mann nutzte den warmen Herbsttag, um ein goldfoliertes Auto in der Düsseldorfer Innenstadt auszufahren. Weil die Sonne auf der Folie «deutlich blendete», zog die Polizei den Wagen aus dem Verkehr. Für den TÜV und Experten keine Überraschung.

Montag, 14.10.2019, 14:39 Uhr aktualisiert: 14.10.2019, 14:46 Uhr
Ein goldener SUV wird nahe der Königsallee abgeschleppt. Der Wagen war bei einer Kontrolle gegen "Auto-Poser" aufgefallen.
Ein goldener SUV wird nahe der Königsallee abgeschleppt. Der Wagen war bei einer Kontrolle gegen "Auto-Poser" aufgefallen. Foto: dpa

Düsseldorf (dpa/lnw) - Als die Polizei das Auto fotografierte, spiegelten sich ihre Uniformen in den Türen. Dennoch war sich der Fahrer (30) eines mit Goldfolie überzogenen SUV keiner Schuld bewusst, als sein Auto jüngst bei bester Herbstsonne in Düsseldorf aus dem Verkehr gezogen wurde.

Aber: Der Wagen «blendete bei entsprechendem Sonnenlicht deutlich», teilte die Polizei mit. Das Gold-Mobil wurde sichergestellt, der Mann kassierte eine Anzeige.

Nicht der erste Fall von Glitzer-Tuning in Deutschland.

Und dennoch lassen sich Fahrer immer wieder für viel Geld glänzende Folien aufziehen. «Solch eine Folierung kostet - wenn sie gut gemacht ist - 2500 bis 3000 Euro», sagte Harald Schmidtke, Geschäftsführer des Verbands der Automobil-Tuner, der Deutschen Presse-Agentur. «Ob sie zulässig ist, wird ein Gutachter entscheiden müsse», so Schmidtke: «Blendet sie andere Verkehrsteilnehmer, ist das allerdings ein KO-Kriterium.»

Tatsächlich hat die Düsseldorfer Polizei nach eigenen Angaben bereits einen Sachverständigen eingeschaltet. Der Fahrer des BMW X5 sagte laut der Behörde, ihm sei überhaupt nicht bewusst gewesen, was verändert worden sein könnte. Allerdings «wies der X5 auch dunkel lasierte Rückleuchten sowie eine manipulierte Abgasanlage auf», so die Polizei. So schnell wird der Wagen damit nicht wieder auf der Straße rollen.

In Hamburg war das - zunächst - anders, als die Polizei im April den Fahrer eines goldfolierten Porsches stoppte und ihn verwarnte. Die Beamten forderten den Mann auf, die Folie abzuziehen. Wenige Tage später wurde der 31-Jährige aber wieder mit dem Gold-Porsche gestoppt. Diesmal schleppte die Polizei den Luxuswagen ab.

Auch der TÜV Rheinland kennt das Phänomen.

In einem ähnlichen Fall hatte ein Gericht den TÜV-Experten Thorsten Rechtien zu Rate gezogen. Ergebnis damals - nach ausführlichen Untersuchungen: die Folierung war nicht zulässig. «Über den aktuellen Fall sagt das allerdings nichts aus», so Rechtien. Hier müsse der Gutachter einzeln entscheiden. Grundsätzlich gelte aber Paragraf 30 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO): Fahrzeuge müssen demnach «so gebaut und ausgerüstet sein, dass ihr verkehrsüblicher Betrieb niemanden schädigt oder mehr als unvermeidbar gefährdet, behindert oder belästigt.»

Dass bezieht sich natürlich nicht nur auf die Farbe von Autos, weshalb die Düsseldorfer Polizei schon vor mehr als einem Jahr die «AG Tuning» gründete. Die Ermittler bremsen regelmäßig die «Auto-Poser»-Szene aus, die Wagen teilweise illegal tiefer legt, Motoren verändert oder unerlaubte Reifen aufzieht. An der bundesweit bekannten Düsseldorfer Königsallee legen sich die Polizisten vor allem bei Sonnenschein und an Wochenenden auf die Lauer.

Die «Kö» zieht mit ihrem mondänen Charme offenbar Menschen magisch an, die mit ihren Autos protzen wollen. Denn obwohl inzwischen bekannt ist, dass dort regelmäßig kontrolliert wird, fischte die Polizei am vergangenen Sonntag neben dem goldenen BMW zwischen 12.15 Uhr und 18.45 Uhr noch 37 weitere verdächtige Fahrzeuge raus. Außer dem Glitzer-Gefährt wurden drei weitere Autos und ein Harley Davidson-Motorrad vor Ort sichergestellt. «Darüber hinaus erhoben die Beamtinnen und Beamte 17 Verwarnungsgelder und schrieben 25 Ordnungswidrigkeitsanzeigen», so die Polizei.

Woher der 30-Jährige den Gold-BMW eigentlich hatte, konnten die Beamten zunächst nicht sagen. Eventuell habe er ihn nur ausgeliehen, so die Polizei. Dann wäre die Ausfahrt wirklich keine glänzende Idee gewesen.

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