BGH
Cannabis am Steuer ist fahrlässig - auch als Spätwirkung

Wer unter Drogeneinfluss Auto fährt, riskiert eine Geldstrafe und Führerscheinentzug. Doch nicht jedem ist klar, wie lange die Wirkung eines Rauschmittels anhält. So gelangte der Fall eines Cannabis-Konsumenten vor dem BGH.

Dienstag, 04.04.2017, 14:04 Uhr

Cannabis-Raucher sind verpflichtet, herauszufinden, ob sie noch verkehrstüchtig sind, bevor sie sich hinters Steuer setzen.
Cannabis-Raucher sind verpflichtet, herauszufinden, ob sie noch verkehrstüchtig sind, bevor sie sich hinters Steuer setzen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Karlsruhe (dpa) - Wer sich mit Cannabis berauscht und Auto fährt,muss mit Konsequenzen rechnen, auch wenn der Konsum schon längerzurückliegt. Das stellt der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Beschluss klar. (Az. 4 StR 422/15)

In dem Fall sollte ein Mann 500 Euro Bußgeld zahlen und einen Monatden Führerschein abgeben, weil seine Blutwerte bei einerVerkehrskontrolle jenseits des Zulässigen lagen. Erlaubt ist eineKonzentration des Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC) von maximal1,0 Nanogramm pro Milliliter. Das zuständige Amtsgericht stützte sichallein auf den gemessenen Wert. Der Mann äußerte sich nicht zu denVorwürfen, wehrte sich aber mit einer Rechtsbeschwerde - dass erfahrlässig gehandelt habe, sei nicht tragfähig begründet, meinte er.

Tatsächlich waren einige Oberlandesgerichte in ähnlichen Fällen derAnsicht, der Fahrer habe nicht erkennen können, ob das Cannabis nochin seinem Körper wirke. Das hat aber keine Rolle zu spielen, wie derBGH jetzt grundsätzlich entscheidet. Wer Cannabis konsumiert hat, istdemnach immer verpflichtet, vor der Fahrt herauszufinden, ob erverkehrstüchtig ist - «durch gehörige Selbstprüfung» oder «Einholungfachkundigen Rats». Im Zweifel muss er die Finger vom Steuer lassen.

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