Atom
Bundesamt-Chef: Zügige Eingrenzung von Endlager-Gebieten

Keiner will ihn haben, den strahlenden Atommüll. Doch irgendwo in Deutschland wird auf absehbare Zeit ein Endlager entstehen müssen. Auch Gebiete in NRW gelten als mögliche Option.

Dienstag, 04.05.2021, 14:52 Uhr aktualisiert: 04.05.2021, 15:01 Uhr
Wolfram König, Präsident des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung, spricht während einer Pressekonferenz.
Wolfram König, Präsident des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung, spricht während einer Pressekonferenz. Foto: Federico Gambarini

Düsseldorf (dpa/lnw) - Der Präsident des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), Wolfram König, hat eine rasche Eingrenzung der für ein atomares Endlager in Frage kommenden Regionen in Deutschland gefordert. Er habe ein Interesse daran, dass es möglichst zügig dazu komme, damit die Regionen, die nicht weiter in Frage kämen, «Klarheit bekommen», sagte König am Dienstag in Düsseldorf. Gleichzeitig brauchten die Regionen in der engeren Wahl die «Solidarität der anderen».

Das BASE beaufsichtigt das Auswahlverfahren und organisiert die Beteiligung bis zur Feststellung eines Endlager-Standorts. Bis 2031 soll er gefunden sein. Aber schon in der ersten Phase der Suche sei man über der Zeit, so König.

Die mit der Suche beauftragte Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hatte im September einen Zwischenbericht vorgelegt. Demnach sind 54 Prozent der Fläche Deutschlands und rund 30 Prozent der Fläche in Nordrhein-Westfalen für ein atomares Endlager geologisch geeignet. Der heftig umkämpfte niedersächsische Salzstock Gorleben ist nicht darunter.

In der nächsten Phase sollen Bedingungen jenseits der Geologie wie Naturschutzgebiete, Bevölkerungs- und Besiedlungsdichte untersucht werden. Nach Einschätzung der CDU/FDP-Regierung des bevölkerungsreichsten Bundeslandes ist angesichts dieser nächsten Kriterien NRW kein Endlager-«Hotspot».

In NRW sehen Experten im Münsterland, Teilen Ostwestfalens und am Niederrhein günstige geologische Voraussetzungen für die unterirdische Lagerung des strahlenden Abfalls. Von insgesamt 90 Gebieten in Deutschland sind laut Bericht acht in NRW für ein Endlager geeignet. Dort kommen Tongestein oder Schichten aus Steinsalz vor.

Der Süden von NRW und fast das gesamte Ruhrgebiet scheiden dagegen aus. Auch König betonte, dass Bergbaubereiche herausgenommen würden, «denn die Geologie soll eine Kapsel bilden, jede Störung durch Seismik oder Bohrungen für Bergbau ist eine Zerstörung der Schutzschicht.» In NRW kämen daher vor allem tiefengeologische Schichten in Bereichen des früheren Steinkohlebergbaus nicht in Frage. «Aber es gibt Bereiche, insbesondere mit Salz- und Tonvorkommen, die nach dem jetzigen Kenntnisstand geeignet sind, sich die genauer anzugucken.»

Das bundesweit mögliche Endlager-Gebiet sei von 54 Prozent der Fläche «einzudampfen auf wenige Standorte», sagte König. Diese sollten dann vom Bundestag für weitere Erkundungen bestätigt werden. Derzeit berate eine Fachkonferenz aus Bürgern, Wissenschaft, Kommunen und zivilgesellschaftlichen Organisationen über den Zwischenbericht. Am Ende des gesamten Prozesses solle ein Vergleich von zwei Standorten erfolgen. Ob das in zehn Jahren gelinge, «wird man sehen». Es sei ein «sehr ehrgeiziger Zeitplan», sagte König.

«In gut 20 Monaten werden in Deutschland die letzten drei Atomkraftwerke abgeschaltet», sagte König. «Für viele ist das Thema damit beendet, aber wir stehen noch vor einem langen, langen Weg, der sich über Jahrzehnte hinziehen wird, die Folgelasten zu bewältigen.» Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe, wonach das Bundes-Klimaschutzgesetz zu kurz greift, sei auch mit Blick auf die atomaren Altlasten ein Auftrag, Generationengerechtigkeit herzustellen.

König sicherte eine enge Beteiligung der Bürger und Transparenz bei der Endlager-Suche zu. Bis zur Entscheidung werde es drei Bundesgesetze geben. Er warnte aber davor, die atomaren Altlasten nach dem Motto «Bei mir nicht, nicht in meinem Garten» in andere Regionen oder die Endlager-Frage noch weiter verschieben zu wollen. «Das Verschieben in die Zukunft ist jedenfalls mit dem Gerechtigkeitsanspruch, den auch das Bundesverfassungsgericht noch mal deutlich ins Stammbuch geschrieben hat, nicht zu vereinbaren.»

Insgesamt warten laut König 1900 Castor-Behälter auf ein Endlager. Sie stehen derzeit oberirdisch in 16 Zwischenlagern - in NRW in Ahaus und Jülich. Die Zwischenlager seien für 40 Jahre genehmigt. «Das ist keine Dauerlösung», sagte König. «Beton, Wachmannschaften, Stacheldraht können nicht die Sicherheit ersetzen, die die Geologie dauerhaft bietet.»

Das Bundesamt hat eine eigene Ausstellung zur Suche nach einem Endlager für atomare Abfälle konzipiert, die bis zum 21. Mai 2021 im Landtag in Düsseldorf zu sehen ist.

© dpa-infocom, dpa:210504-99-462978/3

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