Schulen
Prüfungen für «Abi 2021» unter Pandemie-Bedingungen begonnen

Das Abitur 2021 ist keine normale Reifeprüfung. Für rund 90 000 Schüler in NRW ging es am Freitag los - nach einem Pandemie-Schuljahr, in dem viel Präsenzunterricht ausfiel.

Freitag, 23.04.2021, 15:47 Uhr aktualisiert: 23.04.2021, 15:52 Uhr
Leere Tische und Stühle stehen in der Aula.
Leere Tische und Stühle stehen in der Aula. Foto: Patrick Pleul

Düsseldorf (dpa/lnw) - Unter strengen Schutzauflagen und nach einem Schuljahr unter Pandemie-Bedingungen haben am Freitag in Nordrhein-Westfalen die Prüfungen für das «Abi 2021» begonnen. Für die ersten der insgesamt rund 90 000 Abiturienten standen am Tag eins Klausuren im Fach Englisch an. Die Abiturprüfungen seien «reibungslos» gestartet, es habe keine «erkennbaren Problemanzeigen der Schulen» gegeben, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) in Düsseldorf. Alle Vorbereitungen seien rechtzeitig abgeschlossen worden.

In diesem Jahr streben 79 000 Schüler von Gymnasien, Gesamtschulen, Waldorfschulen und Weiterbildungskollegs sowie 11 000 Prüflinge an den Berufskollegs ihre Reifeprüfung an. Während der Prüfungen mussten die Schüler eine medizinische Maske tragen. Die Abiturienten durften ihre Schule nur betreten, wenn sie vorher am schulischen Corona-Selbsttest mit negativem Ergebnis teilgenommen hatten oder einen höchstens 48 Stunden alten negativen Bürgertest vorweisen konnten. Wer nicht über einen geforderten Corona-Test verfügte, musste die Klausur in einem getrennten Raum schreiben.

Pech hatte die Jahrgangsstufe eines Gymnasiums in Erftstadt bei Köln, die in Quarantäne musste. Der WDR zitierte die Schulleiterin, die von 105 betroffenen Schülern sprach. Nach einer Info-Veranstaltung in der vergangenen Woche in der Schule habe sich herausgestellt, dass sich ein Schüler infiziert hatte. Die Abiklausur müsse nachgeschrieben werden. Die große Mehrheit der Prüflinge landesweit habe sich selbst getestet oder einen Bürgertest vorgezeigt, berichtete der Philologen-Verband. Nur sehr vereinzelt seien ungetestete Schüler in separate Räume geschickt worden.

Belastung, Druck und Nervosität seien in diesem Jahr besonders groß, hatte die Verbandsvorsitzende Sabine Mistler zuvor geschildert. Die Prüfungen würden auch unter dem neuen Infektionsschutzgesetz und der Bundes-Notbremse nach dem Willen von Bundes- und Landesregierung in Präsenz durchgeführt - «ohne die Entwicklung des Infektionsgeschehens zu berücksichtigen». Mistler monierte, dass Lehrer an Gesamtschulen und Gymnasien bisher keine Impfungen erhalten hätten und «sich täglich einem erhöhten Gesundheitsrisiko aussetzen.»

Das zentrale Abitur 2021 sei unfair, kritisierte die Landesschülervertretung (LSV) zum Prüfungsstart. Die Ausgangslage sei unter den Schülern sehr ungleich, betonte Johanna Börgermann vom Vorstand. Ein Leistungsabfall «wäre nicht überraschend, wenn man in der Pandemie Inhalte nicht gelernt hat, diese aber trotzdem in den Prüfungen abgefragt werden können.» Viele Schüler seien in den letzten Tagen trotz Sorge vor Ansteckung in die Schulen gekommen, um eine möglichst gute Prüfungsausgangslage zu haben, sagte LSV-Vorstand Thomas Niebuer. «Denn es gab keinen Anspruch auf alternativen Distanzunterricht.»

Die Klausuren gehen bis zum 5. Mai, vom 7. Mai an finden die mündlichen Prüfungen statt. Das Schulministerium unterstrich, die Voraussetzungen für faire Prüfungen und ein vollwertiges, bundesweit vergleichbares Abitur seien trotz der widrigen Umstände gegeben. Dagegen meinte die Landeselternschaft der Gymnasien, aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzungen der Schüler im Pandemie-Schuljahr mit erheblich weniger Präsenzunterricht sei keine landesweite Vergleichbarkeit gegeben. Es sei zu befürchten, dass die Bedingungen für den nächsten Jahrgang 2022 sogar noch schwieriger würden.

© dpa-infocom, dpa:210422-99-313657/5

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