Schulen
Elternverband: Langfristig fürs kommende Schuljahr planen

Die Unruhe in der Schullandschaft wächst. Viele wollen das «Rein und Raus» im Schulbetrieb nicht mehr mittragen, heißt es von Elternseite. Das Kreisen um Wocheninzidenzen stört viele - aus unterschiedlichen Gründen.

Dienstag, 20.04.2021, 16:26 Uhr aktualisiert: 20.04.2021, 16:30 Uhr
«Coronavirus» steht auf einer Tafel in einem leeren Klassenzimmer.
«Coronavirus» steht auf einer Tafel in einem leeren Klassenzimmer. Foto: Armin Weigel

Dortmund (dpa/lnw) - Nach viel Unruhe im Schulbetrieb mit oft extrem kurzfristigen Öffnungen und Schließungen hat der Elternverband LEK schon jetzt Planungen für das nächste Schuljahr verlangt. Das monatelange Hin und Her und die starre Ausrichtung an der Wocheninzidenz sei «unsinnig», kritisierte die Landeselternkonferenz (LEK) in NRW. «Die Schulen ersticken in dem Rein und Raus», sagte die LEK-Vorsitzende Anke Staar am Dienstag. Die Bedürfnisse von Schülern und ihren Familien würden ausgeblendet.

«Schulen müssen jetzt unbedingt in Ruhe langfristig ihr Konzept entwickeln können.» Es sei davon auszugehen, dass auch im kommenden Schuljahr ab Sommer kein Normalbetrieb möglich sein werde. Die LEK halte pauschale Vorgaben des Landes «von oben herab» für falsch. Schulleitungen und Kommunen als Träger sollten mehr Spielraum erhalten, um eigene Konzepte zu entwickeln - konkret angepasst an die individuellen Gegebenheiten vor Ort und Bedürfnisse der Schüler. Das Land solle für Bildungsqualität sorgen - also für genug Personal und Räumlichkeiten, aber keine «minutiösen» Vorschriften machen, verlangte Staar.

Der aktuell im Entwurf für ein geändertes Infektionsschutzgesetz des Bundes vorgesehene Wert für Schulschließungen sei noch zu hoch, betonte die Landeselternschaft der Gymnasien NRW. In dem Entwurf wird als Schwelle eine Wocheninzidenz von 165 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche genannt. Es brauche eine eigene Altersgruppen-Inzidenz für Schüler, teilte der NRW-Verband mit. Stehe der Wert einmal in einem Bundesgesetz, sei «eine falsche Orientierung zementiert». Über die Novelle wird noch in Bundestag und Bundesrat beraten.

In den letzten Wochen habe es steigende Infektionszahlen mit ernsthafteren Erkrankungen auch in der Altersgruppe der Schüler gegeben, mahnte die Landeselternschaft. «Sie müssen aber jetzt und längerfristig besonders geschützt werden, weil für die unter 16-Jährigen in absehbarer Zeit kein Impfstoff zur Verfügung steht.» Die Gewerkschaft Erziehung und Bildung nannte erneut eine Wocheninzidenz von 100 als geeigneten Maßstab. «Wir halten die neue 165er Inzidenz für Schulschließungen für aus der Luft gegriffen», hieß es bei der GEW.

Die LEK-Vorsitzende Staar meinte, um das «Maximum an Angebot» zu ermöglichen, sei ein täglicher, aber kürzerer Unterricht in den Klassen denkbar - etwa an Grundschulen drei Stunden vormittags für eine Klassenhälfte und drei Stunden nachmittags für die andere. Man müsse sich etwas vom Stundenplan lösen und solle auch nicht an der Zahl der Klassenarbeiten festhalten.

Nach einer Woche Unterricht daheim waren am Montag viele Schüler wieder in ihre Klassenzimmer zurückgekehrt, aber nur tageweise und im Wechselmodus. Und längst nicht alle, weil mehr als 20 der insgesamt 53 Städte und Kreise drei Tage zuvor über der von NRW aktuell bestimmten Wocheninzidenz von 200 lagen, ab der das Land Distanzunterricht anordnet. Einige Kommunen hatten zudem auf Basis eigener Verfügungen am Distanzmodus festgehalten. Laut GEW sind landesweit in rund 40 Prozent der Kreise und kreisfreien Städte die Schulen derzeit im Homeschooling-Betrieb.

© dpa-infocom, dpa:210420-99-278584/3

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