Verkehr
Verbund: 60 Prozent der Bahnhöfe in «schlechtem Zustand»

Jedes Jahr nimmt der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr die Bahnhöfe und Haltepunkte im Verbundgebiet genau unter die Lupe. Sein Fazit 2020 fällt vielerorts eher «unbefriedigend» aus.

Donnerstag, 04.03.2021, 15:33 Uhr aktualisiert: 04.03.2021, 15:40 Uhr

Gelsenkirchen (dpa/lnw) - Rund 60 Prozent aller Bahnhöfe im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) befinden sich laut einer Untersuchung des VRR in einem «schlechten Zustand». Dies geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten 14. Stationsbericht hervor, der jährlich erstellt wird. Bewertet wurden die Aufenthaltsqualität, die Fahrgastinformation und die Barrierefreiheit an den 294 Bahnhöfen und Bahn-Haltepunkten im VRR im Jahr 2020.

23 Stationen erhielten demnach das Prädikat «ausgezeichnet», weitere 97 eine «ordentliche» Gesamtbewertung. 159 Stationen stuften die Tester als «entwicklungsbedürftig» ein, 15 waren aus Sicht der Prüfer «nicht tolerierbar». Die Mehrheit der Stationen befinde sich damit in einem «unbefriedigenden Zustand», so der VRR.

Vor allem die Aufenthaltsqualität habe an zahlreichen Bahnhöfen zu schlechten Bewertungen geführt, urteilte der Verkehrsverbund. Insbesondere Müll, Graffiti und andere Verschmutzungen sowie bauliche Mängel seien festgestellt worden. «Um die Situation im Interesse der Fahrgäste zu verbessern, sollten die Eisenbahninfrastrukturbetreiber die Stationen intensiver reinigen und instand halten», forderte VRR-Vorstandssprecher Ronald R.F. Lünser. Hauptadressat des Berichts ist laut VRR die Deutsche-Bahn-Tochtergesellschaft DB Station & Service, die die meisten Stationen betreibt.

Die Deutsche Bahn wies die Kritik zurück. Nach wie vor kosteten Graffiti und Vandalismus oftmals gute Bewertungen durch Kunden, hieß es in einer Stellungnahme. «Umso bedauerlicher ist es, dass sich der VRR bislang einer gemeinsamen Anti-Graffiti-Offensive verschlossen hat.» Es bleibe ein Kampf gegen Windmühlen, obwohl die Deutsche Bahn jährlich Millionenbeträge in die Sauberkeit und Behebung von Vandalismusschäden investiere, betonte das Unternehmen.

Auch bei der Barrierefreiheit sieht der VRR noch viel Luft nach oben: An 60 Prozent aller Stationen kämen die Kunden stufenfrei über Aufzüge oder Rampen zu den Bahnsteigen und in die Fahrzeuge. Bei den übrigen 40 Prozent der Haltepunkte bestehe aber ein erhöhter oder sehr hoher Handlungsbedarf.

Die Information der Fahrgäste bewerteten die Tester überwiegend gut. Nahezu 95 Prozent der Stationen erreichten zufriedenstellende bis hervorragende Bewertungen.

Die Deutsche Bahn betonte, dass im laufenden Jahr deutlich mehr Mittel in die Ausstattung der Bahnhöfe investiert werden könnten. So würden in NRW rund 700 Sitzbänke und 50 Wetterschutzhäuser ausgetauscht.

© dpa-infocom, dpa:210304-99-687601/3

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