Prozesse
Tod von Kitakind Greta: Lebenslange Haft gefordert

Im Mordprozess gegen eine Kindergärtnerin in Mönchengladbach enden die Plädoyers im Extrem: Die Anklage beantragt lebenslange Haft, die Verteidigung einen Freispruch.

Dienstag, 02.03.2021, 17:38 Uhr aktualisiert: 02.03.2021, 17:52 Uhr
Das Foto zeigt das Amts- und Landgericht in Mönchengladbach.
Das Foto zeigt das Amts- und Landgericht in Mönchengladbach. Foto: Roland Weihrauch

Mönchengladbach (dpa/lnw) - Im Prozess um den Tod des Kitakindes Greta vor dem Landgericht Mönchengladbach hält die Staatsanwaltschaft einen Mord durch die angeklagte Kindergärtnerin für erwiesen. Die Anklage beantragte am Dienstag im Plädoyer eine Verurteilung der 25-Jährigen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Auch sollten ein lebenslanges Berufsverbot verhängt und die besondere Schwere der Schuld festgestellt werden, sagte Anklagevertreter Stefan Lingens. Die Verteidiger der Frau beantragten einen Freispruch.

Die 25 Jahre alte Erzieherin steht wegen Mordes vor Gericht. Sie soll dem Kind Greta im April 2020 in der Kita in Viersen während des Mittagsschlafes den Brustkorb bis zum Atemstillstand zusammengedrückt haben. Die Dreijährige starb zwei Wochen später im Krankenhaus. Angeklagt ist die Deutsche auch wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen in acht weiteren Fällen. Schon in anderen Kitas soll sie Kindern den Brustkorb fest zusammengepresst und sie damit in Lebensgefahr gebracht haben.

Die Verteidiger sagten, es gebe keinen Tatnachweis im Fall Greta. Die Todesursache sei nicht eindeutig geklärt. Es sei ein reiner Indizienprozess. Die Angeklagte solle freigesprochen werden. Die Deutsche hatte nach Prozessbeginn im November in einer Verteidigererklärung die Vorwürfe zurückgewiesen. Eine psychiatrische Gutachterin hatte sie als nicht psychisch krank und voll schuldfähig eingestuft. Das Urteil soll am 5. März ab 14 Uhr gesprochen werden.

Der Staatsanwalt konnte nach mehr als drei Monaten Prozessdauer über ein Motiv nur spekulieren. Aufgrund von Zeugenaussagen aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis könnte es ihr darum gegangen sein, sich als Retterin darzustellen. Schließlich war die junge Frau immer diejenige gewesen, die jeweils Alarm geschlagen hatte, wenn die Kinder Atemnot hatten oder gar nicht mehr atmeten. Sie habe ihre Wehr- und Hilflosigkeit ausgenutzt und Greta «qualvoll erstickt», sagte der Anklagevertreter.

Auf die anderen Fälle waren die Ermittler erst nach dem Notfall in Gretas Kita in Viersen im April 2020 gekommen. Nachfragen in den Einrichtungen, in denen die Frau zuvor gearbeitet hatte, brachten in Krefeld, Kempen und Tönisvorst ähnliche Vorfälle ans Licht.

Der Staatsanwalt sagte, zu allen Zeitpunkten sei die Angeklagte aufgrund der entsprechenden Dokumentationen der Kindertagesstätten mit den Kleinkindern im jeweiligen Wickel- oder Schlafraum alleine gewesen, als es zu den Vorfällen kam.

© dpa-infocom, dpa:210302-99-656792/4

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