Bau
Streit über barrierefreies Bauen: Widerstand wächst

Legt Schwarz-Gelb beim barrierefreien Bauen in NRW den Rückwärtsgang ein? Mieterschützer, Sozialverbände und sogar die Behindertenbeauftragte der Landesregierung sehen das so. Die Bauministerin widerspricht.

Dienstag, 02.02.2021, 17:19 Uhr aktualisiert: 02.02.2021, 17:30 Uhr

Düsseldorf (dpa/lnw) - Die geplante Bau-Novelle der nordrhein-westfälischen Landesregierung stößt auf wachsenden Widerstand. Sowohl das von 21 Organisationen getragene Bündnis «Wir wollen wohnen» als auch die SPD-Opposition und die Behindertenbeauftragte der Landesregierung beklagten, das Gesetzesvorhaben schwäche barrierefreies Bauen.

NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) widersprach am Dienstag entschieden. Die Kritik entbehre jeder Grundlage, hielt sie dagegen. Im Vergleich zur rot-grünen Vorgängerregierung habe sie die Kriterien für den barrierefreien Wohnungsbau deutlich angezogen. Im Gegensatz zu den kritisierenden Sozialverbänden müsse sie aber «am Ende abwägen zwischen freier Zugänglichkeit von Wohnungen und bezahlbaren Mietpreisen».

Am Freitag werden im Düsseldorfer Landtag Sachverständige zu den Regierungsplänen gehört. Die neue Landesbauordnung soll noch vor der Sommerpause verabschiedet werden.

In der gemeinsamen Erklärung des Aktionsbündnisses, die unter anderem vom Deutschen Mieterbund, dem Sozialverband VdK und der Arbeiterwohlfahrt unterzeichnet ist, heißt es, beim Bau barrierefreier Wohnungen für Ältere und Behinderte hinke NRW hinterher. Trotzdem wolle die Landesregierung die Standards absenken.

Demnach sollten Wohnungen künftig nur noch «im erforderlichen Umfang» barrierefrei sein. Die Einfügung eines solchen unbestimmten Rechtsbegriffs führe zu erheblicher Unsicherheit, kritisierte das Bündnis. Die SPD-Opposition forderte, Barrierefreiheit in der Landesbauordnung verbindlich zu regeln.

Zuvor hatte bereits die Behindertenbeauftragte der Landesregierung, Claudia Middendorf, betont: «Barrierefreiheit ist mehr als eine wohlwollende Nettigkeit.» Der Änderungsentwurf der Landesregierung widerspreche den Grundsätzen der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen, die Deutschland unterzeichnet habe.

«Ein Wegfall der Regelungen zum nachträglichen Einbau von Treppenliften ist ebenso wenig hilfreich wie ein Aufzug, der zwar barrierefrei erreichbar, jedoch nicht barrierefrei sein muss», kritisierte Middendorf. Barrierefreies Bauen und Wohnen müsse Standard werden statt auf bestimmte Räume und Zugänge beschränkt zu bleiben. Daher müsse es eine Neuauflage der geplanten Novelle geben.

Der baupolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Fabian Schrumpf, sprach hingegen von «diversen Missverständnisse» - etwa beim nachträglichen Einbau von Treppenliften. Tatsächlich sei dafür gar keine Erlaubnis der Bauaufsichtsbehörden mehr nötig, erklärte Schrumpf. «Das Verfahren wird schneller und einfacher.» Tatsächlich werde die Pflicht zur Barrierefreiheit deutlich ausgeweitet. Bauministerin Scharrenbach sieht sogar einen «riesigen Sprung für die gesellschaftliche Teilhabe von älteren und behinderten Menschen» im Vergleich zur Legislaturperiode von Rot-Grün.

© dpa-infocom, dpa:210202-99-271024/4

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