Kriminalität
Rocker vor Gericht: Angeklagte schweigen

Fünf «Bandidos»-Rocker sollen Mitglieder einer kriminellen Vereinigung und in Schusswaffen-Attentate in Köln involviert gewesen sein. Vor Gericht wollen sie schweigen. Stattdessen reden ihre Anwälte.

Donnerstag, 22.10.2020, 17:04 Uhr aktualisiert: 22.10.2020, 17:12 Uhr
Einer der Angeklagten kommt in den Saal des Landgerichts.
Einer der Angeklagten kommt in den Saal des Landgerichts. Foto: Bernd Thissen

Hagen (dpa/lnw) - Waffenkäufe, blutige Vergeltungsaktionen und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung: Schwere Vorwürfe erhebt die Staatsanwaltschaft in Hagen gegen fünf Rocker des «Bandidos MC». Am Donnerstag hat vor dem Landgericht der Prozess gegen die zwischen 23 und 58 Jahre alten Deutschen aus Herne, Hagen und Schermbeck begonnen. Auf die Frage, ob sie sich zu der Anklageschrift äußern möchten, schüttelten die Männer nur entrüstet den Kopf.

Als zwei Wachtmeister den mutmaßlichen Hauptangeklagten in den Saal führten, huschte ein Lächeln über das Gesicht des stark tätowierten Mannes. Er winkte Zuschauern und den Mitangeklagten zu. Einem drückte er sogar einen Kuss auf die Wange. Bis zu seiner Festnahme soll der 58-Jährige «National Vice President» der «Federation West Central» gewesen sein. Laut Anklage war diese Organisation für die Verteilung von Waffen an die örtlichen Vereinigungen des Rockerclubs zuständig. Und um einen «territorialen Herrschaftsanspruch» der Vereinigung gegenüber anderen Rockern auszuweiten und durchzusetzen, soll sie den Ortsgruppen zum Beispiel auch mögliche Anschlagsziele vorgegeben haben.

Im November 2018 und Januar 2019 kam es laut Anklage in Köln zu zwei Attentaten mit Schusswaffen auf verfeindete Rocker der «Hells Angels». Im ersten Fall waren diese demnach mit einem Fahrzeug auf der Autobahn unterwegs, als sie aus einem überholenden Wagen unter Beschuss genommen wurden. Eines der Opfer erlitt dabei schwere Verletzungen und schwebte zeitweise in Lebensgefahr. Im zweiten Fall sollen Mitglieder der «Bandidos» auf ein Lokal geschossen haben, das sie den «Hells Angels» zurechneten. Mehrere Schüsse durchschlugen die Eingangstür, verletzt wurde niemand.

In beide Attentate soll die übergeordnete «Federation West Central» involviert gewesen sein. Laut Anklage verlieh diese den eigentlichen Schützen später auch clubinterne Auszeichnungen für die erfolgreiche Umsetzung der Vorgaben.

Die Verteidiger griffen die Anklageschrift hart an. Im Namen seiner Kollegen warf Verteidiger Lars Brögeler der Staatsanwaltschaft vor, eine «bloße Aneinanderreihung von Vermutungen und Spekulationen» vorgelegt zu haben, die jeder Grundlage entbehre. «Sämtliche Anklagehypothesen sind entweder falsch oder werden sich im Prozess nicht beweisen lassen», sagte Brögeler. Das gelte besonders für die Unterstellung, die «Federation West Central» sei den einzelnen örtlichen Chaptern übergeordnet und weisungsbefugt. «Das stimmt einfach nicht», so der Verteidiger. «Alle Chapter sind weitgehend selbstständig. Deshalb sind wir optimistisch, in dem Prozess sämtliche Anklagevorwürfe widerlegen zu können.»

Das Hagener Landgericht hat für den Prozess zunächst noch 35 Verhandlungstage angesetzt. Mit einem Urteil ist nicht vor Ende März 2021 zu rechnen.

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